Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
in Wievielen Exemplaren Zahns biblische Historien in ihren ver 
schiedenen Ausgaben, mit und ohne Lehren und Liederverse, mit und 
ohne Bilder x ) hinausgewandert sind. Schwerlich haben viele Schul 
bücher eine solche und so berechtigte Verbreitung gefunden. 
Wer ein vorzüglicher Volksschriftsteller ist und der Jugend ein 
in die Heilige Schrift und das christliche Gemeindeleben gut ein 
führendes Schulbuch zu bieten vermag, der beweist damit schon, daß 
er mehr ist und kann. Der Seminardirektor Zahn hat Wesen und 
Aufgabe der Volksbildung und speziell der Volksschule in einer Weite 
und Tiefe erfaßt, wie wenige vor und nach ihm. Mit einer vor 
züglichen Ausrüstung ist er in seinen Beruf getreten, mit einer seltenen 
Hingebung und Begeisterung hat er ihm gelebt, mannhaft ist er in 
Wort und Schrift eingetreten für die ihm heilige Sache der Jugend- 
und Volksbildung, unbekümmert um die Aufnahme, die sein frei- 
mütiges Wort fand. 
Daß wir in Zahn einen Autor besitzen, dessen Gedanken über 
Volksbildung, über Volksschule und Lehrerstand aus der Tiefe geschöpft 
sind, daß diese Gedanken auch für unsere Zeit des Vorbildlichen und 
Zurechtführenden sehr viel enthalten, das ist der Grund, der zu dieser 
Neuausgabe geführt hat. 
Der Wunsch nach einer solchen ist oft geäußert worden, nicht 
nur von denen, die Zahns Schüler waren und seine Schriften kannten, 
sondern auch von denen, die durch Dörpfeld u. a. gelegentlich auf 
diesen oder jenen Gedanken Zahns aufmerksam geworden waren und 
so erkannt hatten, welche Schätze noch wohl bei ihm möchten be 
graben liegen. 
Vor mehr als 30 Jahren äußerte ich bei Gelegenheit eines 
Besuches, den ich dem alten, aber immer noch leiblich wie geistig 
rüstigen Herrn machte, wie bedauerlich es sei, daß seine Schriften in 
den Bibliotheken vergraben lägen und ihr größter und bedeutsamster 
Teil im Buchhandel und selbst bei den Antiquaren nicht mehr zu 
haben wäre. Die Verhandlungen über den Religions- und deutschen 
Unterricht, über die Stellung der Volksschule zu den übrigen 
Erziehungsfaktoren, namentlich zu Familie und Kirche, über die 
Schulorganisation und die Stellung des Lehrerstandes, über Lehrer 
bildung, Konferenzen, Berufsauffassung usw. würden gewiß eine ungleich 
fruchtbarere Entwicklung genommen haben, wenn die von ihm zu 
diesen Fragen ausgesprochenen Gedanken die gebührende Beachtung 
und Verwertung hätten finden können. Ich konnte ihm dies an der 
0 Auch Ludw. Richter hat Bilder geliefert.
	        

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