Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
Die erste und zweite Aufgabe, die Dörpfeld dem Ev. Schulblatt gestellt 
hatte, die Pflege des christlichen und zwar des evangelisch-christlichen Sinnes, 
hat ihm und seinem Blatte ein sehr lehrreiches Geschick bereitet. Daß das 
Schulblatt keine Gnade fand bei denen, die von evangelisch-christlicher Erziehung 
nichts wissen wollen, stand zu erwarten, daß es aber auch in ernst christlich ge 
richteten Kreisen Anstoß erregte, hätte man nicht erwarten sollen. 
Im Septemberheft 1859 hatte Lehrer Schlaffer von Hilden eine wertvolle 
Arbeit aus der Geschichte des bergischen Schulwesens gebracht und Dörpfeld dazu 
die Bemerkung gemacht: „Die Schule hat bekanntlich der Kirche, dem Staate 
und dem sozialen Leben zu dienen; nach allen diesen Seiten hat sie Verbindungen, 
von allen wird sie beeinflußt. Die nächste, stärkste und innigste Verwandtschaft 
besteht aber zwischen ihr und der Familie. In erster Linie ist sie Hülfsanstalt 
des Hauses, d. i. Erziehungsanstalt in deffen Sinn und Weise. Je nachdem 
nun jemand die eine oder die andere Seite der Schulverbindlichkeit und Schul- 
verwandtschaft betont, je nachdem wird er sie im Innern eingerichtet, geleitet und 
äußerlich regiert wünschen. Daher die verschiedenen Bestrebungen, von denen die 
einen die Schule in die Kirche, die andern in den Staat aufgehen lassen und 
die dritten, allerneusten, sie zu einer landwirtschaftlichen oder handwerklichen Fach 
schule umgestalten wollen. Wir unsernteils leugnen selbstverständlich keine jener 
drei Verpflichtungen, betonen aber aufs stärkste ihre Verwandtschaft mit der 
Familie. Daß von diesem Standpunkte aus ganz andere Wünsche in bezug auf 
Schulregiment, Schuleinrichtung usw. sich ergeben müssen als auf einem der 
andern, liegt auf der Hand. Wir fassen sie zusammen in die These: Die Schule 
soll möglichst enge mit der Familie verbunden und möglichst in ihrem Geist und 
ihrer Art eingerichtet und geleitet werden. Ebenso dürfte a priori schon an 
zunehmen sein, daß eine Schulgestaltung familienhafter Art auch den Charakter 
der Volkstümlichkeit und Naturwüchsigkeit an sich tragen werde, während eine 
vorwiegend von der Kirche, vom Staate oder von den sozialen Mächten nach 
ihren Interessen formiertes Schulwesen das Aussehen von etwas künstlich „Ge 
machtem" schwerlich vermeiden kann." — 
Hierzu erklärt ein Verein evangelischer Lehrer, „daß er sich dem Inhalte 
des Vorstehenden vollkommen anschließen könnte, wenn überall statt „Familie" 
oder „Haus" „Kirche" gesetzt würde, aber auch nur in diesem Falle." 
Es waren nicht bloß Lehrer, die Anstoß nahmen, nicht minder taten es 
Geistliche und Laien, und so konnte man die lehrreiche Erfahrung machen, daß 
ein Mann, der eine möglichst innige Verbindung von Kirche und Schule nicht 
nur im Auge hatte, sondern auch auf sicherem Wege vertrat, als ein unkirchlicher 
Agitator abgewiesen wurde. 
Wer die heutigen Kämpfe um die Konfession der Schule, um die geistliche 
Schulinspektion, den Vorsitz im Schulvorstande mit Verständnis und Ruhe ver-
	        

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