Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

Aus Zahns Leben. 
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Ich weiß wohl, daß andre Männer ähnlich groß dastehen, ohne 
diesen Grund zu kennen. Es ist mir aber immer Zahns treue, un 
erschrockene Liebe zu der geringen Volksschule als eines der lehr 
reichsten und bedeutendsten Zeugnisse für die Wirkung und Macht 
dieses Glaubens erschienen. 
Am 20. März 1890 ist Direktor Zahn heimgegangen. 1882 
haben Schüler und Freunde mit ihm und den Seinigen in ergreifend 
schöner Weise den Tag gefeiert, an dem er vor 50 Jahren aus 
Dresden an den Rhein gekommen war (vgl. Evang. Schulbl. 1882). 
Dörpfeld hielt die Festrede. Bei dieser Feier wurden ihm auch die 
Statuten der zu seinem Gedächtnis gegründeten Zahn-Stiftung über 
reicht. Diese Stiftung soll dürftigen jungen Leuten des Regierungs 
bezirks Düsseldorf, deren Eltern oder Vormünder Mitglieder der 
Stiftung sind, und die es hoffen lassen, daß sie später im Geiste 
Zahns als Lehrer tätig sein werden, für die Zeit ihrer Ausbildung 
eine Unterstützung gewähren. 4300 M. waren in wenigen Wochen 
zusammengekommen. Jetzt beträgt das Vermögen der Stiftung über 
16000 M., die Zahl ihrer Mitglieder, die ad min. 2 M. Jahres 
beitrag zahlen, ist zur Zeit 204. Gegen 1000 M. konnten in letzter 
Zeit jährlich an Stipendien bewilligt werden. Auch der Reingewinn 
des vorliegenden Werkes soll unverkürzt der Stiftung zugute kommen. 
Um die Bedeutung Zahns auch nur anzudeuten, wäre noch 
manches zu sagen. Ich muß die Ausführung der Biographie über 
lassen. Der Weg, den die Entwicklung des Volksschulwesens ge 
nommen, war der Verwirklichung seiner Gedanken nicht günstig. In 
den drei großen Häusern, die Zahn auf Fild hat errichten lassen, 
gedachte er seine Gedanken über eine ausreichende Lehrerbildung zur 
Ausführung zu bringen; mit „rauher Hand" wurde sie ihm unmöglich 
gemacht. Wie ein vielsagendes Zeichen stehen die Häuser dem mit 
ihrer Geschichte Bekannten da. Zahns „Biblische Historien mit Lehren 
und Liederversen" sind aus Schule und Haus verschwunden. Die an 
ihre Stelle getretenen Schulbücher bedeuten vielfach, und nicht nur 
nach meinem Urteil, einen wesentlichen Rückschritt. Da war es mir eine 
besondere Freude, daß die Barmer „Geschichten aus der Heilsgeschichte" 
von A. Vollmer, die in Zahns Sinn ausgewählt und verfaßt sind, 
mit dem vorigen Jahre Einlaß in die Schule gefunden haben. 
Es wäre wenig in Zahns Sinn, mit einer Klage hier zu 
schließen. Nichts Gutes geschieht vergeblich, und wo es vergeblich
	        

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