Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

Zum neuen Jahre. 
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sammenwirken von Haus, Schule und Kirche zur Hälfte ein Gerede bleiben und 
dem vereinzelten Bauen auf jedem dieser Gebiete der beste Teil des Segens 
verloren gehen: es fehlt das Fundament des Zusammenschlusses. Leider will es den 
Anschein gewinnen, als ob in dem Maße, wie die große Zeit der kirchlichen und 
pädagogischen Belebung in den Hintergrund tritt, auch in demselben Maße in 
Schulen und Seminarien das Interesse an großen Fragen und Zielen am Ab 
nehmen sei. Was Wunder also, wenn dem nachgeborenen Geschlechte für das, 
was Männer wie Harnisch, Stern, Zahn u. a. gewirkt und gewollt haben, der 
Maßstab verloren geht." 
Zahn zeichnet ein Ideal, und es ist gewiß, daß es nach dem Stand der 
Dinge sich auch in unserer Zeit nicht verwirklichen läßt. Aber wenn dies auch 
so ist, so ist doch auch jetzt wie immer wahr, daß Ideale Leitsterne sind, die die 
Richtung geben und denen freudig zugestrebt werden muß, unbekümmert um den 
noch so geringen Erfolg. Gott wird der ernsten, selbstlosen Arbeit seinen Segen 
nicht vorenthalten, und nichts Gutes geschieht vergeblich, wie unser alter Freund 
Hülsmann so gern betonte. 
Statt nun das Ideal fest im Auge zu behalten, arbeitet man hier an 
einem möglichst pädagogisch richtigen Religionsunterricht in der isolierten Schule, 
dort sucht man wenigstens ein leidliches Verhältnis zwischen dem religiösen Unter 
richt in Kirche und Schule herzustellen. Nirgends aber bemüht man sich, in 
rechter Weise die entscheidenden Faktoren Familie und Gemeinde ins Interesse zu 
ziehen. Es ist gewiß von nicht geringer Bedeutung, daß der Schul-Religions- 
unterricht recht pädagogisch gestaltet werde; mehr ist es, wenn Pfarrer und 
Lehrer sich in der religiösen Jugendunterweisung in rechter Weise fördern. Ob 
und wie weit aber ihr Bemühen Erfolg haben wird, das hängt wesentlich von 
dem Verhalten der Eltern und der Gemeinde ab, und darum dürfen diese be 
deutsamsten Erziehungsfaktoren weder bei dieser, noch bei einer andern Erziehungs 
frage übersehen oder außer Rechnung gelassen werden. 
Dörpfeld ist dem Zahnschen Ideal treu geblieben. Als ich im Jahre 1891 
nach Zahns Tode in einem Nachruf auch Zahns Gedanken über den Religions 
unterricht näher dargelegt hatte, sagte mir Dörpfeld bei der nächsten Begegnung: 
„Ich habe mir noch eine Reihe Exemplare von diesem Heft kommen lassen und 
sie an bestimmende Persönlichkeiten geschickt. Hoffentlich wirkt's, und kommen 
wir einen Schritt vorwärts." 
Wie er nie an die pädagogische Berechtigung der isolierten Schule geglaubt 
hat, so hat er auch nie von dem besten in ihr erteilten Religionsunterricht rechte 
Früchte erwartet, und wenn er ermüdet auch nicht immer wieder auf sein Ideal 
verwies, so hat er es doch immer im Auge gehabt, und seine Arbeiten für den 
Schul-Religionsunterricht verdanken ihre Bedeutung vor andern eben dem Um 
stande, daß er den rechten Zielpunkt nicht aus dem Auge verlor.
	        

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