Full text: Pharus - 7.1916, Halbjahrband 2 (7)

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Pharus VH, Bd. 2, H. 7. 
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Sie Lrziehungsprobleme im Lichte der monistischen 
weitanschanung. 
von k. Friedrich Klinike, 8^ ^., München. 
sCtfta seit der französischen Revolution haben sich verschiedene einander verwandte 
^ Geistesströmungen zu einem großen Ganzen zusammengeschlossen, um der christ 
lichen Weltanschauung eine neue, sogenannte moderne Weltanschauung gegenüber 
zustellen. Diese neue Weltanschauung, die aus dem Materialismus, Positivimus 
und Empirismus ihre Kräfte sog, will nur auf den Tatsachen der positiven oder 
Erfahrungswissenschaften beruhen und alle übersinnlichen, transzendenten Elemente 
grundsätzlich ausschließen. Die ganze Welt erscheint ihr als eine in sich geschlossene, 
in sich begründete Einheit, als die Allnatur oder der Allgott, der in der Welt 
lebt, wirkt und sich zu immer höherer Vollkommenheit entwickelt. Es ist die Welt 
anschauung der reinen Diesseitigkeit, die im modernen Monismus ihre einheitliche 
Losung und in der monistischen Bewegung (Monistenbund) ihren äußeren sozialen 
Ausdruck gewonnen hat. Und wenn auch diese Weltanschauung in einigen ihrer 
Richtungen noch die Notwendigkeit eines überempirischen, metaphysischen und reli 
giösen Abschlusses anerkennt, so stellt sie es doch als ihre wesentliche Forderung 
hin, daß dieser Abschluß nicht in einem von der Welt verschiedenen, allmächtigen, 
bewußten und persönlichen Gotte, wie ihn der christliche Glaube und die christliche 
Philosophie lehrt, gesucht werden darf. Der transzendente Urgrund, der die Man 
nigfaltigkeit des Weltgeschehens und des Menschenlebens wie aus einem Quell 
aus sich entläßt und wieder zu sich als seinem Ende zurückführt, ist nichts anderes 
als das gemeinsame, nur annäherungsweise erkennbare Wesen der Welt selbst, im 
günstigsten Falle ein umfassender, dem Stoffe innewohnender Geist, der, unpersönlich 
und unbewußt, erst im Menschenhirn und Menschengeist zur vollen Entwicklung 
als Bewußtsein erwacht. Und dieser Monismus will nicht nur einheitliche Welt 
erkenntnis sein. Eine neue, einheitliche Lebensanschauung ist es, die er begründen 
und ausgestalten will. Daher zieht er den gesamten Umfang der praktischen Lebens 
aufgaben in den Kreis seiner Lehre und seiner praktischen Reform. Ethik und 
Religion, gesellschaftliches und staatliches Leben, Schule und Erziehung sollen von 
seinem Boden aus eine neue Begründung, Bewertung und Ausgestaltung erhalten. 
An diesem Orte wollen wir untersuchen, welche Stellung der moderne Monis 
mus den Gesamtproblemen und Aufgaben der Pädagogik gegenüber einnimmt. Ist 
doch die Pädagogik als Wissenschaft von der Erziehung und Ausbildung unserer 
Jugend immer eine der wichtigsten Menschheitsaufgaben gewesen. Von der Er 
ziehung der Jugend hängen zum größten Teil Wohl und Wehe der ganzen Gesell 
schaft, hängen Sittlichkeit und Recht, Gesellschaft und Staat sowohl in ihren inner 
sten Triebfedern als auch in ihrer äußeren, finnenfälligen Ausgestaltung wesentlich
	        

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