3€alhofi|clic Zcifjchrift für Sv Ziehung und Sildung:
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Hauptblatt der Iweigvevbönde des Halb, tekrevvevbaudes des Deutfckcn Aeiekes: Tvaun/cku-eig»
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Inhalt: Zur Lehrerbildungsfrage. — Pilzkunde in Schule und Leben,
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Aus dem Vereinsleben. — Vom Bücherlisch.
Vereins-
2. 3af»«?göncj
Samstag, den 10. {Jefmaar 1923
Stummer 10
Zur Lehrerbildungsfrage.
Bemerkungen zu den Ausführungen von Herrn Leifert-Vonn
in Nr. 3 der P. P.
Von I. M. Giesen, M.-Gladbach-Neuwerk.
Obwohl die Lehrerbildungsfratze offenbar zu den funda
mentalsten und brennendsten Schulfragen der
Gegenwart gehört, so wird ihr in unseren Reihen nach
meinem Empfinden doch nicht die Beachtung und der Meinungs
austausch gewidmet, den sie verdient. Herr Leifert hat in dan
kenswerter Weife das Problem wieder einmal angeschnitten.
Er verrät eine bis in die Einzelheiten hinein gehende Vertraut
heit mit der neuzeitlichen Entwicklung der Frage. Man sollte
wünschen, es gäbe noch recht viele Kollegen, die sich mit ähnlicher
Jntensivität der Angelegenheit hingäben. An Herrn Leifert aber
richte ich schon hier die Bitte, uns fürderhin durch die P. P. in
der Entwicklung der Sache auf dem laufenden zu halten. Die
Kritik, die wir an seinem Standpunkte für das, was werden
soll, üben, wird ihn sicherlich nicht zurückschrecken.
l.
Laut Art. 143 der Reichsverfassung ist die Lehrervorbildung
nach den Grundsätzen der höheren Bildung zu regeln. Man faßt
das einstimmig dahin auf, daß die der Fachbildung voraus
gehende Allgemeinbildung des zukünftigen Lehrers auf einer der
bestehenden oder auf noch zu gründenden höheren Schulen er
folgen soll. Als solche Neugründungen gelten die sich nach Art
der bestehenden höheren Schulen auf die Grundschule auf
bauende neunklassige Oberschule und die sich auf den Ab
schluß der Volksschule aufbauende sechsklassige A u f b a u s ch u l e.
Hinsichtlich dieser beiden Schulen hegt Herr Kollege Leifert
ein zweifaches Bedenken.
1. Sie bleiben in ihren Erfolgen hinter den alten höheren.
Schulen zurück, und ihre Abiturienten finden nicht die Achtung
und die Berechtigungen wie die Absolventen des Gymnasiums,
des Realgymnasiums und der Oberrealschule.
2. Sie werden vorzüglich nur von solchen Schülern besucht
werden, die sich dem Volksschullehrerberuf zuzuwenden gedenken;
die Sondervorbildung unseres Standes wird also nicht behoben,
und die beiden höheren Schulen werden nichts anderes als ver
kappte Präparandien und Seminare sein.
Die Berechtigung dieser Befürchtungen wird an einer Reihe
von Tatsachen, von Beschlüßen und von Aeußerungen namhafter
Persönlichkeiten dargetan. Wir bestreiten i. a. nicht, daß das
von Herrn Leifert Befürchtete teils leicht zur Tatsache werden
kann. Nur ist es bei uns nicht in allen Teilen ein Befürchten,
sondern ein nüchternes Anschauen von Tatsachen,
die sich aus der Natur der Sache ergeben, die nicht so tragisch zu
nehmen sind, ja teils von uns begrüßt werden.
Der Ruf nach einer humanistischen Bildung, die
sich nicht vorzüglich auf die Griechen und Römer, sondern aufs
Deutschtum in Vergangenheit und Gegenwart
stutzte, ist nicht ganz neu. Gr ist seit Jahrzehnten von Männern
erhoben worden, die selber durchs lateinisch-griechische Gymnasium
gegangen sind und deren Urteil über die Möglichkeit einer deut
schen humanistischen Bildung wir vertrauen dürfen. Wir Lehrer
des breiten deutschen Volkes haben, einzelne unseres Standes
abgerechnet, stets solchen Gedanken zugestimmt. Es gab eine
Zeit, da war alle Bildung lateinisch; sie ist in zähem, jahrhun
dertelangen Kampfe überwunden worden. Dieser Sieg gibt uns
feite Zuversicht, auch einmal das Korsett des Altklassizismus von
der natürlichen Menschenbildung (lies Humanismus) abzustrei
fen und einen Bildungsgang zu schaffen, der im Griechischen und
Lateinischen nicht viel mehr sieht als tote Sprachen und vergan
gene und fremdländische Kulturzeiträume. Das deutsche Gym
nasium (Oberschule) betritt einen neuen, noch nicht eingefahrenen
und daher noch ungelenken Weg, während sich das lateinische
Gymnasium auf die Praxis und einen Entwicklungsgang von
fast zwei Jahrtausenden stützt.
Wer bis hier mit mir einig ist, der sieht mit mir die Rich
tigkeit des der Oberschule und der normalen Aufbauschule ge
steckten Zieles. Und nun gilt kein Bangemachen. Jetzt heißt es,
mit Klugheit und Tapferkeit auf das Ziel zu
steuern. Es wäre eine Schmach und Schande, wollten wir
Volksschulleyrer uns jetzt zurückziehen vor dem, was jahrzehnte
lang uns vorschwebt und was wir auch heute noch alles im
Prinzip richtig anerkennen, nur, weil uns im Augenblick
eine Beschränkung der Berechtigungen droht. Weitere Berech
tigungen müssen schrittweise errungen werden, aber weil sie uns
nicht sogleich geschenkt werden, dürfen wir doch nicht die Ober
schule und die Aufbauschule ablehnen.
Wir als Lehrer des deutschen Volkes haben ein vorzügliches
Jnteresie daran, diese Art der höheren Schule nicht nur für uns,
sondern der gesamten deutschen Bildung zu erkämpfen. Was
fchadet's da, wenn einige Jahre hindurch die Zahl der Lehrer
kandidaten unter den Ober- und Aufbauschulabiturienten über
wiegt über die der Studierenden von Jura und Medizin usw.!
Der Kampf um die Vollwertigkeil bleibt der Ober- und Aufbau
schule nicht erspart. Wenn wir es aber hauptsächlich
sind.dieihnausfechten, so wird man es uns
danken,solangeesinderWeltnocheindeutsches
Volk und eine deutsche Kultur gib t?)
Neben diesem im Lehrplan der neuen Anstalten begründeten
Moment verlangt noch ein zweiter Grund von uns Lehrern des
deutschen Volkes ein entschiedenes Eintreten für die Aufbau
schule, selbst auf die Gefahr hin, daß wir für uns persönlich
und für unseren Stand jetzt nicht das herausschlagen würden,
was auf anderen Wegen vielleicht möglich zu machen wäre. Die
Aufbausrhule ist die Schule, d»e die achtjährige Volksschule respek
tiert. Sie führt ihre Schüler zwar erst mit der Vollendung des
20. Lebensjahres zum Abiturium. Sie ist bestimmt für alle, die
nach vierjährigem Besuch der Grundschule den Anschluß an eine
*) Um Mißverständnisse ru verhüten, bemerke ich nachdrücklich, daß
ich durchaus kein Gegner des fremdsprachlichen, auch nicht des altsprach
liche» Unterrichts in der Ober- und Aufbauschule oin; aber er soll ibr
nicht »in und alles sein-

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