Full text: Pharus - 6.1915, Halbjahrband 2 (6)

Rundschau. 
:: 187 :: 
unter altes Gold und Silber für 400 Mk. 
Mit ihren Ersparnissen zeichneten die 
Kinder zur Kriegsanleihe, an einer Ge 
meindeschule im Osten Berlins zum Bei 
spiel 3100 Mk., Schützengräben und La 
zarette find durch unsere Schüler mit 
Lesestoff versehen worden, die Aufklä 
rungen über die Volksernährung wurden 
von den Kindern in das Haus getragen 
und dort — namentlich von den größeren 
Mädchen — Praktisch angewendet. Das 
bisher brachliegende Land bebauen Schü 
ler und Schülerinnen unter Leitung der 
Lehrer mit Gemüse und Kartoffeln, um 
auch an ihrem Teile dazu beizutragen, 
daß wir für den Winter gerüstet sind. 
Und wer könnte die Strümpfe, die Knie- 
und Pulswärmer, die Kopfschützer und 
Leibbinden zählen, die unsere Mädchen 
den Kriegern gestrickt haben! Unzählige 
Spargroschen, oft mühsam erdarbt, sind 
auf diesem Wege ins Feld gewandert 
und haben unsere Siege gewinnen helfen. 
Die Bedeutung dieser Kriegshilfe liegt, 
wie im Juniheft des „Archiv für Päda 
gogik" zutreffend bemerkt wird, nicht nur 
in der geleisteten Arbeit und in den ge 
spendeten Gaben. Sie stellt zugleich die 
wirksamste Form staatsbürgerlicher Unter 
weisungen der Jugend dar, denn sie ist 
weitaus eindrucksvoller als alle theo 
retischen Belehrungen und Erörterungen. 
Indem sie auch dem unmündigen Kinde 
zum Bewußtsein bringt, daß wir alle, 
die wir Bürger dieses Vaterlandes find, 
unlöslich zusammengehören und fürein 
ander stehen, füreinander kämpfen und 
sorgen müssen, erzieht sie künftige Staats 
bürger, die das Bewußtsein: „Ueber 
alles das Vaterland!" in der empfäng 
lichsten Zeit ihres Lebens in die Tat 
umgesetzt haben. 
Mitteilungen. 
Den5chulunterrichtwährendderRrieg§dauer 
behandeln neuerliche Verfügungen des preußi 
schen Kultusministers. Darin ist u. a. ge 
sagt: „Zu meiner lebhaften Befriedigung ist 
es bisher fast überall gelungen, den Unter 
richt auch in den Volksschulen während der 
Dauer des Krieges aufrechtzuerhalten. Es 
hat den größten Wert, daß dies trotz der 
inzwischen durch vermehrte Einberufung von 
Lehrern zum Heeres- oder Sanitätsdienst 
noch gesteigerten Schwierigkeiten auch ferner 
hin und ausnahmslos geschieht." — „Muß 
die Unterrichtszeit gekürzt werden, ist für 
rechtzeitige Sichtung und Beschränkung der 
Stoffpläne zu sorgen. Ueberall ist genügend 
Raum zu schaffen, um die großen Zeitereig 
nisse für Erziehung und Unterricht zu ver 
werten, die Schuljugend auch über die wirt 
schaftlichen Notwendigkeiten der Gegenwart 
innerhalb ihres Gesichtskreises aufzuklären 
und durch sie nach Möglichkeit auch bei ihren 
Angehörigen den opferfreudigen Willen zu 
erfolgreichem Durchhalten zu stärken. — Wo 
Ortsschulinspektoren es ermöglichen können, 
eine Anzahl Unterrichtsstunden regelmäßig 
zu übernehmen, ist diese dankenswerte Aus 
hilfe überall willkommen, besonders in der 
Schule ihres Wohnortes, wenn diese eines 
Lehrers entbehren und von entfernteren Nach 
barorten mit Vertretung versorgt werden muß." 
Die Kinderarbeit im Deutschen Reich. 
Nach der jüngsten Zusammenstellung des 
Statistischen Amtes waren im Jahre 1913 
insgesamt 120831 gewerbliche Betriebe mit 
mindestens 10 Arbeitern vorhanden, die jugend 
liche Arbeiter beschäftigten. Ihre Gesamt 
heit betrug 571006 gegen 552204 im Vor 
jahre. Von ihnen waren unter 14 Jahren 
8008 (7780) Knaben und 6158 (6133) Mäd 
chen. Die jugendlichen Arbeiter von 15 bis 
16 Jahren bestanden aus 376481 (358327) 
Knaben und 180359 (179 964) Mädchen. In 
der Textilindustrie waren 30,9 v. H. aller ge 
werblich beschäftigten Kinder unter 14 Jahren 
tätig, in der Metallverarbeitung 10,9, in der 
Reinigung nur 0,3 v. H. Auf einen Betrieb 
kamen im Durchschnitt 4,7 jugendliche Arbeiter. 
vücherschau. 
In dieser Abteilung werden Neuerscheinungen nach 
Anlage, Inhalt und Richtung kurz gekennzeichnet. 
Eine Uebersicht über den weiteren Schriften--Einlauf 
bietet die Jnseratenbeilage. 
pädagogische Theorie und Praxis. 
Budde, vr. Gerhard, Die Weiterführung 
der Schulreform auf nationaler 
Grundlage. Langensalza,Beyeru.Söhne. 
1913. IV, 121 S. Mk. 3,20. 
Zukunftsmnsik ist es, was Budde uns 
in diesem Buche vorspielt. Die preußische 
Schulreform vom Jahre 1900 erscheint ihm 
unzulänglich. Er hätte tiefer eingeschnitten 
in den Leib unseres höheren Schulwesens. 
Die Bedeutung des Lateinischen läßt er noch 
gelten; hier teilt er den Standpunkt Paulsens, 
den dieser in seiner Pädagogik vertritt. 
Aber die Gestaltung des griechischen Unter 
richts ist ihm ohne Einfluß auf die Ent 
wicklung der Kultur. Darum weg mit dem 
Griechischen als Zwangsfach, dafür wahl 
freien griechischen Unterricht! Daß der Di
	        

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