Full text: Pädagogische Woche - 4.1908 (4)

Organ 9ßs nMfälifrtien pioDlnjialDerßins 9es „Hafh. LßhrßrDßrfaandßs“ un9 9ßr 
„Bermann-Buberhis-Sfifsung“, 
Brafisbßllagßn: „Llferafurblatt“, „3ugßn9- un9 öolbstßbfürß“. 
Berausgegeben von gen DorRärräen gieser vereine unser öer Verantwvrllickkeif 3es Verlegers. 
Verlag un3 vesmättsRelle: 3. Stahl in Arnsberg. 
Nr. 3. Hrnsberg, Samstag den 18. üanuar 1008. 4. Jahrgang. 
Erscheint jeden Samstag im Umfange von wenigstens 16 Seiten. 
Bezugspreis: vierteljährlich bei der Post abgeholt oder durch den Buchhandel 1,25 Jt, von der Polt zugeheilt 1,37 direkt unter Streifband 
1,50^. Einzelnummern gegen Einsendung von 20 Hc postfrei. - Preis der Anzeigen und Beilagen: Die 4gespaltene Petitzeile oder 
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CelegramrmAdreffe; Stahl, Arnsberg. Fernfprech-Anfchlufj Ar. 31. 
Inhaltsverzeichnis. Zum 18. Januar. — Koedukation? — Derl 
junge Lehrer au der eiuklassigen Volksschule. — Eine böse Krankheit. — 
Fortbildungsschulweseu. — Zur Besoldungsfrage. — Ans der Schul 
welt und dem Lehrerleben. — Dies und das. — Sprachecke des Allg. 
Deutschen Sprachvereins. — Vereinswesen — Bereinsnachrichten. — 
Hermann-Hubertus Stiftung — Briefkasten der R daktion. — Litera 
risches. — Neuerscheinungen des Büchermarkts. — Inserate. 
Zum 18. Januar. 
Bismarcks diplomatische Tätigkeit zur Herstellung des 
deutschen Reiches von 1865—1871. 
(Von Karl Kenkel, Eutin.) 
Quellen: 1. Bismarcks: „Gedanken und Erinnerungen." 
2. Sybel: „Die Begründung des deutschen Reiches 
durch Wilhelm I." 
Am 18. Januar kehrt zum 37. Male der Tag wieder, 
an dem das deutsche Reich zu alter Kraft und Größe wieder I 
auferstand, der Tag, an dem König Wilhelm von Preußen | 
im prächtigen Saale des Schlosses zu Versailles von den 
versammelten deutschen Fürsten zum Kaiser des neuen Reiches 
ausgerufen wurde. Schon deckt die Helden dieser glorreichen 
Zeit die kühle Erde, ihr Andenken jedoch lebt im deutschen 
Volke in lebendigster Weise fort und wird nie erlöschen, so 
lange noch deutsche Herzen schlagen. Die Einigung des 
deutschen Volkes verdanken tvir neben dem erhabenen Kaiser! 
Wilhelm I. in^ erster Linie seinem großen Kanzler Bismarck. > 
Die diplomatische Tätigkeit dieses genialen Mannes in den 
Jahren 1865—1871 zu verfolgen, ist die Aufgabe meiner 
Ausführungen. 
Schon von Beginn seiner Tätigkeit an lvar es Bismarck 
klar, daß der deutsche Staatenbund mit der Hegemonie Öster 
reichs ein für Preußen unhaltbares Verhältnis sei. Letzteres 
Land war nach der Zahl der deutschen Einwohner der be- ; 
deutendste Staat im deutschen Bunde und mußte fiir sich! 
wenigstens die Hegemonie über die norddeutschen Staaten 
beanspruchen. Daß Österreich aber nicht freiwillig seine 
Machtstellung aufgeben würde, tvar zweifellos. Man mußte j 
deshalb preußischerseits notwendig auf einen Waffengang mit 
Österreich gefaßt sein. Zwar gingen 1864 noch die beiden 
Staaten vereint gegen Dänemark vor, aber schon der Wiener 
Friede, auf dem Dänemark Schleswig-Holstein an Öster 
reich und Preußen gemeinsam abtrat, trug den Kriegskeim 
in sich. 
Die Entwickelung des Streites um Schleswig-Holstein 
ist allgemein bekannt, sodaß sie nur einer kurzen Wieder-1 
holung bedarf. . Erinnert sei nur an die Gasteiner Überein 
kunft am 20. August 1865, derzufolge Österreich Holstein, 
Preußen Schleswig verwaltete und besetzte, Lauenburg da 
gegen für -eine Geldentschädigung an Preußen abgetreten 
wurde. Der Streit erhob sich von neuem, als Österreich 
offen die Erbansprüche des Prinzen von Augustenburg be 
günstigte, welche Preußen mit der größten Entschiedenheit 
bekämpfte. Auch gegen die von Österreich beabsichtigte Ent 
scheidung der Zukunft der Erbherzogtümer durch die Abstim 
mung der Stände verhielt sich Preußen scharf ablehnend. 
So kam es denn bekanntlich dahin, daß von beiden Seiten 
die Rüstungen energisch betrieben wurden. Ant 1. Juni 1866 
legte Österreich die Streitfrage bezüglich der Erbherzogtümer 
dem deutschen Bunde vor, obtvohl sie doch eigentlich nur, be 
sonders was Schleswig anbetraf, eine Streitfrage^^wischen 
den beiden Großmächten tvar. Preußen erklärte duxMMMl. 
österreichischen Antrag die Verträge von Wien und Gastein 
fiir gebrochen und aufgehoben und ließ deshalb am 7. Juni 
die Truppen des Generals von Manteuffel in Holstein Än 
rücken, da jetzt die gemeinsame Verwaltung der HerzogMWe^ 
wieder nötig sei. Am 9. Juni lieV Preußens Protest gegen 
den österreichischen Antrag beim Bunoestage ein, am 10. o.ÄM 
beantragte es Bundesreform nach fM^Wi Grundsätzen: 
Ausschluß Österreichs, Schaffung einer Bundesmarme, Tei 
lung des militärischen Oberbefehls, im Norden für Preußen, 
im Süden für Bayern, ein Parlament aus Volkswahlen mit 
allgemeinem Stimmrecht. — Am 11. d. M. beantragte 
Österreich beim Bundestag die Mobilmachung des Bundes 
heeres gegen Preußen, weil dieses den Gasteiner Vertrag 
durch das Einrücken der preußischen Truppen in Holstein ge 
brochen habe. Am folgenden Tage eröffnete Bismarck allen 
deutschen Staaten, daß Preußen jedes Votum für den öster 
reichischen Antrag als Kriegserklärung ansehen werde. Am 
14. d. M. folgte dann die denkwürdige Abstimmung, bei 
tvelcher der deutsche Bund mit 9 gegen 6 Stimmen, ohne 
die vorgeschriebenen Formen einzuhalten, an Preußen den 
Krieg erklärte. Der deutsche Bruderkrieg, der leider unver 
meidliche, hatte begonnen. 
Gehen wir nun näher auf die diplomatische Tätigkeit 
ein, durch welche Bismarck es vermocht hatte, daß keine euro 
päische Großmacht offen für Österreich Partei ergriff, daß 
sogar Italien noch zu gleicher Zeit gegen Österreich los 
schlug. - 
Das junge Italien, ■ welches Napoleon 1859 nach dem
	        

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