Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

Aus Zahns Leben. 
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damals in unsern Kreisen lebhaft behandelten Frage nach der Ge 
winnung eines einheitlichen Schul-Religionsunterrichts, also der 
richtigen Eingliederung seiner verschiedenen Zweige, Geschichte, Spruch, 
Katechismus, Lied, besonders eindringlich nachweisen. Er erkannte 
dies bewegt an und sagte: „Gut, machen Sie einmal einen Plan!" 
Ich tat dies mit Freuden, allerdings auch mit dem drückenden Gefühl, 
daß es doch ein mißlich Ding sei, für einen geistesfrischen Mann, der 
die Arbeit besser selbst machen konnte, eine solche anzufertigen. Mein 
Plan ist nicht zur Ausführung gekommen; es freut mich aber, daß 
ich ihn schon damals gemacht habe, weil ich jetzt weiß, daß die von 
mir getroffene Auswahl ganz dem Sinne des Heimgegangenen ent 
spricht. Er hat mir dies, nachdem er meinen Plan sorgfältig geprüft 
hatte, ausdrücklich bestätigt. 
Was die Leser in den Schriften Zahns zu erwarten haben, wird 
sich am verständlichsten andenken lassen, wenn ich es versuche, die 
Skizze eines Bildes des Lebens und Tuns des originalen Verfassers 
zu entwerfen?) 
Franz Ludwig Zahn wurde am 6. Oktober 1798 als fünftes 
unter 13 Kindern in dem Pfarrhause zu Wasserthalleben in Thüringen 
geboren. 1815 bezog er die Universität Jena, um sich der Rechts 
wissenschaft zu widmen. Daß der Vater bei der großen Kinderzahl 
nicht imstande war, den Sohn mit reichlichen Geldmitteln zu ver 
sehen, ist leicht erklärlich, und so erzählte der spätere Seminardirektor 
gelegentlich, daß er als Student an schönen Sommertagen wohl mit 
seinem bescheidenen Mittagsbrot in der Tasche an das Ufer der Saale 
hinausgewandert sei, um dort sein Mahl zu halten. Auf die Frage 
9 Der Sohn Zahns, der Herr Missionsinspektor Michael Zahn in Bremen, 
hat an einer Biographie seines Heimgegangenen Vaters gearbeitet. Sein arbeits 
reiches Amt hat die Arbeit aufgehalten und der zu früh eingetretene Tod sie nicht 
zur Ausführung kommen lassen. Es ist das sehr zu bedauern. Das außer 
gewöhnlich inhaltreiche Leben würde nicht nur ein Bild gewähren, das in päda 
gogischer und religiöser Beziehung reiche Belehrung und Anregung, Erhebung und 
Stärkung böte, es würde überhaupt einen Mann vor unser Auge stellen, der uns 
nach den verschiedensten Seiten des Lebens bedeutsam und lehrreich werden könnte. 
Hoffentlich findet sich bald eine berufene Hand, die uns diese Biographie liefert. 
Daß es jetzt hierzu zu spät sein könne, ist nicht zu befürchten. Zahn steht auf 
einem Boden, der für alle Zeit derselbe ist und nicht von dem Wechsel der Zeiten 
berührt wird; er war ein Mann, der die ewige Wahrheit, wenn auch in mensch 
licher, so doch in originaler Weise erfaßt hat, und solche Originale bleiben für alle 
Zeiten interessant. Dazu hat Zahns vorausschauender Blick vieles erkannt, was 
noch immer nicht recht gesehen und gewürdigt wird, und so hätte die Biographie 
auch ihre zeitige Bedeutung. 
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