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Gehört diesen Lehrern, die der geringern Einnahmen sich unwürdig
zeigen, eine Besoldungsaufbesserung? Wohl kaum! — ES fehlt
nicht an Andern, die wohl unterrichtet sind, Methode und Lehrfähig
keit an den Tag legen; aber es gebricht ihnen an gutem Willen, an
der Lust und Liebe in Anwendung derselben zu einem erziehenden
Unterrichte. — Ist es zwekmäßig, solchen Männern eine Besoldungs
erhöhung unbedingt zufließen zu lassen?
Endlich finden sich auch Viele, welche Kenntnisse mit Liebe und
Berufstreue vereinigen, und eine sorgfältige, religiöse Erziehung zu
ertheilen suchen.— Wer sollte diese Männer durch eine entsprechende
Besoldung nicht gerne auszeichnen?
Es thut vor Allem Noth, einer Handlungsweise zu entsagen,
welche ohne Rüksicht auf Subjektivität eine abnorme, objektive Gleich
heit zu erzielen strebt.
Wenn es sich also nicht darum handelt, dem Lehrerstande im
Allgemeinen Dasjenige zuzuwenden, was überhaupt als ein Minimum
seiner Existenz, wie die Verhältnisse sich dermalen gestaltet haben,
betrachtet werden muß, so dürfte auf ihre subjektive Qualifikation ein
genaues Augenmerk gerichtet werden.
Indessen ist es in die Hand der Regierung gegeben, die zu dem
Zweke der Personalaufbesserungen in das Budget aufgenommene
Summe solchen Lehrern vorzugsweise zuzuwenden, welche mit andern
Ansprüchen ein günstiges Zeugniß ihrer weltlichen und geistlichen
Vorgesezten vereinigen, wobei sodann der Seekreis aus oben ent-
wikelten Gründen zunächst zu berüksichtigen wäre.
Denn, man wird wohl. den Gemeinden wie den Steuerpflichtigen
alle diese an manchem Orte auferlegten unverhältnißmäßigen Opfer
der Neubauten, der Schulgelder, Besoldungserhöhungen, Voraus
bezahlungen u. s. w. auf die Dauer nicht zumuthen dürfen, um so
weniger, wenn sich diese Opfer an Resultate knüpfen, welche die
christlich-religiösen Ansprüche, welche die Eltern an die Schulen zu
machen berechtigt sind / an manchem Orte so wenig befriedigen.
Was korporative Schulanstalten für weibliche Jugend zu leisten
vermögen, beweisen die nicht genug zu würdigenden in Freiburg,
Bladen, Offenburg, Rastatt, Meersburg, Villingen, Konstanz, Brei
sach bestehenden weiblichen Klosterschulen. Es wäre interessant, auch
den Kostenpunkt mit dem Aufwande für die männliche Jugend zu
vergleichen, unter gleichen Verhältnissen, abgesehen von manchmal