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Inhalt: Das Reichsgesetz für Jugendwohlfahrt und die Lehrerschaft. — Noch einmal: „Die Augen auf!" — Junglehrernot und Landtag.
Die Lehrergebälter der drei letzten Jabre — Eehaltsregelung. — Landlehrer! Merk auf! — Aus der Pfalz. — Aus den Vereinen.
— Vereinskalender. — Briefkasten. — Anzeigen.
2. Jahrgang
Samstag, den 3. (februar 1923
eXtummer 8
Das Reichsgesetz für Jugendwohlfahrt
und die Lehrerschaft.
Bon Stadtschulrat Fr. Weigl in Amberg.
In der Fronleichnamswoche des letzten Jahres wurde im
Reichstag das Gesetz für Jugendwohlfahrt verabschiedet. Es soll
nunmehr in die Praxis übergeführt werden. Das dazu ergangene
Einführungsgesetz läßt hierfür einen Termin bis 1. April 1924.
In den Organisationen der Wohlfahrtspflege wie auch
in den Gesundheitsämtern herrscht deshalb zur Zeit
reges Leben, um entsprechenden Einfluß auf die Gestaltung der
Praxis bei den in Betracht kommenden staatlichen und städti
schen Stellen zu gewinnen. Verhältnismäßig ruhig hat die Leh
rerschaft das neue Gesetz hingenommen und ist sich vielleicht nicht
allenthalben der Tragweite bewußt, welche die Durchführung^für
die Schularbeit und unseren ganzen Erziehungseinfluß hat. Es
soll deshalb im folgenden versucht werden, Grundlagen für eine
bestimmte Stellungnahme der Lehrerschaft zu geben?)
1. Inhalt und wesentliche Aenderungen des Gesetzes.
Es ist nicht so, wie man mancherorts glauben möchte, daß es
sich bei dem Gesetz nur um eine Kodifikation bestehender gesetz
licher Bestimmungen und Verwaltungsmaßnahmen handelt. Die
Verfasser der Begründung, die seinerzeit dem Gesetzentwurf mit
auf den Weg gegeben wurde, haben vielmehr recht, wenn sie
von ihm eine wesentliche Umgestaltung des Jugend
wohlfahrtswesens erwarten.
Zunächst sei der Inhalt in großen Zügen wiedergegeben.
Das Gesetz formuliert im e r st e n Abschnitt das Anrecht
des Kindes auf Erziehung, wobei erfreulicherweise
nicht der Art. 122 der Reichsverfassung, sondern die Fasiung des
Art. 120 als Grundlage genommen wurde, und „Erziehung zur
leiblichen, seelischen und gesellschaftlichen Tüchtigkeit" gefordert
wird. Ursprünglich war nur von dem Recht auf körperliche,
geistige und sittliche Erziehung die Rede gewesen, wodurch der
religiöse Einfluß ausgeschaltet worden wäre, während er nun
mehr in dem Begriff de: seelischen Erziehung mit enthalten
ist. Der erste Abschnitt behandelt ferner die Organe und den
Wirkungskreis der öffentlichen Jugendhilfe im allgemeinen.
Der zweite Abschnitt baut die Organisation der amtlichen
Jugendwohlfahrtsbehörden auf, wobei neu die Forderung der
allgemeinen Einführung von Jugendämtern in den Städten
und zusammenfassend für Bezirke des Landes ist. Ein Landes
jugendamt soll die Tätigkeit in den einzelnen Ländern des
Reiches bezw. größeren Teilen derselben zusammenfassen, das
Reichsjugendamt die oberste Spitze des Ovganisationsaufbaues
bilden.
Der dritte Abschnitt behandelt den in der Gegenwart
immer wichtiger werdenden Schutz der Pflegekinder.
*) Es dürfte sich empfehlen, in allen Bezirksvereinen die Frage
«u besprechen-
Im vierten Abschnitt wird die Stellung des Jugend
amtes im Vormundschaftswesen sowie die Anstalts- und
Vereinsvormundschaft geregelt.
Der fünfte Abschnitt sichert die wirtschaftliche Sicher
stellung der Jugend, indem er für die öffentliche Unter
stützung hilfsbedürftiger Minderjähriger ein
heitliche Grundlagen gibt.
Als s e ch st er Abschnitt wurde dem ursprünglichen Entwurf
eine Reihe von Bestimmungen über Schutzaufsicht und
Fürsorgeerziehung angefügt, so daß mit Ausnahme des
Jugendgerichtswesens, für das auch bereits ein Entwurf vor
liegt, die gesamten Fragen der Jugendpflege und Jugendfürsorge
gesetzlich geregelt sind.
Versuchen wir nun festzustellen, was in diesen Bestimmungen
an neuen gesetzlichen Grundlagen geschaffen wurde, was von den
alten Bestimmungen fiel und was davon geblieben ist, so tritt
völlig neu in Erscheinung die Formulierung des Anrechtes
jedes deutschen Kindes auf Erziehung. Den Ver
tretern christlicher Weltanschauung im Reichsrate und besonders
im Reichstag ist es gelungen, die radikal-sozialistische Tendenz
auf bedeutende Verringerung, wenn nicht Ausschaltung der
Familienerziehung und auf Proklamation der Staatserziehung
hintanzuhalten und in § 1 Abf. H das Recht und die Pflicht der
Eltern für die Erziehung der Kinder zu sichern. Rur „insoweit
der Anspruch des Kindes auf Erziehung von der Familie nicht
erfüllt wird", tritt öffentliche Jugendhilfe ein. Für die Lehrer
schaft ist hier noch von Bedeutung, daß im § 2 ausdrücklich fest
gelegt wird, die Organe der öffentlichen Jugendhilfe, d. i. die
Jugendwohlfahrtsbehörden, kämen nur in Betracht, „soweit nicht
gesetzlich die Zuständigkeit anderer öffentlicher Körperschaften
oder Einrichtungen insbesondere der Schulen gegeben ist."
y Reu ist der ganze Apparat von Jugendwohlfahrtsbehörden,
der in § 3 ff. geschaffen wird und in desien Mittelpunkt das
Jugendamt steht. Seine Zuständigkeiten interessieren die Schule,
da es sich dabei durchweg um zum Teile schulpflichtige Kinder
handelt, und da für die meisten in Betracht kommenden Hilfs
maßnahmen bisher die Schule tätig war. Die Aufgaben des
Jugendamtes sind nämlich, 1. der Schutz der Pflegekinder, 2. die
Mitwirkung im Vormundschaftswesen, insbesondere die Tätig
keit des Gemeindewaisenrates, 3. die Fürsorge für hilfsbedürftige
Minderjährige, 4. die Mitwirkung bei der Schutzaufsicht und der
Fürsorgeerziehung, 3. die Jugendgerichtshilfe, 6. die Mitwirkung
bei der Beaufsichtigung der gewerblichen Kinderarbeit, 7. die
Mitwirkung bei der Kriegerwaisenfürsorge, 8. die Mitwirkung
in der Jugendhilfe bei den Polizeibehörden.
Von den in 8 4 genannten Aufgaben des Jugendamtes zur
Anregung. Förderung bezw. Schaffung von Wohlfahrtseinrich
tungen interessiert die Schule Ziffer 5 „Wohlfahrt der im schul
pflichtigen Alter stehenden Jugend außerhalb des Unterrichtes".
Auch der § 5 ist für uns von Bedeutung: „Die Behörden des
Reiches, der Länder und der Selbftverwaltungskörper und die
ÄstgeMmt?.! hcvbey sich gegenseitig , . . . , Beistand ra leisten.*

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