Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

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n. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc. 
Zu einem andern Zweige der Wortfamilie gehört warten, was als Weiter 
bildung von wahren erscheint, und schauen auf jemand oder etwas, spähen, lauern, 
erwarten, achten, hüten, pflegen, auf der Hut sein, sorgen für etwas bedeutet. 
Aller Augen warten auf dich, Herr. Pf. 145. Hat jemand ein Amt, so warte 
er des Amts, lehret jemand, so warte er der Lehre. Rom. 12. Wartet des 
Leibes. Eines Knaben, eines Kindleins warten. Zuweilen ist die Bedeutung 
sehr eingeengt, nämlich auf einer Stelle bleiben und harren. Auf etwas warten. 
Sollen wir eines andern warten? Matth. 11. Er wartet nur eines Winkes, 
um loszubrechen. Schiller. Dort wartet seiner eine harte Schule. Drohend: 
Wart, wart, ich krieg ihn schon. Faust. 
Mit warten hängen zusammen: der Wärter, die Wärterin, die 
Wartefrau, der Wartesaal, das Wartegeld und die Warte, ent 
weder die Handlung des Wartens, des Spähens, oder der Ort für solches. 
Ans der Warte stehen. Die Wartung ist in neuerer Sprache von der Pflege 
der Kinder oder der Kranken gebräuchlich. 
Das Wort aufwarten wurde im Anschluß an warten, achten, sorgen für 
etwas früher oft auch gebraucht von dem Bemühen um Frauengunst. Der Dame 
seines Herzens aufwarten, ihr seine Aufwartung machen. Jetzt gilt es besonders 
von Dienstleistungen bei Tische. Den Gästen aufwarten. Der Aufwärter, die 
Aufwärterin. Daher höflich: Kann ich Ihnen mit einer Tasse Kaffee aufwarten? 
Freier ist der Gebrauch in der Wendung: einem mit einer Nachricht, einer 
Neuigkeit, einer Erzählung aufwarten. Das Aufwarten, namentlich bei Tische 
und die Besorgung der Hauswirtschaft ist die Aufwartung als Dienst, wofür 
ndd. oft aufpaffen, Aufpaffung gesagt wird. Auch wenn ein Hund seine Kunst 
stücke zeigt, sagt man, er wartet auf. 
Erwarten schließt sich an die vorhin erwähnte engere Bedeutung von 
warten als harren, warten, daß einer oder etwas kommt oder eintrifft. So oft 
die Tür rauscht, erwarte ick ein Unglück. Tell. Jedermann erwartet sich ein 
Fest. Faust. Die Erwartung ist sowohl das Erwarten als das Erwartete. 
In Erwartung stehen oder sein. Jemandes Erwartungen täuschen. 
Mit wahren und warten, acht geben, sorgen hängt das Wort Wardein 
zusammen. Dieser gibt acht auf den Feingehalt und das Gewicht der Metalle. 
Ist er in der Münze angestellt, so heißt er Münzwardein. Dann sollt ihr mir 
sagen, ein treuer Wardein, wie viel ich wohl wert bis zum Heller mag sein. 
Bürger. Die Italiener haben von dem Zeitwort das Wort Gardian, Aufseher 
im Bettelorden, gebildet. 
Sckon zur Zeit des Altgermanischen ist das Wort wahren und warten in 
Frankreich aufgenommen und dort in garder umgebildet worden. Später ist es 
in dieser Form wieder zu uns nach Deutschland zurückgebracht worden. So 
sind wir zur Garde, zum Gardekorps und zu Gardeoffizieren gekommen. Daher 
stammt auch unsere Garderobe, ein Bewahrer, Hüter oder Behälter für Kleidung, 
auch der Garderobeständer, ein Ständer als Bewahrer der Kleidung. 
Es wird mehrfach behauptet, daß von wahren und warten, aufmerken, 
achten, beachten das Wort warnen gebildet sei. Warnen heißt schützend Auf 
merksamkeit wachrufen, machen, daß einer acht gibt und sich hütet. Jemand vor 
etwas warnen. Der Warner, die Warnung. Mancher schlägt Warnungen 
in den Wind. Verwarnen, Verwarnung. 
In frühern Zeiten hatte das Wort warnen auch die Bedeutung achten auf
	        

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