Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc. 
Arten. — Ich habe mich wiederholt dafür ausgesprochen, daß auch der bio 
logische Unterricht der Schule am Deszendenzproblem nicht vorübergehen darf; 
aber falls der Lehrer nicht einfach im Fahrwasser gewisser Popularisatoren der 
Deszendenztheorie segelt, für die bereits alles Dogmatische Gestalt angenommen 
hat, was tatsächlich Problem ist, und über das die größte Meinungsverschieden 
heit unter fast allen Fachmännern besteht, welche Anpassung und Artbildung zu 
ihrem Spezialstudium gemacht haben, — so darf er sich gern an einer Her 
vorhebung der verschiedenen Gesichtspunkte genügen lassen. 
Ich benutze die Gelegenheit, um nur auf einige der allerschärfsten Meinungs 
verschiedenheiten hinzuweisen. Darwin glaubte, daß die Organismen von 
einigen wenigen, vielleicht nur von einer einzigen, im Anfang erschaffenen Ur 
form abstammen. Wer sagt uns aber, ob jene hypothetische Urform nur in 
einem einzigen Exemplar, oder nicht vielmehr gleichzeitig in Millionen von Exem 
plaren in die Erscheinung trat, die teilweise einen ganz ähnlichen Umbildungs 
prozeß seit dem Beginn des Lebens auf der Erde durchmachten? Im letzteren 
Falle könnte jede Blutsverwandtschaft der Organismen in Frage gestellt sein. 
Darwin war ferner der Meinung, daß Naturzüchtung der wesentlichste Faktor 
für die Bildung und Umbildung der Arten war. Kölliker und namentlich 
de Vries sind der Ansicht, daß Naturzüchtung hierbei gar nicht in Frage kam. 
Darwin suchte die Lehre von der Konstanz der Arten zu erschüttern; de Vries 
lehrt, daß die Arten konstant sind mit Ausnahme der in sehr langen Zeitinter 
vallen explosionsartig auftretenden Mutationen. Darwin glaubt, daß gerade 
die Anpassungen und zweckmäßigen Einrichtungen bei Pflanzen und Tieren nach 
dem Selektionsprinzip „gezüchtet" worden seien; Nägeli verwirft die Natur 
züchtung auch hierfür gänzlich, sie ist nach ihm nur geeignet, das Lebensunfähige 
auszumerzen. Neuerdings stellt sich ein hervorragender Botaniker, Straß 
burger, der bislang für den Hauptvertreter der Häckelschen Richtung in 
der Botanik galt, ganz auf den Standpunkt von de Vries und von Nägeli 
und wirft das Selektionsprinzip rückhaltlos über Bord; nur will er es hypo 
thetisch noch gelten lassen. Unter solchen Umständen, bei solcher Meinungs 
verschiedenheit der berufensten Vertreter der Wissenschaft, sollten die Lehrer an 
höheren Schulen es vermeiden, Dogmen über die Ursachen der Artbildung und 
der Anpassungen vorzutragen, deren Bestreitbarkeit schon dadurch erwiesen ist, daß 
sie gerade in der Gegenwart lebhaft und nicht ohne Erfolg bestritten werden. 
Aber auch ohne Spekulationen und Hypothesen bildet eine lediglich refe 
rierende Behandlung der Anpassungserscheinungen einen der dankbarsten 
Gegenstände des biologischen Unterrichts in den oberen Klassen höherer Schulen." 
A ch i n g e r. 
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Ein bedeutsames Jubiläum evangelischer 
Jugendfürsorge. 
Von Rektor Sch mell in Langerfeld-Dahl. 
In Ad. Steins prächtiger Wochenschrift „Der Deutsche" *) schrieb Feld 
marschall Graf v. Häseler im 25. Heft einen kurzen Artikel unter der Überschrift 
0 Berlin SW, Wilhelmstr. 6. Erscheint wöchentlich, Preis vierteljährl. 4 M.
	        

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