Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

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wie behandelt der „Geschaftsfiihrende Ausschuß 
des Deutschen LehrerveretnS" anläßlich der 
Simultanschulfrage die Schulverfaffungs- 
anschauungen DörpfeldS V 
Wie wohl allgemein bekannt sein dürfte, wird in diesem Jahre in allen 
Lokal- und Provinzialvereinen des Deutschen Lehrervereins auf Anregung des 
Verbandsvorstandes die Simultanschulfrage behandelt. Um diesen bei der Arbeit 
einige Handreichung zu leisten, hat der Geschäftsführende Ausschuß des Deut 
schen Lehrervereins" in der Person seines Beauftragten, des Herrn Pretzel, weil 
die Literatur über diese Frage so außergewöhnlich groß sei, dabei eine gewisse 
Führung übernommen, indem er in den Nummern 10—13 der „Pädagogischen 
Zeitung" einen Artikel veröffentlichte, der „durch Charakterisierung der Haupt 
schriften bezw. durch Auszüge daraus zugleich die wichtigsten für die Behandlung 
der Frage in Betracht kommenden Punkte materiell klarlegen" sollte. So wurde 
die Simultanschulsrage unter Anführung von 44 hierher gehörigen Schriften 
bearbeitet: 1. vom geschichtlichen, 2. vom politischen, 3. vom religiösen und 
4. vom pädagogischen Standpunkte aus. Diese Arbeit, sofern sie vorurteilsfrei 
und mit der nötigen Sachkenntnis ausgeführt wurde, konnte jedenfalls eine recht 
ersprießliche Hilfe leisten und verdiente gewiß allgemeine Anerkennung. Was aber 
dieser Arbeit auf alle Fälle eine erhöhte Bedeutung verleiht, das ist der Umstand, 
daß sie ausgeht von einer Stelle, die gleichsam als leitende Seele des Deutschen 
Lehrervereins einen recht gewichtigen Einfluß auf das innere Leben und die 
Lebensäußerungen der untergeordneten Vereine auszuüben vermag, und die zum 
andern berechtigt ist, ihr Urteil in Schul- und Lehrerfragen als das der über 
wiegenden Mehrheit des Deutschen Lehrervereins auszugeben, solange die letztere 
nicht ihre etwaige Abweichung davon ausdrücklich dokumentiert hat. In anbe- 
tracht dieser bedeutungsvollen und einflußreichen Stellung eines Führers und 
Vertreters einer so großen Lehrerschar darf aber wohl mit allem Recht erwartet 
werden, daß der Geschäftsführende Ausschuß, durchdrungen von der großen Ver 
antwortlichkeit seines hohen Amtes, bestrebt sein werde, sich vor seinem Eingreifen 
in die Verhandlungen mit allem Fleiß über die betr. Angelegenheit zu orientieren 
und sich aller vorgefaßten Parteinahme zu enthalten und strengste Parität zu 
wahren, damit der Sachverhalt in jeder Beziehung völlig zutreffend zur Dar 
stellung gelange und das Urteil der untergeordneten Vereine lediglich durch das 
Gewicht der vorgebrachten sachlichen Gründe bestimmt und nicht durch eine 
geschickte Mache in die gewünschte Richtung hineingedrängt wird. Diese Ver 
pflichtung scheint auch der Verfasser des Artikels als durchaus billig empfunden 
zu haben, denn er beteuert ausdrücklich: „Es ist vor allen Dingen das Bestreben 
des Bearbeiters gewesen, möglichst objektiv nach allen Seiten hin zu verfahren 
und seiner persönlichen Ansicht auf die vorliegende Darstellung möglichst keinerlei 
Einfluß zu gewähren." Ob nun aber auch die Arbeit Zeugnis ablegt für die 
erforderliche Sachkenntnis und Unparteilichkeit, das mögen die Leser dieses Blattes 
an der Hand der nackstehenden Ausführungen selbst beurteilen. Ich beschränke 
mich bei dieser Prüfung nur auf den einen Punkt, wie die betr. Äußerungen 
Törpfclds von dem Geschäftsführenden Ausschusie behandelt worden sind. 
Zunächst muß es jeden mit der Sachlage hinreichend Orientierten eigen-
	        

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