Waffiolifche SSeifJchvtfC für 6tziehung und SKdung:
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Inhalt: Religiöse Er-äbl-ung als Beleuchtung unseres Zeitge'stes — Etwas vom Alten Testament und Gottes Führung in der Jetzt
zeit. — Einheitskatechis-nrus. — Die Heiligenlegende in der katholischen Ersiehungsschule. — Aus den Vereinen. — Brief
kasten. — Dereinskalender. — Anseisen.
2. 3afirgang
eXEliffwoch, den 21« Qftlävz 1923
«Hummer 21
Religiöse Erzählung als Beleuchtung
unseres Zeitgeistes.
Von Klans Klees.
Der Herr war einst, als er noch auf der Erde zu wandeln
pflegte, zu den Seinen gegangen. Er war einfach gekleidet, so
daß ihn niemand erkennen konnte. Alles, was ihn sonst kenn
zeichnete vor den s. wachen Menschen, hatte er im Himmel zu
rückgelassen. Als v Herr zum ersten Zelte im Lager seines
Volkes kam, lief dort auf dem freien Platze, den man gleich am
Anfang überschauen konnte, eine große Schar Menschen zusam
men. Es war etwas geschehen. — Und als der Herr, der ganz
verlassen dastand, näher hinschaute, sah er, wie die Seinen sich
bemühten, einen lahmen Bettler aufzuheben, der ohnmächtig
umgefallen war. Das freute ihn, denn so wünschte er, daß die
Seinigen sich in der Barmherzigkeit betätigen sollten. Als er
aber etwas näher heranging, sah er hinter der Menge zwei
Menschen stehen, die über den Hergang lachten. Das wurmte
den Herrn. Er ging noch näher heran. Da hörte der All-
gütige folgendes: „Wie einfältig sind doch diese Krüppel, die
nur von der Wohltätigkeit anderer abhängig find. Sie müssen
betteln gehen von Haus zu Haus und von der Türe auflesen,
was ihnen die dumme Gutheit der übrigen abwirft!" „Ich
würde mich nicht so bücken, um im Kote den Abfall zu heben",
sagte der eine zum andern. „Ach, arm sein muß doch schreckl'-ch
sein! Jeden Tag dieselbe Sorge ums tägliche Brot, das einem
das Mitleid der andern schenkt. Pfui der Armut und der Barm
herzigkeit. die es für hoch erachtet, solchen Krüppeln zu helfen,
die das Leben verschlingen, vernichten sollte, und die nicht leben
dürften als Schandfleck der starken Erde! Weg mit ihnen!
Fort, ja fort mit ihnen! In den Tod soll man sie jagen, diese
Abarten der Menschen, diese Schänder des Tages! Da sind mir
doch anders geartet. Wir haben Geld und Gut und brauchen
nur den andern, um aus ihm Verdienst zu schöpfen oder ihn
verdienen zu lasten, aber auch nur so viel, daß er nicht mehr
hat als wir wollen. Wir sind die Kraftmenschen, die nichts
bedürfen, um aus der Quelle der ewigen Macht, wenn es eine
solche gibt, zu schöpfen!" — Sie blähten sich auf wie stolze Frösche
und schüttelten lächelnd das Haupt, als ein guter Mensch, der
selbst arm wie der andere, den Bettler auf seinem Rücken in
sein gastlich Zelt trug. — Segnend blickte der Herr das gläubige
Volk an, und es verspürte die Kraft seines Blickes. Langsam
schritt er dann auf das stolze Paar zu. blickte es furchtbar ernst
an und sprach die schweren Worte: „Weil ihr geglaubt, mehr
§u sein als die andern, weil ihr mein heilig Gebot verachtet unh
stolz seid, so sollt ihr sein wie der Bettler und noch weniger
als er!" — Da fielen von ihnen die schönen Mäntel, und an
allen Gliedern gelähmt fielen sie zu Boden und versuch en
kriechend den Herrn zu erreichen. — Doch der schritt weiter, und
als er ans Ende des Lagers gekommen war, verschwand er lrn«g-
sam in des Himmels Auen. Da erkannte ihn das Volk. Es
fiel nieder auf sein Angesicht, pries und lobte Gott ob seiner
Gerechtigkeit und großen Barmherzigkeit. Denn zur selben
Stunde ward der arme Krüppel gesund und konnte gehen.
Etwas vom Alten Testament und Gottes
Führung in der Jetztzeit.
Don Hei nr ich Ged e on.
l.
Große Zeiten sind für die Völker wie für den einzelnen
Entscheidungszeiten. Ein Für und Wider: für oder gegen Gott,
für oder wider den Jenseitsglaubon, für oder gegen Christus,
für oder gegen die Kirche, für oder wider den Idealismus. Eine
solche Zeit war der letzte Krieg: eine Belastungsprobe für die
Nationen, Völker und für den einzelnen in Bezug auf Glauben
und Charakter. Das deutsche Volk hat die Belastungsprobe nicht
bestanden. Der mit der raffinierten Technik einer Diesseits-
moral vielfach aufgebaute Staat brach zusammen wie eine mäch
tige, sich kühn und trotzig über den Strom spannende Brücke
zusammenbricht, wenn die Berechnung auf die Tragfähigkeit
falsch war. Wer zu Felde gewesen ist, und wem es ernst mit
sich und der Menschheit war. der hat das Wider in erschrecken
dem Maße geschaut, das Zusammenbrechen der „Charaktere"
rings um sich erlebt. Und daheim war es nicht minder schlimm.
Da brach jenes Murren, jene dumpfe Klage, jenes schmerzliche
Weinen, jene trostlose Verzweiflung, jenes Gottlästern jäh
hervor, das den Herrgott „aus dem Himmel" holte und ihm das
Ultimatum stellte: „Wie kann denn Gott gut und liebreich sein,
da er ein solches Morden, ein solches Hungern zuläßt!" Diese
dumpfe Klage kam nicht nur aus dem Herzen derer, welche die
Hefe unseres Volkes bilden — sondern überraschender Weise
auch aus dem der gutunterrichteten Christen. Ja, unserer Er
fahrung nach hat sogar das Christentum vieler vom Lande aus
den Zentren des Katholizismus Schiffbruch gelitten. Auch sie
wurden irre; zwar nicht am Jenseitsgedanken, aber die Kennt
nis von der Führung (Vorsehung) Gottes war ihnen abhanden
gekommen. Manche, welche das Irren und Fallen gesehen haben,
behaupten, die Religion habe versagt. Das kann nicht sein,
denn unsere. Religionslehre ist ein Organismus von solch über
ragender Vollkommenheit und Größe, daß sie jedem in jeder
Lebenslage Hilfe bringen kann. Nein, nein, die Religion hat
nicht versagt — wohl aber vielleicht ein großer Prozentsatz ihrer
Verkünder, zu denen ja auch wir Lehrer und Lehrerinnen ge
hören.
Erforschen wir uns! Doch zuvor folgendes: Kurz nach
meiner Rückkehr aus dem verlorenen Kriege, mitten im Gewogn

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