Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

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II. Abteilung Zur Geschichte des Schulwesens rc. 
Die Berliner Hütten den Vorzug eines achten Schuljahres, darum könnten 
sie Größeres unternehmen. Die von dem Ref. empfohlene Lektüre sei vor allem 
der Fortbildungsschule zu überweisen. Diese habe sich leider überwiegend 
nach der Seite der eng beruflichen Ausbildung entwickelt. — Temperamentvoll 
wurden die Bedenken zurückgewiesen, die ein Redner gegen den Tell, nämlich 
gegen den Charakter des Helden, äußerte. 
Zum Schluß führte Rektor Vogelfang aus Barmen seine Bruch- 
rechenmaschine vor. Die Wahl eines Vorstandsmitgliedes wurde der vor 
geschrittenen Zeit wegen vertagt. A. 
Aunöschai». 
Zur Tagung in Saarbrücken. Mit einem harmonischen Akkord haben die Ver 
handlungen des Rheinischen Provinziallehrertages geschlossen; nach den Vorträgen zweier 
Referenten, die entgegengesetzte Standpunkte vertraten, und nach lebhafter Debatte, in 
der jede der feindlichen Parteien voll auf dem Posten war, wurde ein einstimmiger 
Beschluß gefaßt: „Der 29. Rheinische Provinziallehrertag fordert die volle Gleich 
berechtigung der Simultanschule mit der Konfessionsschule." Wir befinden uns diesem 
Beschluß gegenüber in einer mißlichen Lage. Was er — nach der Auffassung der 
Teilnehmer an jener Versammlung, besonders unserer Freunde, der Vertreter der 
Konfessionsschule — besagen will, ist uns ganz klar, das verträgt sich auch ganz gut 
mit unseren Anschauungen über die strittige Frage. Bedenklich ist uns bloß, was nach 
seiner Fassung die Anhänger der Simultanschule daraus machen und machen merden. 
Fragen wir zunächst, wie jener Beschluß zustande gekommen ist. In anerkennenswertem 
Entgegenkommen gegen einen beträchtlichen Teil der Mitglieder des Vereins hatte der 
Vorstand einen Korreferenten als Verteidiger der Konfessionsschule zugelassen. Aber diese 
Liberalität fand bei einem Teil der Anwesenden kein Echo. Es wurde der Antrag gestellt, 
den zweiten Vortrag abzusetzen, wobei die schon weit vorgerückte Zeit ein willkommener 
Bundesgenosse war. Man fand für dieses Vorgehen die sonderbare Motivierung, daß 
es hier weniger auf eine erschöpfende Untersuchung und Begründung, als auf eine 
Kundgebung ankomme. Dieser Antrag drang nicht durch, Herr Rektor Müller 
hielt einen trefflichen Vortrag, der, wie sich ja in der Folge zeigte, gute Wirkung tat, 
der die Freunde stärkte und auch wohl unter den „unentwegten" Gegnern manchen 
bedenklich machte. — 
In der Debatte fand die Sache der Konfessionsschule wiederum eine geschickte und 
mannhafte Vertretung. Eine ganze Reihe ihrer Verteidiger hatte sich zum Worte ge 
meldet, da wurde — infolge der vorgerückten Stunde — Schluß der Debatte bean 
tragt. Herr Tews von Berlin hatte die Resolution, die nachher zum Beschluß erhoben 
wurde, vorgeschlagen, eine Resolution, die dadurch schmackhaft gemacht wurde, daß 
man von ihr sagte, sie verbürge keiner Seite den Sieg. Das war ja auch tatsächlich 
der Fall; und unsere Freunde konnten ihr zustimmen in dem Gedanken, daß damit 
eine Erklärung für die Simultanschule als Normal- und Musterschule abgeschlagen sei, 
und in der Erwägung, daß man, wenn man die Simultanschule zulasse, sich in guter 
Gesellschaft befinde. 
Der Ausdruck, „volle Gleichberechtigung der Simultanschule mit der Konfessions 
schule" kann in diesem Zusammenhang nur den Sinn einer „politischen" Gleichberech 
tigung haben, er soll bedeuten, daß staatlicherseits nichts im Wege stehen soll gegen die 
Einrichtung von Schulen der einen oder der andern Art. Nicht entfernt ist dabei 
an „Gleichwertigkeit", weder im pädagogischen, noch im moralischen, noch im 
religösen, noch auch politischen Sinne zu denken. In allen diesen Beziehungen 
müßten wir der Konfessionsschule den Vorrang geben. Dieser Deutung müssen sich 
auch die Simultanschulfreunde anschließen. Denn wollten sie Gleichberechtigung im 
Sinne von Gleichwertigkeit nehmen, so würden sie ihre so zahlreichen Argumente gegen 
die Konfessionsschule selbst verleugnen. 
In diesem Sinne kann man für unsere Freunde keinen Widerspruch gegen den 
Kompromißantrag konstruieren. Es ist den liberalen Freunden dieses Antrages doch
	        

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