Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
namentlich ein Paulus hervorhebt) „als ein Glied, das dem andern 
Handreichung tun soll, damit das Ganze, d. i. der Gesamt 
organismus der Menschheit wachse und sich mehr und mehr 
entwickele zur göttlichen Größe" (s. bes. Röm. 12; 1. Korinther 12; 
Epheser 4, 15. 16; Kolosser 2, 19 und 1. Petri 4, 10). Demgemäß mahnt 
Paulus auch insonderheit seinen Timotheus wiederholt: „Erkenne die Gabe, die 
in dir ist"! — Paulus hat es ja deutlichst erfahren, wie unwiderstehlich mächtig 
sich in ihm das Bewußtsein erwiesen, daß er vor andern Aposteln berufen 
(s. Gal. 1 und 1. Kor. 9, 11), den Heiden, zumal den auf der Höhe der 
Kultur stehenden, das Evangelium zu bringen, „damit sie ein Opfer 
Gottes würden." „Ich muß es tun", bezeugt er, „ich muß das Evan 
gelium verkündigen allen Völkern bis ans Ende der Welt (des Römerreichs!); 
wehe mir, wenn ich es nicht täte." Und wie segensreich, erstaunlich frucht 
schaffend hat er in solchem Bewußtsein gewirkt, so daß erfüllet worden die Ver 
heißung Christi: „Wer glaubet, der wird dieselben Werke tun, die ich getan, 
und noch größere als diese." Denn wie wir erfahren, hat ja unser Herr nur 
ca. 500 Gläubige gewonnen, die er nach seiner Auferstehung auf einem Berge 
in Galiläa versammelt vor sich sah; ein Paulus aber etliche hunderttausend —, 
freilich wohl, wie er es ja genau wußte und demütig bekannte: „Ich habe mehr 
gearbeitet als alle andern Apostel, aber nicht ich, sondern die Gnade Gottes, 
die mit mir, denn ich vermag alles nur durch den, der mich mächtig macht, 
Christus; er ist's, der in mir lebet und schafft." 
Ja, das gilt es, darauf kommt es an, unsere heranreifenden Schüler 
immer klarer und inniger erfaßen zu lassen die Bedeutsamkeit der demütigenden 
Gotteszeugnisie: „Was hast du, das du nicht empfangen hast" und: 
„Wem viel gegeben ist, von dem wird man auch viel fordern." 
(S. auch das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden!) 
Schließlich liegt es nun noch nahe, auf einige Mittel und Wege hinzu 
weisen, die sich als besonders zweckmäßig —, und zwar den obigen Ausführungen 
entsprechend! — bewährt haben und darum vornehmlich empfehlenswert sind. 
Ich kann nicht umhin, von vornherein auf ein Mittel hinzuweisen, das 
leider in unserm Staate noch immer nicht als ein hochberechtigtes erkannt und 
verwertet worden, obwohl es nicht nur durch eine allbekannte Gottesordnung 
sozusagen deutlichst gefördert worden, sondern sich auch bereits an vielen Orten 
trefflichst bewährt hat: es ist die Beseitigung der Geschlechter 
trennung („Koedukation") in allen unsern Schulen. Deutlichst genug, 
meine ich, ist ja die Weisung unsers Gottes, daß in den Häusern, wo er den 
Eltern Söhne und Töchter bescheret hat, diese sich unter der sorgsamen Aufsicht 
von Vater und Mutter trefflicher, erfreulicher entwickeln, insbesondere auch auf 
dem Gebiete der Sittlichkeit, als da, wo nur Söhne oder nur Töchter her
	        

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