Full text: Pharus - 7.1916, Halbjahrband 1 (7)

Rundschau. 
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Rahmen des Schulunterrichts; dagegen fallen das rein exerziermäßige Neben und 
das Schießen erst dem Dienste im stehenden Heere zu. 
6. Die zu den Uebungen nötigen Einrichtungen (Spielplätze, Räume, insbesondere 
Turnhallen und Geräte) müssen in genügender Zahl und Größe zur Verfügung 
stehen. Zur Teilnahme an den Uebungen ist allen Jugendlichen ausreichende Zeit 
zu gewähren und gesetzlich festzulegen. 
7. In den Grundlagen müssen das Schul-, Heeres- und Vereinsturnen möglichst 
übereinstimmen. Die Tätigkeit aller Vereine für leibliche Erziehung ist wirksam 
zu fördern. 
Daraus ergeben sich folgende Forderungen: 
A. Für das nicht wehrpflichtige Alter: 
8. Für alle Volks-, Mittel- und höheren Schulen beider Geschlechter: a) als 
unumgänglich notwendig wöchentlich ein schul- und schulaufgabenfreier Nachmittag 
für Leibesübungen in freier Luft (Spiele, volkstümliche Uebungen, Märsche, Ge 
ländeübungen, Schwimmen, winterliche Leibesübungen), b) wöchentlich drei Turn 
stunden, die für jede Klasse, d. h. für höchstens 60 gleichzeitig Turnende, allein 
vorzunehmen sind, c) eine Mindestzahl von Wanderungen, und zwar sowohl Tages- 
wie Halbtagswanderungen, d) verbindlicher Schwimmunterricht, e) Wettkämpfe und 
Wettspiele, f) Ferienwanderungen und Ferienspiele. 
9. Für alle Jugendlichen im Fortbildungsalter: Verbindlicher Turnunterricht 
als Fach unter sachkundiger Leitung mit wöchentlich mindestens einer Turnstunde 
und einem freien Nachmittag für Leibesübungen in freier Luft. 
10. Für das Lehrerseminar: a) wöchentlich drei Turnstunden, b) wöchentlich ein 
freier Nachmittag für Leibesübungen in freier Luft, c) eine genügende Anzahl von 
Märschen zur Ausbildung des künftigen Leiters der Wehrvorbereitung, die durch den 
Heeresdienst ergänzt werden muß. 
6. Für das wehrpflichtige Alter: 
11. Für die Jungmannen im wehrpflichtigen Alter von 18 Jahren bis zum 
Eintritt ins Heer: a) Vorbereitung auf den Wehrdienst durch zweckdienliche Ver 
anstaltungen der Heeresleitung, b) wirksamste Förderung der Teilnahme an Turn-, 
Spiel- und Sportvereinen, c) besondere Ausbildungskurse für die Uebungsleiter. 
12. Für die Hochschulen: a) ausreichende Gelegenheit zum Turnen, Spielen, 
Rudern und Schwimmen, b) Vorlesungen über das gesamte Gebiet der leiblichen 
Erziehung. 
Gegen Schundbuch und Schundkino. 
Unter dem Titel „Schundbuch und Schundkino im Urteil jugend 
licher Gefangener" berichtet Anstaltslehrer Kurt Wittig aus Bautzen im 
Aprilheft der „Neuen Bahnen" über psychologisch wie pädagogisch gleich interessante 
Erfahrungen, die er bei seinen Zöglingen sammeln konnte. Er stellt die allgemeine 
Bemerkung u. a. an die Spitze: „Wie viele Eltern kümmern sich darum, was ihre 
Jungen lesen und sehen? Und in wieviel Schulen bildet die Einführung in die 
Kunst des Lesens, die Ueberwachung des Lesens der Bibliotheksbücher und die 
Einführung in das Verständnis für echte Kunst einen wesentlichen Teil der Schul 
arbeit? Und doch steht es fest, daß der Schwerpunkt im Kamps gegen den Schund 
in Schrift und Bild in der Ausrüstung der Jugend liegt, darin, daß ihre Urteils 
fähigkeit, ihr Geschmack und Wille gebildet werden."
	        

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