Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

Weihnachtskonferenz in Oberhausen. 
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Verkehr mit Baron von Kottwitz. Später gewann der Geheimrat von Becke 
dorf Einfluß auf ihn und bestimmte ihn dazu, sich dem Lehrerberuf zu widmen. 
Aus diesen persönlichen innern Erfahrungen erklärt sich Zahns eigenartige 
Stellung zur religiösen Unterweisung. Unser Religionsunterricht leidet haupt 
sächlich daran, daß er sich in der Behandlung von den übrigen Stoffen nicht 
unterscheidet. Allerdings handelt es sich hier wie auch auf andern Gebieten um 
ein Werden und Wachsen, um Vermittlung von Anschauungen rc. Trotzdem 
haben wir es dabei mit etwas ganz anderm zu tun. Sein Erfolg hängt im 
wesentlichen davon ab. wieweit das, was wir lehren, uns selber durch Herz und 
Gewissen gegangen ist. Auf diesen Unterschied wurde Zahn durch seine eigen 
artige Lebensführung hingewiesen. 
Als erste Eigentümlichkeit Zahns hob Referent hervor, daß er mit außer 
ordentlicher Energie auf die Behandlung der Elemente der Heilstatsachen drang. 
Er hielt es für etwas Großes und Bedeutsames, wenn jemand nichts weiter aus 
dem Religionsunterricht mitnehme, als den Eindruck, daß es einen lebendigen 
Gott gebe. Damit hängt weiter zusammen, daß er so nachdrücklich auf die Ver 
bindung der Schule mit Familie und Leben hinwies. Die Schule beginnt nicht 
das religiöse Leben des Kindes, endet es auch nicht; die Familie beginnt es viel 
mehr, und das Leben führt es fort. Darum muß die grundlegende religiöse Er 
kenntnis in der Familie vermittelt werden. Wenn die Mutter mit dem Kinde 
betet, oder der Vater dasselbe bei allen ernsten und frohen Anlässen auf den 
Vater im Himmel hinweist, aus dessen Hand alles kommt, so wirkt diese religiöse 
Unterweisung viel intensiver und lebendiger, als der beste Schulunterricht. Wo 
allerdings diese grundlegende Arbeit in der Familie versäumt wird, da muß die 
Schule das Versäumte nachholen. — Im Memorierstoff war Zahn außer 
ordentlich sparsam; er hielt dafür, daß die Volksschule viel geleistet habe, wenn 
sie sechs gute Kirchenlieder so zur Aneignung gebracht habe, daß nicht nur die 
bessern, sondern alle Schüler sie wirklich beherrschten. Monatelang begann er 
den Unterricht damit, daß er jeden Tag eine Bitte des Vaterunser aufsagen ließ, 
woran er selbst eine kurze Besprechung schloß, in der er in unübertrefflicher Weise 
immer wieder in neue Tiefen einzuführen verstand. So sollten seine Zöglinge 
innerlich an demselben Stoffe wachsen, der zwar derselbe blieb, und doch stets 
ein neuer wurde, indem er immer wieder neue Wahrheiten offenbarte. Es war 
deshalb ein besonderes Anliegen Zahns, wertvolle, einfache Stoffe so zu be 
handeln, daß sie auch dem Kinde wertvoll wurden. Wie sehr unser Religions 
unterricht hierin sündigt, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Wir über 
schütten durch unsere Stofffülle die Keime, die wachstumsfähig sind, so daß alles 
selbständige Leben unter dem Druck der Masse untergeht. Trotzdem verzichtete 
Zahn keineswegs darauf, auch höhere Gesichtspunkte selbst in den elementaren 
Unterricht hineinzutragen. So brachte er unter den Anschlußstoffen mitunter 
Liederstrophen, die anscheinend weit über das Verständnis der Kinder hinaus 
gingen. Diese Stoffe wollte er aber nicht etwa als Memoriermaterial für die 
Kinder angesehen wissen; er legte sie vielmehr den geschichtlichen Personen in den 
Mund, um so ein ahnendes Verständnis des Kindes für religiöse Wahrheiten zu 
wecken. Infolge seiner innern Stellung war er ein Feind aller dogmatischen 
Vollständigkeit; er sah vielmehr in dem kleinsten Teil, in jeder einzelnen Ge 
schichte, ja im einzelnen Spruch etwas Ganzes vom Evangelium. — Als einen 
besondern Vorzug seines Unterrichts rühmt Hollenberg ferner, daß es bei Zahn
	        

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