Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens. 
getan erscheint, da war nur seine Zeit noch nicht gekommen. Zahn 
hat großen Einfluß in seiner Zeit gehabt; daß er über seine Zeit 
hinauswirkt und dies noch ungleich mehr tun könnte, wissen alle, die 
ihn kannten, und wenn auch manche seiner Ideale für die Jugend- 
und Volkserziehung an Anziehungskraft immer mehr zu verlieren 
scheinen, so wird sich auch hier zeigen, daß sie nicht vergeblich geboten 
worden sind. Gott gebe, daß diese Neuausgabe einiger Schriften 
Zahns dazu helfe, der idealen Schul- und Lebensauffassung des 
großen Lehrers neue und begeisterte Freunde zu gewinnen. 
Elberfeld-Hahnerberg. F>C51TL 
Zur Geschichte der Schul 
wesens. O Biographien. 
Korrespondenzen. AK AK 
II. Abteilung. 
C 9 
Lehrproben. AK AK AK 
Erfahrungen aus dem 
Schul- und Lehrerleben. 
Frei und Fromm?) 
Eine Literarurbetrachtung von Adolf Barrels. 
„Die Kunst ist frei, aber auch fromm" schrieb ich in der Schlußausführung 
meiner „Geschichte der deutschen Literatur" und begegnete damit mancherlei Miß- 
Verständnis. „Die Kunst ist weder frei noch fromm" entgegnete u. a. der Wiener 
jüdische Schriftsteller Rudolf Lothar. „Sie ist das notwendige Produkt ihrer 
Zeit, gebunden an ihre Bedingungen. Und nur wer diese Bedingungen kennt, 
sieht in die Geheimnisie der Kunst. Andererseits aber darf der Mensch die 
Kunstübnng nicht in ein Dogma pressen; nicht schön und sittlich, nicht fromm 
und angenehm hat die Kunst zu sein, sondern zeitrichtig, zeitreif. Wenn ein 
Literaturhistoriker verfluchen oder verdammen will, so möge er den Bannstrahl 
für jene bereit halten, die blind für ihre Zeit Idealen vergangener Epochen 
nachstreben, tote Formen zu neuem Leben erwecken wollen. Aber die Zeit ist 
unerbittlich. Sie gönnt den Epigonen nur ein ephemeres Leben, und sie krönt 
nur den, der ihr ins Gesicht blickt und die Sprache ihres Herzens versteht." 
Das sind die üblichen liberalen Phrasen, wie man sie vom Zeitalter des jungen 
bis zu dem des jüngsten Deutschlands immer wiederholt hat, die aber nun 
allmählich abgestanden sind und nicht mehr ziehen. Selbstverständlich unterliegt 
*) Wir entnehmen diesen Aufsatz mit freundlicher Erlaubnis der 1. Nr. der „Volks 
und Jugendschriften-Rundschau (herausgegeben von Paul G. A. Sydow, Hamburg 24, 
Verlag von Theodor Benzinger, Stuttgart). Diese monatlich erscheinende Zeitschrift 
steht ganz im Dienst der von dem „Verbände deutscher evangelischer Schul- und Lehrer 
vereine" vertretenen Sache. Die jährliche Haltegebühr beträgt 2 M. Wir benutzen 
gern die Gelegenheit, dieses Blatt zu empfehlen, soll es doch alle Bestrebungen zusammen 
fassen, die auf die Beschaffung und Verbreitung eines literarisch gediegenen, unserm 
evangelisch christlichen Volke dienlichen Schrifttums gerichtet sind. Ganz besonders er 
freulich ist.es, daß wir einen so tüchtigen Schriftsteller, wie Adolf Bartels, der durch 
seine prächtige „Geschichte der deutschen Literatur" wie durch sein Buch „die deutsche 
Dichtung der Gegenwart" auch in weiteren Kreisen bekannt geworden ist, auf unserer 
Seite kämpfen sehen.
	        

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