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tKolfioHfche Zeis jchvif( füv&vxiehung und SilduKgt
‘Wissenschaft — Kunst - Politik
HaupMltt dev AweigvevkÄnde des ftatft. feftveroevSandes des Deutschen ödestes: Dagevn, Vvaunfekwetg.
Coffef» KUdeskeim. KokenzoSevn. Lippe. Norden, vsnakrürk» Lsalz, NLeinland. Lachsen und a. 8.. Westfalen.
VeröAentliekungsbkatt der Hermann Kuhertus-Ltiflung.
Füv Westfalen: Fe vis eHnng dev pädagogischen IDoohc.
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Inhal t: 3nt letzter Stzumde. — (Ein* wichtig* Tcvgesivag«. — ©i-nMunig der Lehrer. — Mttfchaitliiche Fvasen. — .AM den Vereinen.
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2.
OHitttnoch, den 12. Sepfembcv 1923
Stumm er 56
In letzter Stunde.
Der Deutsche Veamtenbund wendet sich mit dem nachfolgen
den eindringlichen Aufruf an seine Mitglieder:
Der Kampf gegen die deutsche Beamtenschaft ist auf der
ganzen Linie entbrannt! Er wird mit einer Gehässigkeit und
Brutalität geführt, die alles bisher Dagewesene weit in den
Schatten stllt. Fast in der gesamten Tagespresse wird versucht,
Bresche in die wohlerworbenen Rechte der Beamten zu legen.
Dabei fehlt es nicht an Verunglimpfungen, Herabsetzungen, Ber-
ileumdungen. Jetzt soll die vierteljährliche Gehaltszahlung
schuld sein an dem wirtschaftlichen und finanziellen Verfall
Deutschlands.
Dieselben Volkskreise, die eine Stabilisierung zu verhindern
suchten und durch die Inflation Riesengewinne eingesteckt haben,
machen jetzt die Beamtenschaft für die Inflation verantwortlich.
Dabei wird die Frage der vierteljährlichen Gehaltszahlung dazu
benutzt, für den
Beamtmadbau
«in der Öffentlichkeit Stimmung zu machen.
Eine ungeheure Erregung hat sich der Beaartenschaft bemächtigt!
Kollegen! Den Gegenkampf hat der Deutsche Beamtenbund
zu führen! — Ist er dafür g e r ü st e t? In s a ch l i ch e r Hin
sicht: Ja! — Aber finanziell in keiner Weise! — Und dabei sind
es neben anderen gerade die kapitalkräftigsten Kreise, die zum
Schlage gegen die Beamtenschaft ausgeholt haben. Wie sollen
wir da bestehen? Sollen wir den Kampf erfolgreich führen,
dann müssen wir die dazu erforderlichen Geldmittel haben!
Das Geld aber fehlt uns!
In der Entfaltung unserer Kräfte sind wir in empfind
licher Weise gehindert.
Kollegen, es geht um Euer Wohl und Wehe, es geht jetzt
buchstäblich um
Sein oder Nichtsein!
Versagt Ihr in diesem Augenblick, wo alles zur Entschei
dung drängt, dann habt Ihr Euch selber zuzuschreiben, wenn
Ihr unter die Näder kommt. Eure wichtigsten Belange sind
schwer gefährdet! Es ist, als ob alle Welt sich gegen die Be
amtenschaft verschworen habe.
Kollegen! Wir haben den Kampf mit leeren Kassen auf
genommen, in der sicheren Zuversicht, daß Eure sofortige Hilfe
nicht ausbleiben wird. Jeder Tag^ wo jetzt die Waffen ruhen
müssen, ist verloren und kann von den verhängnisvollsten Fol
gen sein. Jede notwendige Maßnahme, die wegen mangelnder
Geldmittel unterbleiben mutz, kann sich bitter an Euch rächen!
Darum sorget alle dafür, daß der Deutsche Beamtenbund den
Notbeitrag von 30 000 Mark für August und von 200 000 Mark
für September unverzüglich bekommt.
Trefflich wird die gegenwärtige Lage durch diese Dar«
lelungen des D. B. V. gekennzeichnet:
Das vor einigen Wochen inszenierte Sturmlaufen der Presse
gegen die vierteljährliche Vorauszahlung der
V e a m t e n b e z ü g e hat sich inzwischen zu einer wüsten Hetze
gegen die Beamten entwickelt. War man damals noch bemüht,
sachliche Gründe sprechen zu lassen, die allerdings meist nicht
stichhaltig waren, so überschlägt man sich heute geradezu in Un
terstellungen und Anwürfen, die in ihrer Häufung schließlich bet
dem „wohlgeneigten" Leser den Glauben erwecken müssen, als
ob das ganze Wirtschafts- und Finanzelend Deutschlands allein
von den Beamten komme. Einer führenden Rolle in diesem
Feldzuge gegen die Beamten darf sich die „Deutsche Allgemeine
Zeitung", das Sprachrohr der Industrie rühmen, die sich die
Auffassung zu eigen gemacht hat, daß Vorauszahlung und „Va
lorisierung" ein Widerspruch in sich sei. Das gilt aber natür
lich nur für die Beamtenbezüge, nicht etwa auch für die „Deutsch-
Allgemeine Zeitung" selber. Denn in derselben Numm-sr
(391/92 vom 26. August), in der sie die gegenwärtige Besol
dungsgebarung als einen „öffentlichen Skandal" bezeichnet, teilt
sie denjenigen Lesern, die bis zum 16. August die Nachzahlung
von 244 000 Mark nicht geleistet haben, in Fettdruck mit, daß
ihnen über die nach dem 16. August in Kraft getretene Nack)-
fovderung von 744 060 Mark eine Nachnahme zugehen werde!
Läßt sich die „D. A. Z." nicht auch die Bezugsgebühren vor
ausbezahlen? Für die Veamtenbezüge gibr sie das Rezept:
entweder Vorauszahlung oder Valorisierung, wobei es im
ersteren Falle den Beamten überlasten bleiben soll, sich die
Wertb^tändigkeit ihrer Bezüge zu sichern. Nach ihrem eigenen
Rezept dürfte sie dann auch nicht mit Nachforderungen für sich
kommen, denn ds müßte ja ihre Sache sein, die vorausgezahlten
Bezugsgebühren wertbeständig zu erhalten. Ja, Bauer, das ist
dann etwas anderes! Jeder hat augenblicklich in Deutschland
nur sich selber im Auge, denkt nur an sich, und wenn der andere
dasselbe verlangt, was man mit kühler Selbstverständlichkeit
für sich beansprucht, dann ist das einfach ein Skandal, und ist
gar ein öffentlicher Skandal, wenn es sich dabei um die
Beamten Handelt.
Das angeführte Beispiel ist typisch für die Brüchigkeit der
von jener Seite aufgestellten und vielerwärts nachgebeteten
Theorie und nur deshalb ist es hier angeführt. Es ist Theorie»
der. sonst in der Praxis von keiner Seite nachgelebt wird^ uuj

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