Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

Der dritte religionswissenschaftliche Ferienkurfus in Bonn. 303 
hörte gründlich durchzuarbeiten und für Schule und Leben rechten Gewinn zu 
erzielen. 
Wir können uns deshalb auch hier darauf beschränken, eine kurze Übersicht 
über den Inhalt der Vorträge zu geben und das herauszuheben, was für den 
pädagogischen Lehrer am meisten Interesse hat. 
Profeffor Meyer warf zuerst einen Rückblick auf die Geschichte des Apo 
stolikums und ging dann dazu über, den ursprünglichen Sinn des Bekenntnisses 
festzustellen, wie es der Geist der frühesten Jahrhunderte und der Personen jener 
Zeit gedacht und welche Bedeutung man ihm beigelegt hat. Daran schloß sich 
die Bedeutung für unsere Zeit, wie es für unsern Willen, unser Leben von 
Wert und Einfluß sein kann. So wurde Stück für Stück des Bekenntnisses 
eingehend beleuchtet und gewürdigt. Von großem Interesse waren die historischen 
Untersuchungen über den Glauben an die Person des Geistes bezw. über den 
Glauben an die Dreieinigkeit. Redner stellte fest, daß man in der ersten Christen 
heit bei dem Geiste nicht sofort an eine Persönlichkeit dachte, vielmehr an eine 
Gabe, eine Wirkung, die den Christen bei der Taufe übermittelt wurde. Zungen 
reden, Weissagen, Leidensfreudigkeit, Selbstverleugnung, Demut, Glauben, Hoff 
nung usw., in Summa: alle christlichen Güter galten als Gabe des heiligen 
Geistes. Es handelte sich also darum, daß man sich zu einem Gotte bekannte. 
Auch da, wo der Geist als Person genannt wurde, bekannte man sich zu dem 
einen Gott (dem Vater) und zu seinem Geiste, der auch der Geist Christi ist. 
Der Glaube an die dreifache Persönlichkeit in einem Gott bedeutete den Glauben 
an eine dreifache Äußerung Gottes, eine dreifache Wesenseigenschaft Gottes 
(Schöpfer, Erlöser, Heiliger oder Erleuchter). 
Der Glaube an den Geist bezw. die Vorstellung vom Geist hat sich im 
Alten Testament mit der fortschreitenden Gotteserkenntnis immer mehr geklärt, 
gereinigt und geläutert, so daß aus dem Geiste der Raserei und des Wahnsinns 
(mach) der Geist des Mutes und der Stärke, und endlich der Geist der Heilig 
keit und der sittlichen Reinheit wurde (halb persönlich, halb unpersönlich gedacht). 
Paulus fügt dieser Vorstellung noch hinzu, daß der Geist die Gotteskindschaft 
erzeuge (welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder) und daß er die 
Menschen in alle Wahrheit leite. 
Redner fügte diesen geschichtlichen Untersuchungen hinzu, daß wir nicht 
völlig in das Wesen Gottes und in seine Tiefe einzudringen vermögen, daß wir 
nur seinen Ernst und seine Liebe fühlen können. So ist es mit dem Geiste! 
Wir müssen den Geist an seinen Wirkungen in uns spüren und fühlen und an 
den Früchten desselben in unserm Leben erkennen. Die Frucht aber des Geistes 
ist Keuschheit und Gerechtigkeit und alle Tugend. 
Die Diskussion behandelte vornehmlich, wie man den Kindern am besten 
das Wesen des heiligen Geistes erklären könne. Dabei wurde vor allem auf 
das Wirken des Geistes in der Kirchengeschichte, bei den Märtyrern, den Männern 
der Innern Mission, der Reformation usw. hingewiesen, um daran nachzuweisen, 
wie der Geist allezeit wirksam gewesen sei; Glauben an den Geist aber heiße: 
glauben, daß diese Wirksamkeit auch heute noch fortgehe. Von anderer Seite 
wurde für nötig erachtet, auf die Wirkung des strafenden und tröstenden Geistes 
im eignen Innern hinzuweisen, um den Geist Gottes als die lebendige Kraft 
Gottes, die uns zu allem Guten antreibe, zu erfassen, im Einklang mit Luthers 
Worten: Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Kraft usw. Wieder andere 
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