Full text: Pädagogische Woche - 12.1916 (12)

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Durch die Bundesratsverordnung vom 22. Juli 1915, betr. 
Regelung der Kriegswohlfahrtspflege, wurde auch die Sammlung 
für die kollegiale Kriegshilfe der Staatsaufsicht unterstellt. Da 
bei den beteiligten Vereinen nicht die Absicht bestand, eine neue 
Sammlung zu eröffnen, vereinzelt aber Beiträge noch gezahlt wur 
den, so richtete der Ausschuß an das Kgl. Preuß. Ministerium 
unterm 21. August 1915 die Bitte, die nahezu abgeschlossene 
Sammlung in den Lehrervereinen für die Zwecke der kollegialen 
Kriegshilfe nachträglich zu genehmigen. Der stellvertr. Staats 
kommissar entsptach dieser Bitte und setzte die Frist für die Samm 
lung bis zum 31. Oktober 1915 fest. Mit diesem Tage wurde die 
Sammlung dann geschlossen. 
Die Gelder der kollegialen Kriegshilfe wurden, in Nachachtung 
der in den beiden Aufrufen bekannt gegebenen Grundsätze, zu 
Unterstützungen für Angehörige des deutschen Lehrerstandes aus 
dem Kriegsgebiete und dem feindlichen Auslande verwendet, so 
weit diese durch die Kriegführung der Feinde in Not geraten waren. 
Eine Entschädigung für entstandenen Sachschaden wurde nicht 
gewährt; die Hilfeleistung beschränkte sich vrelmehr auf die Fälle 
dringender Not, und auch in dieser Begrenzung gab es unendlich 
viel zu tun. Den besser gestellten Amtsfreunden, die nur vor 
übergehend, zumeist infolge verzögerter Gehaltszahlungen, in Ver 
legenheit kamen, wurde statt der Unterstützung ein zinsfreies Dar 
lehen gewährt. Für gewöhnlich wurde eine einmalige Geldhilfe 
für ausreichend erachtet; die andauernde Notlage besonders der 
älteren Witwen und unversorgten Lehrertöchter machte es aber 
nötig, in vielen Fällen zu wiederholten Malen helfend einzugreifen. 
Die Erledigung der Gesuche gestaltete sich so, daß zuvor auf 
dem Vereinswege eine Auskunft über die Verhältnisse des Gesuch 
stellers eingeholt wurde. Bei der Nachprüfung der ostpreußischen 
Notfälle leistete uns die Vereinigung ostpreußischer Lehrer, in 
deren Vorstand die Kreisvereine aus den Grenzbezirken vertreten 
waren, wertvolle Dienste. Der Geschäftsführer brachte die Ge 
suche darauf in der Sitzung des Ausschusses zur Vorlage und 
stellte unter Berücksichtigung der eingeholten Auskünfte seine An 
träge, über die der Ausschuß zu beschließen hatte. In rd. 120 
Fällen wurde jede Unterstützung, in rd. 300 Fällen die erbetene 
zweite oder dritte Unterstützung abgelehnt. Die Auszahlung der 
Beihilfen erfolgte an die in Berlin weilenden Familien in beson 
ders dafür angesetzten Geschäftsstunden, an alle übrigen durch die 
Post. 
Aus der kollegialen Kriegshilfe wurden bis zum 31. Dezember 
1915 insgesamt 1533 Familien bezw. Personen unterstützt, darunter 
eine größere Anzahl zwei oder mehrere Male. Die einzelnen 
Gruppen und Bezirke sind an dieser Gesamtzahl wie folgt be 
teiligt : 
Lehrer im Amte 
Lehrer im Ruhestande 
Lehrerinnen 
Lehrerwitwen 
Lehrertöchter 
Ostpreuß.n 
Els.-Lothr. 
So: st. Fälle 
tttf. 
893 
131 
15 
1039 
72 
2 
— 
74 
43 
8 
1 
52 
265 
11 
— 
276 
88 
4 
— 
92 
1361 
156 
16 
1533 
In diesen Zahlen sind die von den beiden Hilfsausschüssen 
erledigten Notfälle (in Königsberg i. Pr. 141, in Straßburg i. E. 
155) mit berücksichtigt. Von den 15 sonstigen Notfällen entfallen 
14 auf das Ausland und ein Fall auf ein deutsches Kriegsgebiet 
(Nordsee). Die Gruppe der Lehrer im Amte umfaßt auch die 
zum Heeresdienst Einberufenen und Verschleppten, für deren Fa 
milien zu sorgen war. Vom Berliner Lehrerverein wurden 551 
Familien bezw. Personen unterstützt, darunter 343 Lehrer, Rek 
toren und Oberlehrer, 77 Lehrerinnen, 78 Lehrerwitwen, 40 
Lehrerkinder, 13 Seminaristen und Seminaristinnen. Zum weitaus 
größten Teile sind diese Familien später auch aus der kollegialen 
Kriegshilfe unterstützt worden, allerdings dann mit einem niedri 
geren Betrage als in den übrigen Fällen. 
Die Aufwendungen für die Zwecke der kollegialen Kriegshilfe 
(nach dem Stande am 31. Dezember 1915) ergeben sich aus den 
nachstehenden Zusammenstellungen: 
l. Hauptkaffe der kolleg. Kriegshilfe. 
1. Einnahme (wie früher nachgewiesen) 
218 875,34 Ji 
2. Ausgabe. 
Überweisung an die Kriegshilfe des Berliner 
. Lehrervereins 
5000 — „ 
Ueberweisungen an den Hilfsausschuß der ost 
preußischen Lehrerschaft 
19 402 - „ 
Ueberweisungen an den Hilfsausschuß der elsaß 
lothringischen Lehrerschaft 
41000,— „ 
1406 Unterstützungen 
141 479,— „ 
35 zinsfreie Darlehen 
5 420,- „ 
Rückzahlung der auf ein falsches Konto gezahlten 
Beträge (s. o.) 
89,66 „ 
zus. 212 390,66 Ji 
3. Abschluß. 
1. Einnahme 218 875,34^ 
2. Ausgabe 212 390,66 „ 
Bestand 6 484,68 Ji 
II. Kaffe des Hilfsausschuffes in Königsberg i. Pr. 
1? Min nah me. 
Ueberweisungen aus der kolleg. Kriegshilfe 16 000,— 
Sonstige Zuwendungen 705,— „ 
zus. 16 705,— Ji 
2. Ausgabe. 
Unterstützungen 9 950,— Ji 9 950,— „ 
Bestand 6 755, - JI 
114. Kaffe des Hilfsausschuffes in Straßburg i. E. 
1. Einnahme. 
Ueberweisungen aus der kolleg. Kriegshilfe 41000,—.4 
Sonstige Zuwendungen 421,45 „ 
*Zusi 41421,45 JI 
2. Ausgabe. 
Unterstützungen 24 845,— Ji 
Sonstige Ausgaben 75,25 „ 24 920,25 „ 
Bestand 16 501,20 Ji 
Für Unterstützungen einschl. zinsfreie Darlehen wurden dem 
nach vis zum 31. Dezember 1915 zusammen 186 694 Ji ausgegeben; 
davon entfielen auf Ostpreußen 159 274 Ji (bei Einrechnung der 
Aufwendungen des Berliner Lehrervereins 218 844 Ji), auf Elsaß- 
Lothringen 25 045 Ji., auf 15 sonstige Fälle 2375 Ji (auf das 
Ausland allein 2125 Ji.). Je nach Lage des Falles wurden Bei 
hilfen im Betrage von 50 vis 300 Ji bewilligt; die durchschnitt 
liche Unterstützung stellte sich in jedem der drei Gebiete für den 
Einzelfall auf 160 Ji. Mit diejer Hilfe konnten viele Tränen 
getrocknet und den größten Notständen entgegengewirkt werden. 
Zahlreiche herzbewegende Dankschreiben geben davon Kunde, und 
wir sind glücklich, diesen Dank weitergeben zu können an alle, die 
uns bei diesem Liebeswerke geholfen haben. 
Die kollegiale Kriegshilfe verfügte bei dem Eintritt in das 
neue Jahr noch über Bestände in Höhe von 29 740,88 Ji. Wenn 
auch das Ende des Krieges noch nicht abzusehen ist, so hoffen wir 
doch zuversichtlich, daß wir die Arbeit der kollegialen Kriegshilfe 
in naher Zukunft werden abschließen können. Für die jetzt noch 
zu behandelnden Notfälle dürfte der aus dem Vorjahre über 
nommene Betrag vollkommen ausreichen; ein etwa verbleibender 
Restbetrag würde für einen ähnlichen Zweck der Standeskriegs 
hilfe Verwendung finden. 
Die Kasse der kollegialen Kriegshilfe ist im Laufe dieses 
Monats von dem Rechnungsausschusse des Deutschen Lehrer 
vereins, bestehend aus den Herren Herter, Schönfeld und Schünke, 
einer sehr eingehenden Prüfung unterzogen und richtig befunden 
worden. Die Richtigsprechung bleibt der Vertreterversammlung 
des Deutschen Lehrervereins vorbehalten, die zu Pfingsten in 
Eisenach stattfinden soll. 
Berlin, im Januar 1916. 
Der Ausschuß für die kollegiale Kriegshilfe. 
G. Röhl, A. Günther, A. Müller, 
Vorsitzender. Geschäftsführer. Schatzmeister. 
Th. Golling, A. Gottwald., G. Herter, V. Reitz, 
A. Schünke, I. Tews, G. Trensch. 
Zur Aufklärung. 
Der Vorstand des Westfälischen Provinzialvereins des Kath. 
Lehrer-Verbandes hat nach reiflicher Erwägung beschlossen, für 
das Vereinsjahr 1916 von allen Mitgliedern den Vereinsbeitrag 
zu erheben. Das Jahr 1915 war in Westfalen für die im Felde 
stehenden Mitglieder beitragsfrei. Für den, der oberflächlich 
urteilt, mag dieser Beschluß als eine Härte für die im Felde ste 
henden Kollegen erscheinen. Mancher l. Kollege, der nun schon 
lange des Krieges harte Not getragen, sein Blut für uns im 
todesmutigen, wilden Ringen einsetzt, wird beim ersten Verneh 
men dieser Nachricht wohl unmutig ausgerufen haben: „Auch das 
noch! Es ist also nicht genug, daß ich meine Knochen zu Markte 
trage, während die daheim ini sicheren, warmen Nest behaglich 
sitzen." Nun, ganz so ist es denn doch nicht. Auch wir daheim 
bringen Opfer und würdigen gewiß die großen und opferfreudigen 
Taten unserer Standesgenossen im Felde. Wir wissen aber auch, 
was wir durch unsere Organisation vor dem Krieg errungen 
haben, was sie während des Krieges geleistet hat und iioch leistet,
	        

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