Full text: Pharus - 6.1915, Halbjahrband 1 (6)

Die Persönlichkeit und das Unpersönliche. 
Ihr Rangverhältnis in der Welt der Werte. 
Von Professor Dr. Sawicki, Pelplin. 
D ie Frage, ob im Persönlichen oder Unpersönlichen der höchste Wert zu suchen, 
ob die Persönlichkeit dem Unpersönlichen oder dieses jener überzuordnen ist, 
hat nicht bloß ein theoretisches, sondern auch ein weitgehendes praktisches Interesse. 
Die Stellungnahme zu diesem Problem bestimmt in der Metaphysik den Gottes 
begriff, und in der Ethik ist sie entscheidend für die Auffassung von den letzten 
Zielen des Lebens. In diesem Zusammenhang wird die Frage daher gewöhnlich 
behandelt, er ist es auch, der den Anlaß zu den folgenden Erörterungen gegeben hat. 
Wir vergleichen zunächst das Persönliche und Unpersönliche im Geistesleben 
selbst, um dann den persönlichen Geist der Welt sachlicher Werte gegenüberzustellen. 
persönlicher und unpersönlicher Geistesleben. 
Unter Persönlichkeit verstehen wir eine individuelle, für sich bestehende 
geistige Wesenheit. Setzen wir nun die geistige Natur voraus und fragen, was 
die persönliche Würde des Geistes begründet, so kommen als entscheidende 
Momente die Individualität und das Fürsichsein in Betracht. Diese 
beiden charakteristischen Momente finden sich in entsprechender Weise wieder, 
wenn wir vom ontologischen zum psychologischen Begriff, vom persönlichen 
Sein zum persönlichen Leben übergehen. Der In dividualität des Seins 
entspricht hier die des Denkens und Handelns. Dem Fürsichsein oder 
der Selbständigkeit des Wesens entspricht das Selbstbewußtsein und die 
Selb st macht des Geistes und die dadurch bewirkte Erhebung des eigenen 
Ich zum beherrschenden Mittelpunkte des geistigen Lebens. 
Daß diese beiden Momente Vorzüge bedeuten, daß das persönliche Leben 
dem unpersönlichen innerlich überlegen und die höhere Art das Geistesleben ist, 
läßt sich unschwer erweisen. 
Die individuelle Note im Leben ist besser als die einfache Herrschaft 
des allgemeinen unpersönlichen Schemas. Sie bezeugt, daß etwas von eigener 
Kraft und eigenem Wesen in der Lebensarbeit zum Ausdruck kommt. Sie führt 
ferner zu größeren Erfolgen, weil sie das Leben in Einklang mit dem Sein bringt, 
denn jedes Wesen hat seine besondere Eigenart, und es erreicht naturgemäß 
am meisten, wenn es sich entsprechend dieser Eigenart betätigt. So entsteht 
auch etwas Einzigartiges, Unnachahmliches. 
Das gilt aber nur, wenn das Persönliche nicht etwas Gekünsteltes und 
Angequältes, sondern wirklich ein Ausfluß des eigenen Wesens ist. Auch darf 
das Persönliche den Zusammenhang mit dem allgemein Typischen nicht verlieren. 
Wie sich in der Seinswelt die Einheit in der Mannigfaltigkeit behauptet und 
das Individuum den Arttypus nicht verleugnet, so soll sich auch im Leben die 
Individualität auf dem Boden der Art entfalten, sie soll nicht eine Verneinung, 
sondern eine Darstellung des Allgemeinen in besonderer Form sein. 
Pharus VI, Bd. 1, H. 4. 
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