Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc. 
Lehrerinnen jährlich auf 120 M., steigend von 3 zu 3 Jahren um je 120 M., bis auf 
jährlich 1080 M- festgesetzt werden sollen." 
Der 3. Antrag (Abgg. Zwick und Kopsch) hatte einen formalen Inhalt. 
Ver Vertreter der Regierung, Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff, warnte 
davor, die Revision des Lehrerbesoldungsgesetzes mit dem Volksschulunterhaltungsgesetz 
zu verkoppeln; man solle mit dieser Sache noch vier Monate warten. Wolle man jetzt 
ein Provisorium bis zur Verabschiedung des Volksschulunterhaltungsgesetzes schaffen, 
so werde dadurch die definitive Regelung des Lehrerbesoldungswesens erschwert. In 
der Zwischenzeit müßwn allerdings die größten Härten in der Besoldung beseitigt 
werden, doch gehe man zu weit, wenn man dazu den Dispositionsfonds auf fünf 
Millionen erhöhen wolle. — Besonders interessant war auch der Hinweis darauf, daß 
durch die Konfessionalität der Volksschule für das Schulunterhaltungsgesetz besondere 
Schwierigkeiten in betreff der kleinen Landgemeinden und der Gutsbezirke entständen; 
es ergebe sich die Frage: „Wie beteiligt man den Staat bei der Unterhaltung der 
Volksschule, und welche Form kann man finden, um das Eintreten des Staates für 
diese Leistung in angemessener Weise zu regeln?" Man werde den Landgemeinden die 
besseren Lehrkräfte durch Gehaltserhöhung doch nicht erhalten können, denn die reicheren 
Städte würden dann gleichfalls Gehaltserhöhungen vornehmen. 
Bei der Abstimmung wurden sämtliche Anträge abgelehnt, der Eventualantrag des 
Freiherrn v. Zedlitz, den Dispositionsfonds von 200000 M. auf 5 Mill. 
zu erhöhen, mit 150 gegen 113 Stimmen angenommen. 
Einweihung des Falkdenkmals. Am 10. Juni wurde unter starker Beteiligung 
der Lehrerschaft in Hamm das Falkdenkmal enthüllt. Der Festzug, an dem auch 
Kultusminister Studt und der Oberpräsident von Westfalen teilnahmen, führte zum 
Denkmalsplatz, wo in Reden und Blumenspenden dem verdienten Manne von der 
dankbaren Lehrerschaft die reichsten Huldigungen dargebracht wurden. — 
Im Anschluß daran sei noch hingewiesen auf Mitteilungen, die auf dem Rheini 
schen Lehrertag in Saarbrücken gemacht wurden. Darnach sind für das Denkmal 
31794 M. ausgegeben worden. 23880 Mark sind noch für das zu errichtende Bo sse - 
denkmal übrig. Die Küglerstiftung, die zur Unterstützung erkrankter Lehrer be 
stimmt ist, hat die Höhe von 37 000 M. erreicht; sie soll bis zum Eintritt ihrer Wirksam 
keit auf 100000 M. gebracht werden. 
Humoristisches und „anderes" von der Schillerfeier. Bekanntlich haben sich ge 
legentlich der Schillerseier einige Rektoren in Elberfeld schwer vergangen — zwar wohl 
weniger gegen den Genius des Dichters, als gegen seine übereifrigen Verehrer. Sie 
hatten Anstand genommen, die ungekürzten Dramen und Gedichte an Schulkinder zu 
verteilen, einer, der selbst grundsätzlich das Theater nicht besucht, hatte auch seine 
Schüler zur Tellaufführung nicht begleiten wollen. Der Teil der Lehrerschaft, der sich 
durch diese Vorkommnisse am ärgsten blamiert fühlt, hat die Sache dennoch aufs 
eifrigste in die breite Öffentlichkeit getragen. Auswärtige pädagogische Zeitungen tönen 
nun die lauteste Entrüstung wieder. So findet sich in einen Artikel: „Elberfelder Rek 
toren im Kampfe gegen Schiller", die köstliche Wendung: „Noch ein vierter Rektor, der 
evangelische Herr K., hat sich gegen Schiller und die Schulbehörde aufgeworfen!" 
Der Schreckliche! Gegen die Schulbehörde aufgeworfen! Das kommt doch sonst nicht 
vor, am wenigsten bei freigesinnten Leuten. Vielleicht hat der Unbotmäßige gedacht, 
die Kompetenz der Behörde reiche nicht soweit, daß sie dem Lehrer der Besuch des 
Theaters gebieten könne. Und da mag er nicht unrecht haben. Denn, um einen 
analogen Fall anzuführen, was würde man sagen, wenn die Lehrer von Amtswegen 
die Kinder zur Kirche führen sollten? Die Herren auf der andern Seite haben über 
haupt jetzt plötzlich ihr loyales Herz entdeckt. So weist jemand in einer Zeitung den 
„aufgeworfenen" Rektor auf den sumraus episcopus hin, der doch ein Freund, des 
Theaters sei. Sollte jemand einwenden, in Gewissenssachen müsse jeder seiner Über 
zeugung folgen, so trifft auch das nicht mehr zu. In einem Bericht über eine Sitzung 
des Elberfelder Lehrervereins, der zu diesen „Verunglimpfungen" Stellung genommen 
hat, heißt es: was die von den Gegnern immer wieder ins Feld geführte Gewissens 
freiheit anlange, so müsse die Gesamtheit auch gelegentlich das Recht für sich in An 
spruch nehmen, die Gewissen einzelner zu kritisieren, denn man dürfe doch wohl be 
haupten, daß die Gewissenslage bei Christenmenschen so ziemlich gleich sei." Nun 
wissen wir's. Jeder hat zwar sein Gewissen für sich, aber wenn's zum Handeln geht, 
dann fragt man bei der Mehrheit an. Von nun ab muß abgestimmt werden, und
	        

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