Full text: Pädagogische Woche - 4.1908 (4)

Organ 9gs DMfälijdien pioninjIalöGreins 9es „Kafh. LehremGrban9ßs“ un9 9er 
„BGrmann-BubGrfus-Stlhung“. 
BrafisbeilagGn; „LlfGrafurblaff“, „Jugend- un9 üoIhslGhfürG“. 
Berausgegeben von gen Vorgängen öiefer Vereine unser 9er Verantwortlichkeit 9es Verlegers. 
Verlag un9 Beschättslielie: J. Stahl in Arnsberg. 
Nr. 8. Hrnsberg, Samstag den 22. Februar 1908. 4. Jahrgang» 
erscheint jeden Samstag im Umfange von wenigstens 16 Seiten. 
Bezugspreis: Pierteljährlich bei der Post abgeholt oder durch den Zuckhandel 1,25 Jt, von der Post zugestellt 1,37 direkt unter Streifband 
1.50 c#. Einzelnummern gegen Einsendung von 20 Hl poltfrei. — Preis der Anzeigen und Beilagen: Die 4gespaltene Petitzeile oder 
deren Raum 30 für Familienanzeigen von Abonnenten 25 3fp., bei Wiederholungen Aacklah. Beilagen bis 8 Tramm wiegend 1000 Exemplare 
12.50 Jl, schwerere nach Vereinbarung. Alle Zuschriften und Sendungen an die Geschäftsstelle der «Pädagogischen Wecks», Arnsberg erbeten. 
Ceiegramm^Adrdfe; Stahl, Arnsberg. Fernipreck-Ansckluh Ar. 31. 
Inhaltsverzeichnis. Die Volksschule der Vereinigten Staaten in > 
ihren Vorzügen und Mängeln. — Vor hundert Jahren. — „Der Bakel, 
das Zepter der deutschen Schulherrlichkeit ?" — Prüfungstermine. — Zur 
Frage der Mittelschulen. — Aus dem Landtage. — Zur Besoldungsfrage. 
— Zur Schulaufsichtsfrage. — Aus der Schulwelt und dem Lehrerleben. 
— Vereinswesen. — Verfügungen. — Dies und das. — Aus dem 
Spruchschatz. —Vereinsnachrichten. — Literarisches. — Briefkasten der Re 
daktion. — Inserate. 
Die Volksschule der Vereinigten Staaten in ihren 
Vorzügen und Mängeln. 
Von Bernhard Riesenbeck, Emsdetteni 
(Schluß.) 
Vom amerikanischen Volks schullehrerstand. 
Diese Überschrift straft eigentlich die wirklichen Zustände 
Lügen, denn über 90 Prozent des Volksschulunterrichts 
wird von Frauen erteilt. Von einem Volksschullehrerinnen 
stande zu sprechen wäre jedoch auch nicht das Richtige, weil 
die überwiegende Mehrheit der Volksschulpädagogen aus der 
Damenwelt ihre Tätigkeit nicht zeitlebens ■ ausübt, sondern 
dieselbe mehr als eine Ubergangsstellung, bis zur Heirat an 
sieht oder als unterste Stufe der pädagogischen Laufbahn 
betrachtet. Bevor wir der sozialen Stellung des Volksschul 
lehrerstandes uns zuwenden, möge eine Darlegung der Lehrer 
bildung vorausgehen. 
Zunächst sei hervorgehoben, daß drüben durchaus nicht alle 
Lehrer eine besondere Berufsbildung genossen haben. In 
den Landschulen sind eigens vorgebildete Lehrer, sehr selten. 
Es hat dieses darin seinen Grund, daß die Lehrerbildung 
bei den Amerikanern sehr spät einsetzte und der Lehrerbedarf 
in dem Riesenstaate außerordentlich groß ist. 
Die amerikanischen Seminare haben staatlichen oder 
städtischen Charakter. Letztere werden vom Staate unter 
stützt; ihre Anforderungen sind durchweg höher als die der 
Staatsanstalten. Die Seminare sind teils als Externate, 
teils als Internate eingerichtet. Sie legen in ihrer äußern 
und innern Ausstattung Zeugnis davon ab, daß die Ameri 
kaner ihre Bedeutung und Wichtigkeit wohl zu schätzen 
wissen. Sämtliche Seminare sind interkonfessionell, die 
größere Anzahl nimmt beide Geschlechter auf. Die Aus 
bildung erfolgt kostenlos. Von den 49 000 Zöglingen der 
staatlichen Seminare waren 1902 rund 12 000 männlichen 
und 37 000 weiblichen Geschlechts. 
Die amerikanischen Seminare haben nicht wie unsere 
Lehrerbildungsanstalten einen ausgeprägten Fachschulcharakter, 
jedoch werden sie immer mehr nach dieser Richtung ausge 
baut. Ein wesentlicher Unterschied zwischen unserer und der 
amerikanischen Lehrerbildung liegt darin,. daß für die Auf 
nahme in ein amerikanisches Seminar die Absolvierung der 
Höheren Schule erforderlich ist. Der Seminarbesuch dauert 
an den besseren Anstalten des Landes zwei Jahre. Auf 
fallend ist es, daß das Seminar die besuchteste höhere Bil 
dungsanstalt ist. Das findet seine Begründung in der Volks 
tümlichkeit der Erziehungökunst und vor allem in den allge 
meinen Unterrichtszielen dieser Bildungsstätte. Zur Übung 
im Unterrichten sind mit dem Seminare Ubungsschulen ver 
bunden, oder es werden die Volksschulen des Ortes als 
Ubungsstätten benutzt. Außer den allgemeinen Unterrichts 
fächern sind im Lehrplane der Lehrerbildungsanstalten be 
sonders Bürgerkunde, Buchführung und Handfertigkeitsunter- 
richt vertreten. Von den pädagogischen Fächern erfährt die 
Psychologie, das Lieblingsfach der Amerikaner, die eingehendste 
Behandlung. 
Die Seminarabiturienten haben das Recht, zur Fort 
setzung ihrer Studien das Kolleg oder die Universität zu be 
suchen. 
Einer starken Beteiligung erfreuen sich die mit Semi 
naren verbundenen Kurse, die sowohl einzelnen Fächern als 
auch der eigentlichen Lehrerbildung dienen. Derartige Kurse 
werden an allen Seminaren abgehalten und erstrecken sich 
auf eine Zeitdauer von einem Jahre bis zu vier Jahren. Die 
ausgedehnteren. Kurse gehen also über die Bildungsstufe des 
Seminars hinaus und verleihen das Anrecht auf höhere 
Stellungen. Außerdem bieten noch andere.Veranstaltungen 
und Einrichtungen hinreichende Gelegenheit zur weiteren Aus 
bildung der Lehrer, z. B. Abendkurse, die an Seminaren 
der Universitäten unentgeltlich stattfinden, Ferienkurse, weit 
verzweigte Lesezirkel uftv. 
Mehr als bei uns sind in den Vereinigten Staaten Fach 
lehrer tätig. Das ist natürlicherweise ganz besonders in den 
technischen Fächern der Fall, doch finden sich auch Fachlehrer 
für alle anderen Unterrichtsgegenstände. Die Seminarlehrer 
gehen meistens aus dem Vockchchullehrerstande hervor, wenn 
gleich auch hier Ausnahmen nicht zu den Seltenheiten ge 
hören ; so pflegen Lehrer an höheren Schulen mit Vorliebe 
zum Seminar überzugehen, weil ihnen daselbst ein höherer 
Lohn winkt. Noch sei erwähnt, daß zwischen den verschie-
	        

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