Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

Aus Zahns Leben. 
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Der Dorf-Chronist will jetzt nur ganz kurz erzählen, was ihm 
selber begegnet ist. Denn von den äußern Lebensschicksalen dieses 
Mannes ist nicht sonderlich viel bekannt. 
Er war ein schlesischer Edelmann, und die von Kottwitz bilden 
daselbst einen alten ehrenwerten Stamm, und dessen Glieder stehen 
noch in jetziger Zeit in Amt und Würden. Unser Baron von Kottwitz 
wurde am 2. September 1757 geboren. 
Er verlebte also seine Kindheit zur Zeit Friedrichs des Großen, 
an dessen Hof er Page (Edelknabe) war. Sein männliches Alter fiel 
in die Zeit Friedrich Wilhelms II. und sein Greisenalter in die Zeit 
Friedrich Wilhelms III. Und Friedrich Wilhelm IV. kannte und liebte 
er als Kronprinzen, trug ihn allezeit auf betendem Herzen und erlebte 
noch als 83jähriger Greis dessen Thronbesteigung. 
Reiche Erfahrungen zu sammeln hatte er demnach Gelegenheit 
genug. Die Notstände einer glaubenslosen Zeit kannte er. Die Ge 
fahren einer überreizten, in Sinnlichkeit untergehenden fiommen 
Richtung waren ihm nahe getreten, und er hatte in die schauerlichen 
Abgründe derselben blicken können. Die vor und nach den Befreiungs 
kriegen erwachte neue Zeit erlebte der Greis in jugendlicher Frische 
und fieute sich der Saat hoffnungsvoller Zukunft. Und er war selbst 
ein guter Säemann gewesen. 
Die Zeit seines ersten Mannesalters war für den teuren Mann 
eine Zeit mannigfacher Demütigungen in seinem äußern Lebensgeschick, 
wozu auch manches häusliche Ungemach kam. — Es ging ihm, wie 
wir das so oft bei ausgezeichneten Männern finden, daß ihnen gar 
manches unter den Händen zerbricht, bis sie durch allerlei Irr- und 
Kreuzwege endlich zu dem Berufe hingedrängt werden, in dem ihnen 
erst der rechte Segen zugedacht ist. Es ging in „Not und Liebe" 
dem Ziele zu, ein Wort, das der Selige oft und gern brauchte. Man 
könnte ihn in einer Art da mit Pestalozzi vergleichen, dem auch alles 
zerbrach, bis er endlich als Fünfziger unter den armen Kindern in 
Stanz seine Lebensaufgabe erkannte und, wie er sagt, „mit grauen 
Haaren von unten anfing"; er blieb sein Leben lang in vielen äußeren 
Dingen vielen ein Ärgernis, besonders den Klugen, die sich etwas 
besser auf die Klugheit der Kinder dieser Welt verstanden. So ging's 
auch dem teuren Baron von Kottwitz. Der blieb in einem noch 
höhern Grade bis in sein Alter mit seinem Wort und Werk „den 
Juden ein Ärgernis, den Heiden eine Torheit". 
Nun zunächst das, wie der Dorf-Chronist diesen lieben Mann 
kennen lernte.
	        

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