Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

Rundschau. 
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trennt, macht sie diese fast täglich auf ihre Verschiedenheit in religiöser Hinsicht auf 
merksam. Sie ist daher nicht geeignet, die konfessionellen Gegensätze zu mildern, son 
dern trägt vielmehr unter Umständen noch zu ihrer Verschärfung bei. 2. Die Ver 
schiedenheit im religiösen Bekenntnis steht dem so notwendigen Vertrauen zwischen den 
an der Schule beteiligten Personen — Eltern, Lehrern, Schülern. Schulvorstehern — 
hindernd im Wege. 3. Der Religionsunterricht wird aus seiner zentralen Stellung im 
Gesinnungsunterricht herausgerissen und isoliert. Dadurch wird die Einheitlichkeit im 
Gesinnungsunterricht zerstört und der Religionsunterricht in seiner unterrichtlichen und 
erziehlichen Bedeutung wesentlich geschädigt, wie auch der übrige Gesinnungsunterricht 
auf die befruchtende Wirkung des Religionsunterrichts verzichten muß. 4. Der Unter 
richt in der Geschichte, in der Literatur und im Gesang muß auf wertvolle Stoffe ver 
zichten und wird zudem noch durch die den Lehrern auferlegte Rücksichtnahme auf die 
Verschiedenheit der Konfession der Schüler in seiner Wirkung beeinträchtigt. 5. Die 
einheitliche Gestaltung der Schulandacht macht Schwierigkeiten. 6. Die Simultanschule 
verleitet zur Einrichtung großer Schulsysteme und leistet damit auch der Trennung der 
Geschlechter Vorschub. Sie fördert also Schuleinrichtungen, denen vom pädagogischen 
Standpunkte aus große Bedenken entgegenstehen. II. Wenn wir nun auch aus natio 
nalen und pädagogischen Gründen der Konfessionsschule den Vorzug vor der Simultan- 
schule'geben müssen, so sprechen wir uns doch entschieden gegen die zwangsweise 
Einführung der konfessionellen Schule aus, wie wir selbstverständlich auch die Zwangs 
simultanschule verwerfen. Wir fordern vielmehr, daß bei der konfessionellen Ge 
staltung der Schule nach dem Prinzip der Gewissensfreiheit und unter möglichster 
Berücksichtigung der Elternrechte verfahren werde. 111. Als Freunde der Konfessions 
schule erstreben wir eine Beseitigung der Mängel, mit denen diese bisher behaftet war. 
Wir bekämpfen daher den Memorier-Materialismus, verwerfen den isolierten Kate 
chismusunterricht und treten mit aller Entschiedenheit für Beseitigung der noch an 
manchen Orten bestehenden Ortsschulaufsicht der Geistlichen ein. 
Nach lebhafter Besprechung wurde einstimig beschlossen, die volle 
Gleichberechtigung der simultanen mit der konfessionellen Schule 
zu fordern. 
Verhandlung über die Gehaltsfrage. Am 16. Mai beriet das Abgeordneten 
haus über den Antrag seiner Unterrichtskommission: „die Regierung zu ersuchen, be 
hufs Beseitigung unbilliger Ungleichheiten a) in der Belastung der verschiedenen Schul 
verbände und in dem Diensteinkommen der Lehrer in das zu erwartende Volksschul 
unterhaltungsgesetz Bestimmungen aufzunehmen, durch die eine wirksame Entlastung 
der überlasteten leistungsschwachen Verbände herbeigeführt wird, b) nach Durchführung 
der Neuordnung der Schulunterhaltungspflicht ohne Verzug eine Revision des Lehrer 
besoldungsgesetzes vorzunehmen, o) bis dahin durch angemessene Erhöhung des für 
diesen Zweck angesetzten Dispositionsfonds die Beseitigung der größten Härten zu er 
reichen." 
Zu diesem Kommissionsantrag lagen drei Einzelanträge vor: 1. Abg. Freiherr 
von Zedlitz (frk.) beantragte, „Absatz c zu streichen und dafür die Regierung aufzu 
fordern, bis zur Revision des Lehrerbesoldungsgesetzes durch eine Novelle zum Schul 
unterhaltungsgesetz dafür zu sorgen, daß das Grundgehalt für erste und alleinstehende 
Lehrer auf 1200 M., für alle übrigen Lehrer auf 1100 M. und für Lehrerinnen auf 
900 M. erhöht werde, daß der Mindestbetrag der Dienstalterszulagen auf 130 M. für 
Lehrer und 100 M. für Lehrerinnen festgesetzt werde, und daß die dazu erforderlichen 
Mehrausgaben aus der Staatskasse ersetzt werden, soweit sie dadurch die Leistungen 
der Gemeinden für die Volksschulen auf mehr als 50 Prozent des Vollertrages an 
Staatseinkommensteuer erheben. Für den Fall der Ablehnung dieses Antrages be 
antragte Freiherr v. Zedlitz, den Dispositionsfonds im nächsten Haushaltsetat von 
200000 M. auf 5000000 M. zu erhöhen." 
2. Abg. Ernst (freis. Verein.) beantragte, an Stelle der Absätze 5 und c des 
Kommissionsantrages zu setzen: „Von der Regierung gleichzeitig mit dem Schulunter 
haltungsgesetzentwurf eine Vorlage zu fordern, durch welche die entsprechenden Para 
graphen des Lehrerbesoldungsgesetzes geändert werden, daß das Grundgehalt für 
Lehrerstellen nicht weniger als 1350 M. und für Lehrerinnenstellen nicht weniger als 
1050 M. betragen darf, und daß ferner die Alterszulagen für Lehrer jährlich auf 
150 M, steigend von 3 zu 3 Jahren um je 150 M., bis auf jährlich 1350 M., für
	        

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