Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

Aus dem Leben Dr. K. Schneiders. 
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Der Vortrag berichtete von dem, was von seiten der „vereinigten Prüfungs 
ausschüsse der deutschen Schul- und Lehrervereine" geschehen ist. Hier möchte ich 
hervorheben, was noch zu tun ist. Die Innere Mission will im Betrieb ihrer 
Büchereien das ästhetische Moment mehr als bisher pflegen. Wer da weiß., wie 
mannigfaltig ihre Veranstaltungen, wie weit verzweigt ihre Organisation, wie 
ausgedehnt ihr Arbeitsgebiet ist, der wird sich sagen müssen, daß jener Beschluß 
von ganz außerordentlicher Wirkung sein kann. Aus allen bisherigen Äußerungen 
von jener Seite spricht die Erwartung, daß die durch den Verband gebildeten 
Ausschüsse ihre Schuldigkeit tun. Ja man muß sagen, daß hier die Haupt 
arbeit, nämlich die Beschaffung guter Bücherverzeichnisse für die verschiedensten 
Bedürfniffe, geleistet werden muß. So anerkennenswert das bisher Erreichte 
auch ist, so fehlt doch noch sehr viel. Der Mitarbeiter müßten mehr sein, die 
Gewinnung eines sicheren Urteils, die Ausbildung des eigenen künstlerischen 
Geschmacks muß jeder als eine fortgehende Arbeit sich angelegen sein lassen. Was 
in dieser Richtung möglich ist, hat Lehrer Klingenburg in Ickten gezeigt. Berufene 
Beurteiler sprechen mit der größten Anerkennung von dem, was dieser Mann 
mit Bauersleuten geleistet. Sein Beispiel kann auch ängstliche Gemüter beruhigen, 
wenn es sich um „weltliche" Dichtung handelt. Möchte sein Vorbild, auf das 
die Schulblattleser schon so oft verwiesen worden sind, auch in dieser Sache uns 
ein guter Leitstern sein. 
Aus dem Leben Dr. 11. Schneiders. 
Zugleich eine schulhiftorische Skizze, von (L Schwell. 
Am 2. Mai d. I. schied Dr. K. Schneider, der bekannte Verfasser der 
„Allgem. Bestimmungen vom 15. Okt. 1872," aus dem Leben, nachdem ihm 
nur wenige Jahre des wohlverdienten Ruhestandes zuteil geworden waren. 
Wenige Wochen später, am 10. Juni, wurde sein Name erneut der deutschen 
Lehrerschaft ins Gedächtnis gerufen, da an diesem Tage das schöne Falkdenkmal 
in Hamm eingeweiht und dort durch Anbringung eines Reliefbildnisses seines 
treuesten Mitarbeiters auch dessen Gedächtnis für die Zukunft gesichert wurde. 
Auf Wunsch vieler Kreise hat der Verstorbene vor mehreren Jahren ein aus 
führliches Bild seines Lebens und Wirkens unter dem Titel „Ein halbes 
Jahrhundert im Dienste von Kirche und Schule" (Stuttgart und 
Berlin, Cottasche Buchhandlung, Pr. 6 M.) herausgegeben, das zugleich soviel 
interessante Einblicke in die Entwickelung des preußischen Schulwesens bietet, daß 
nachstehende Mitteilungen die Aufmerksamkeit erneut darauf lenken möchten. 
Dr. Karl Schneider wurde am 25. April 1826 in dem Städtchen Neu 
salz a. d. O. geboren; der Vater bekleidete die angesehene Stellung eines Kreis 
justizrates und war ein wohlhabenver Mann, bis ihn der Bankerott des Bruders, 
in dessen Gut er sein Vermögen stecken hatte, um alles brachte. Als auch das 
Vermögen der Mutter noch verloren ging, brach der Vater völlig zusammen, so 
daß die ganze Last der Erziehung und Versorgung von sechs unmündigen Kindern 
auf der Mutter lag. Sie bewährte sich aber in den nun folgenden Jahren als 
eine ganze Frau, die es möglich zu machen wußte, daß ihre Kinder die Armut 
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