Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

454 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc. 
zusammengeschlossen zu den „Vereinigten Prüfungsausschüssen der 
deutschen evangelischen Schul- und Lehrervereine". Es ist eine 
Zentralstelle geschaffen worden, die die zu beurteilenden Bücher versendet, die 
Urteile zusammenstellt und Musterverzeichniste herausgibt. An der Spitze steht 
Lehrer Paul Sydow in Hamburg, er gibt eine lediglich dieser Sache dienende 
Monatsschrift, die „Volks- und Jugendschriften-Rundschau" (Verlag von Theodor 
Benzinger in Stuttgart) heraus. Sie veröffentlicht die Ergebnisse der Arbeiten 
der Ausschüße, auch soll durch sie ein Meinungsaustausch über prinzipielle Fragen 
herbeigeführt werden, um gemeinsame Grundsätze für die ganze Arbeit zu gewinnen. 
Es ist also schon viel geschehen; aber ein voller Erfolg ist nur durch den 
Zusammenschluß aller Gleichgesinnten möglich. Deshalb ist es aufs freudigste 
zu begrüßen, daß der Zentralausschuß für Innere Mission sich den Bestrebungen 
des „Verbandes deutscher evangelischer Schul- und Lehrervereine" angeschlossen 
hat. Ein gemeinsamer Mittelpunkt ist unter Beibehaltung des bisherigen so 
bewährten Leiters geschaffen worden unter dem Namen: „Deutsche Zentral 
stelle für Förderung der Volks- und Jugendlektüre." Die Be 
schaffung der erforderlichen Geldmittel ist durch diesen Zusammenschluß erfreulicher 
weise sichergestellt. An die berufenen Organe der Inneren Mission ergeht nun 
mehr die Aufforderung zu kräftiger Mitarbeit. Das gemeinsame Organ, die 
„Volks- und Jugendschriften-Rundschau", muß mehr wie bisher verbreitet und 
unterstützt werden (die Mitglieder der Ausschüsse zahlen jährlich 1 statt 2 M.-. 
Die Herausgabe geeigneter Bücher durch den Verband, die mit so gutem Erfolg 
und unter vielseitiger Anerkennung begonnen worden ist, muß weiter gefördert 
werden. Nicht jeder kann in diese Arbeit eintreten; Interesse und Verständnis 
für ästhetische Fragen, vor allem Zeit — viel Zeit für die so mühevolle Lektüre 
der vorgelegten Bücher — kann nicht überall vorausgesetzt werden. Aber doch 
muß jeder einzelne, der für die Sache der Inneren Mission eintritt, der für die 
Durchdringung unseres Volkes mit den Kräften des Christentums tätig sein will, 
die Beschaffung und Verbreitung guter geistiger Nahrung für sich aufs Herz 
nehmen. Wir müssen uns bei unserer Arbeit getragen wissen von der lebendigen 
Anteilnahme aller. 
Wenn wir von der literarischen Bewegung zur Verbreitung ästhetischer 
Kultur hören, so ist uns nicht ganz wohl dabei. Schwere Bedenken stellen sich 
bei manchem ein. Das laute Geschrei, die großen Worte der vorgeblich so 
bildungsbeflissenen Menge schallen gar zu mißtönig in unser Ohr. Aber über 
winden wir die Scheu, fassen wir die Sache näher ins Auge, so dürfen wir 
doch sagen: es ist ein Segen drin. Der Landmann kann Regen und Sonnen 
schein nicht schaffen, er muß das Wetter nehmen, wie es kommt. Das tut er 
auch, und wenn er klug und fleißig ist, dann sind ihm die widrigsten Jahre 
manchmal die besten. Darnach wollen wir auch handeln, zumal wir wissen, daß 
doch zuletzt Regen und Sonnenschein von dem himmlischen Vater kommen, der 
unserm Tun Gedeihen gibt nach seiner Weisheit, aber unter der Voraussetzung 
unserer Treue. 
Zusammenfassung. 
1. Die „literarische Bewegung der Gegenwart" ist ein literarisches, volks 
pädagogisches Prinzip, nämlich das Bestreben, die ästhetische Kultur 
allgemeiner, besonders in den unteren Schichten der Bevölkerung, zu 
verbreiten.
	        

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