Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

Sprachliche Plaudereien. 
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das, was zu irgend einem Zwecke als Vorbereitung und Zurüstung nötig ist, 
bedeutete also auch sich vorsehen, sich versehen mit etwas. Auch in dieser 
Bedeutung ist das Wort zu den Franzosen gekommen und von ihnen in garnir 
umgestaltet worden. So wird nun auch. da Frankreich das Land ist, aus dem 
die Moden zu uns kommen, bei unsern Frauen ein Hut oder ein Kleid garniert, 
d. h. mit dem nötigen Besatz und Putz versehen und versorgt. Und wenn auch 
viele darauf bereitwillig verzichten, ihren Frauen etwa eine Perlengarnitur zu 
schenken, so bringt es doch hier und da einer bis zur Pelzgarnitur. Und wenn 
auch das nicht gelingt, so sehen wir es doch gern, wenn am Teeabend die 
Schüssel für die Schinken- und Wurstschnitten hübsch mit Grün versorgt oder 
garniert auf dem Tische erscheint. 
Schurigeln. 
Man versteht darunter einen zwecklos plagen oder quälen. Es ist ein 
Wort der niedrigen Rede. Man behauptet, daß es aus einem md. sollurgslrr 
entstanden sei und führt dieses als Häufigkeitswort auf schurgen, schürgen, 
ahd. scurgan stoßen, schieben zurück. Am Rhein heißt der Karrenschieber 
Schürger, er schürgt die Schürgeskarre. 
In Zusammenhang steht Schurke, ein schlechter, nichtswürdiger Mensch. 
Früher hatte dies ahd. Wort milderen Sinn. Es bezeichnete einen armen Kerl, 
der sich mußte hin und her stoßen lassen. Was mache ich dann, wenn mir die 
Schurken nicht gehorsam sind? Erst später kam die scharfe Bedeutung auf. 
Schurke von einem Wirte. Minna v. Barnhelm. — Dazu: Schurkenstreich, 
Schurkerei, schurkisch. 
Nach anderer Meinung kommt es von scheren in dem Sinne von quälen. 
Jemand etwas „zum Schure", zur Plage tun. Laß mich ungeschoren! quäle 
mich nicht. 
Zeihen, verzeihen, verzichten, zeigen. 
Ahd. und mhd. galten die Formen zihan und zihen, as. tihan. Der 
Sinn des Wortes ist, etwas aussagen von, beschuldigen, anschuldigen. Oft steht 
der Genetiv dabei. Wer unter euch kann mich einer Sünde zeihen? Jemand 
eines Fehlers zeihen. Die Zicht, Jnzicht ist Beschuldigung, Anklage, und 
das dazu gehörige Zeitwort ist bezichtigen, was irrtümlich auch wohl 
bezüchtigen geschrieben wird. Diese Verwirrung stammt aus Thüringen, wo 
beide Wörter gleiche Aussprache haben. 
Zeihen wird mit der Vorsilbe vsr verbunden. Solche Zusammensetzungen 
haben die Bedeutung des Entgegengesetzten, Verschlechterten, des Veränderns. 
So hat verzeihen gar nicht mehr den Sinn der Aussage, der Beschuldigung, 
der Anklage. Man nimmt diese Dinge zurück, macht keinen Anspruch auf die 
gebührende Strafe, rechnet Verschuldetes nicht an. Ebenso ist es mit Verzicht 
und verzichten, die den Sinn von Entsagung und entsagen haben. Diesen 
Wörtern entsprechen die ndd. Formen Verticht, verteihen, die denn auch der ndd. 
Sprache gemäß auf den Genetiv verzichten. Vögel verzichten auf ihr gestörtes 
Nest, sagen sich von ihm los, leisten darauf Verzicht, geben es auf, ver 
teihen es. 
Zu der Angabe, daß verzeihen soviel als versagen, abschlagen bedeuten 
kann, finde ich einen Satz Luthers: (der Mensch sollte) gerne alles, was auf 
Erden ist, sich verzeihen.
	        

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