TCafhofifche Zeitschrift für Crzichung und (Bildung:
Wissenschaft — «Kunjf — Gofitih
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Inhaltsverzeichnis: Die Kleinbühne im Arbeitsunterricht. — Neuere Erdkunde. — Literatur für Fortbildung und Unterricht. —»
Aus den Vereinen: Kath. Lehrerverband der Provinz Sachsen u. a. G. Kath. Lehrerverem der Diözese Hildesheim. Bezirks,
lchrerkammer Minden. — Dies und daS. — Vom Büchertisch. — Verein-kalender. — Anzeigen.
1. 3ahrgang
Samstag, den 2. ©exember 1922
(Hummer 81
Die Kleinbühne im Arbeitsunterricht.
F. Tötzel, Lehrer, Essen-Frintrop.
Goethe erzählt, daß er in seiner Jugend ein Puppentheater
geschenkt bekommen hatte, mit dem er gern und oft spielte. Wenn er
nun schildert, welche Freude er und seine kleinen Zuschauer, die er
sich aus der Nachbarschaft geholt harte, beseelte, so wird mancher
Leser den Wunsch gehabt haben, ein solches Marionettentheater
kennen zu lernen oder ein solche- selbst zu besitzen. Mir selbst ist
eS wenigstens so ergangen.
Da kam mir nun vor einigen Jahren ein Katalog der Firma
Schreiber in Eßlingen in die Hand, der auf eine Anleitung zum
Barr eines Puppentheaters und die dazu nötigen Bogen hinwies.
Mein Entschluß war schnell gefaßt und gleich ließ ich mir die ge
wünschten Sachen vom genannten Verlage konrmen. In den Herbst,
ferien wurde daS Holzgestell der Bühne bei einem Schreiner gebaut,
«nd dann konnten meine Kinder mir tüchtig beim Ausschneiden der
Bogen und Aufkleben derselben helfen. Andere Schlier, die mit
der Laubsäge geschickt umgehen konnten, mußten auS beklebter
Pappe die Figuren, die Bäume und andere Ersatzstücke aussägen.
Die Mädchen machten sich daran und schneiderten auS recht buntem
!8eug einen kleinen Vorhang. Andere Schüler ferttgten Schleif
klötzchen aus Holzleisten an, die mit Rillen zur Aufnahme der Papp,
figuren versehen wurden. Wieder andere Knaben hatten kleine
Schnurrollen zu kaufen und auf dem Boden brr Bühne zu befestigen.
Endlich waren alle Vorarbeiten getan und eS konnte an daS Spiel
unsere» ersten Stückes, Hänsel und Gretel, gegangen -werden.
Mit einer kleinen Klingel wurde getheilt und der Vorhang
ging in die Hohr. Die Spieler standen zu beiden Seiten der Bühne
«nd hatten von dort ihre Puppe zu bewegen, sie auf- und abtreten
gu lassen und vor allen Dingen auch zu sprechen. Unter atemloser
Spannung der Zuschauer ging die Vorstellung vor sich. Als der
Borhang gefallen war, erscholl lauter Beifall. Der Tag war zu
einem Festtage mrincr Klasse geworden, Die Kinder hatten künftig
immer nur die eine Frage: „Herr Lehrer, wann spielen wir wieder
Puppentheater?' Ich habe sie nicht lange warten lassen und im
Laufe der letzten Jahre wurden noch: „Tischlein, deck' dich!", „Dorn-
röschen", „Schneewittchen" und andere Märchenstücke gespielt.
Nur zögernd war ich an das Spiel ans der Kleinbühne im
Unterrichte gegangen. Ich habe es aber nicht bereut. Zuerst ivaren
es nur einzelne Schüler und Schülerinnen, ausgesprochene
„Mimiker", die sich der gestellten Aufgabe vollkommen gewachsen
zeigten. Nach und nach wurden es mehr, und jetzt kann jeder nur
mittrlrnäßig veranlagte Schiiler als kleiner Schauspieler Verwen
dung finden. Andere gztte Mirkwgen fcj) Spiels zeigten sich auch
noch. Das Selbstvertrauen meiner Komödianten wurde gewaltig
gestärtt, und nicht nur im Deutschen, sondern auch in den andern
Fächern wurde ich nun oft durch hervorragende Leistungen über
rascht. Kinder, die bis dahin einen schläfrigen Eindruck gemacht
hatten, wurden im ferneren Unterrichte frisch und lebendig und sind
bis heute so geblieben. Wenn cs galt, ein Gedicht oder ein Lese
stück mit Mimik zu sprechen, so entpuppten stch „dramatisch«
Talente" die mich durch ihre guten Leistungen verblüfftem
Das brachte mich nun auf den Gedanken, die mit dem Puppen
theater gewonnene Geschicklichkeit bet Gelegenheit eines Eltern
abends zu verwenden. DaS geschah mit dem besten Erfolge. ES
zeigte sich nun, wie sehr sich die Kinder in den Sinn und Geist der
Märchen hineingelebt hatten, wie es ihnen zu einein inneren Er
lebnis geworden war: denn eS war eine Lust, zu sehen, wie sie daS
Stück gleich aus stch selbst heraus spielten, wie sie in ihrer Sprache,
ihren Gesten, ihrer Mimik daS Richtige trafen, ohne daß eS nötig
gewesen wäre, fortwährend Belehrungen geben zu müssen, wie ei
sonst beim Einüben der Fall doch immer war. Die Proben machten
uns deshalb schon Freude und die Aufführung am Elternabend erst
recht; denn das Spiel war gut und fand allgemeinen und reicher
Beifall.
Im Winter haben wir mehrmals Märchenavenbe veranstaltet.
Bei Eintritt der Dunkelheit wurde mit dem Spiel begonnen. Die
künstliche Beleuchtung machte nun die ganze Dekoration, die an und
für sich schon künstlerisch wertvoll ist, erst recht wirkungsvoll und
sehr bald herrschte in der Klasse wahre und echte Märchenstimmnng,
wie sie auch der beste Märchenerzähler nicht hervorbringen kann.
Auf der Stufe der Anwendung holen wir daS Theater auch
vom Schranke herunter, da bei geeignetem Stoffe die Schüler eS
schon immer selbst wünschten; denn sie haben ein sehr feine) Gefühl
dafür, ob ein Stoff sich kür die Puppenbühne eignet oder nicht. So
wurde von Freiwilligen: „Friede ernährt, Unfriede verzehrt",
„GndrnnS Klage", „Jnrick bei den Wölfen" (aus den Jugend«
erinnernngen eines alten Mannes), „Kasperl will Zahnschmerzen
haben" (ans Pole Poppenspäler), „Der Lotse" und „Kannitverstan"
gespielt. DaS ist nnS aber nur möglich, weil wir eine ganze Reihe
von Kulissen und Hintergründen haben. Wir besitzen an Dekora
tionen: eine Bauernstube, eine Bauernküche, ein Bürgerzimmer,
einen Rittersaal, ein Dorf, eine Stadt, einen Wald, ein Meer, einen
Schloßpark, eine Winterlandschaft und — rund zweihundert
Figuren, so daß es uns ein Leichte) ist, für daS Spiel die passende
Umwelt zu schaffen. Geht der Vorhand in die Höhe, so ist Auge
und Ohr der Kinder voll beschäftigt und die Einstimmung ist sofort
erreicht

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