Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
Als Kötter und Dörpfeld im Juli 1857 die erste Nummer des Ev. Schul 
blatts für Rheinland und Westfalen ausgehen ließen, gaben sie ihm im Vorwort 
eine nähere Bestimmung seiner Aufgabe mit auf den Weg. Sie war eine sechs 
fache. Erstens sollte das Schulblatt in dem immer komplizierter und schwieriger 
werdenden Kampfe um die Weltanschauung, der auch für die Volksschule so be 
deutsam ist, die christliche Weltanschauung vertreten helfen. Zweitens erinnert 
das Vorwort an das in Rheinland und Westfalen reich entwickelte evangelisch- 
christliche und soziale Leben und an die dort von Süden und Südwesten stark 
einströmenden romanischen Tendenzen, woraus sich dann für das Schulblatt die 
Aufgabe der Pflege und Förderung des evangelischen Sinnes unter Lehrern und 
Schulfreunden ergab. Drittens blickten die Herausgeber in das reiche Schulleben 
mit seinen großen und kleinen Fragen und Aufgaben und gelobten, der Be 
sprechung derselben Raum schaffen und ihnen besondere Beachtung widmen zu 
wollen. Viertens dachten sie an die Kollegen, die an einsam gelegenen Schulen 
vom belebenden Verkehr mit Standesgenoffen fast ausgeschlossen sind und denen 
ein erfrischendes Wort besonders wertvoll für ihre Berufsfreudigkeit werden kann. 
Doch nicht nur diese bedürfen der Erfrischung, und so sollte fünftens das Schul 
blatt frische Luftströme überhaupt in die Lehrerkreise bringen und der so leicht 
sich einschleichenden unbehaglichen Ermattung entgegenwirken. Endlich fanden die 
Redaktoren es ehrenrührig, daß zwei Provinzen, die damals gegen 1800 evan 
gelische Lehrer, viele Schulvorsteher, Schulpfleger und Schulräte hatten, nach dem 
Eingehen der Schul-Chronik kein Organ zur Besprechung der gemeinsamen 
Interessen besaßen, und boten das Schulblatt als solches an. 
Welche Aufgabe dem Schulblatte mit dieser sechsfachen Bestimmung gegeben 
war, können nur die recht verstehen, die aus lebendiger Anschauung wissen, wie 
die abstrakten Sätze gemeint waren. Die Bezeichnung „für Rheinland und 
Westfalen" fiel schon mit dem Jahre 1860, da das Blatt auch weit über die 
beiden Provinzen hinaus seine Leser gefunden hatte und diese Bezeichnung es 
nicht länger als Lokalblatt erscheinen lassen durfte. Abgesehen hiervon ist das 
Schulblatt seinem ursprünglichen Programm treu geblieben, und ich glaube der 
Zustimmung aller älteren Leser sicher zu sein, wenn ich sage, daß Dörpfeld eine 
Auffassung von Volksschule und Lehrerberuf vertreten hat, von der man nur 
wünschen kann, daß sie eine allgemeine werde. Mit reicher allgemeiner und 
Fachbildung und mit nicht gewöhnlichem schulmännischem Geschick und mit 
Charaktertüchtigkeit ausgerüstet, hat er mit seiner Schulblattarbeit in einer Weise 
zu dienen versucht, daß jeder rechte Leser gleicherweise in der praktischen Aus 
übung seines Berufes wie in der idealen Auffassung desselben gefördert werden 
konnte. Das Motto seiner „Theorie des Lehrplans" möchte ich auch seinen 
Schulblattarbeiten vorsetzen: „Eine richtige Theorie ist das Praktischste, was es 
gibt". Als Dörpfeld 1860 seinen Flattich-Artikel geschrieben hatte, konnte man
	        

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