Full text: Pharus - 8.1917, Halbjahrband 1 (8)

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Bücherschau. 
ein ganz hervorragender Vertreter der modernen Psychologie, zeigt gerade an dem 
Willensproblem die Unfähigkeit der Psychologie als bloßer Bewußtseinsanalyse, dasselbe 
befriedigend zu lösen. Diese geforderte metaphysische Vertiefung der Psychologie bietet 
uns die Scholastik. Der ganze umfangreiche Fragenkomplex, der sich um das Willens 
problem gruppiert, wird von Beßmer in ausgezeichneter Weise behandelt. Gerade an 
dem kritischen Punkt des Willensproblems zeigt sich die metaphysisch orientierte Auf 
fassung der Scholastik in ihrer ganzen Ueberlegenheit über die bloße Bewußtseinspsycho 
logie. Wie kläglich erscheinen die widerspruchsvollen Ausführungen Meumanns über 
den Willen gegenüber der Klarheit der Auffassung und der Zielsicherheit der Unter 
suchung, wie sie uns bei Beßmer entgegentritt. Nur die Scholastik, welche eine sub 
stanzielle Seele als Träger des gesamten Bewußseinslebens anerkennt, vermag der 
fundamentalen Tatsache eines unser Bewußtsein und Handeln einheitlich beherrschenden 
Wollend gerecht zu werden. Nur wenn der Wille beherrschendes Prinzip im Seelen 
leben ist, vermag er die Sinnlichkeit unter die Herrschaft des Geistes zu beugen. Vom 
Standpunkt der bloßen Bewußtseinspsychologie aus hat es keinen Sinn, von dem Ein 
fluß des Willens auf das sinnliche und geistige Erkennen oder auf das sinnliche Be 
gehren zn handeln. Aber nur unter dieser Voraussetzung hat es einen Sinn, von Er 
ziehung des Willens oder, wie Beßmer sich ausdrückt, zum Wollen zu reden. Beßmers 
Schrift enthält eine Willens-Psychologie und Pädagogik aus der sicheren Basis der 
christlichen Weltanschauung. Im Interesse einer gediegenen Willenspflege ist die Not 
wendigkeit des religiösen Faktors für die Willenserziehung im letzten Kapitel ausführlich 
nachgewiesen. Dr. M. Lechner, Donauwörth. 
Sprechstelle der Redaktion. 
Kn die Abonnenten: Unbeirrt durch die zahlreichen technischen Schwierigkeiten und 
durch die immer größeren Mehrkosten der Rohmaterialien hat die Pädagogische Stiftung 
Cassianeum den „Pharus" durchgehalten, um ihrer Aufgabe getreu bleiben zu können, 
in ihm einen Leuchtturm aufzurichten, der über die Bestrebungen und Ergebnisse 
pädagogischer Forschung und Erfahrung orientiert und in die treibenden Ursachen der 
Neuerscheinungen das Licht der Kritik leuchten läßt. Diese Orientierung ist auch durch 
den Krieg nicht entbehrlich, im Gegenteil notwendiger geworden. Stimmen der Presse 
und einzelner Fachleute hat unsere Arbeit freundlichst gewürdigt; ein ansehnlicher Mil 
arbeiterstab aus Kreisen der Volksschule bis hinauf zur Universität unterstützt uns. Für 
das kommende Halbjahr ist unsere Redaktionsmappe mit zeitgemäßen Artikeln versehen 
und andere wichtige Themen sind in Bearbeitung gegeben. Werden unsere Abonnenten 
uns auch fernerhin die Treue halten und dadurch zur Förderung der katholischen Pädagogik 
auch in schwerer Kriegszeit beitragen? Darauf vertrauen wir und dieses Vertrauen 
erleichtert uns die sorgenvolle, verantwortliche Arbeit. Möchte doch jeder unserer ver« 
ehrlichen Abonnenten in seinen Bekanntenkreisen durch ein empfehlendes Wort zu ge 
eigneter Zeit für „Pharus" werben. 
Herausgegeben von der Pädagogischen Stiftung Cassianeum in Tonauwörtd. 
Verantwortlicher Chefredakteur: Josef Weber in Donauwörth. 
Redakteure: 
Dr. Anton Luible, Dr. Matthias Lechner, 
Stadtpfarrprediger in Friedberg (Bayern.) Anstaltsgeistlicher und Religion-lehrer in Donauwörth. 
Druck und Verlag der Buchhandlung Ludwig Aner (Pädagogische Stiftung Cassianeum) in 
Donanwörrh. 
Alle nicht anders verabredeten Einsendungen an: Redaktion des Pharns, Tonauwörth, Cassianeum. 
Für Manuskripte, die nicht im ausdrücklichen Einvernehmen mit der Redaktion eingesandt werden, wird 
iede rechtliche Haftung abgelehnt. Nachdruck sämtlicher Beiträge im Hauptteil ohne vorausgehende Ab 
machung mit der Redaktion untersagt.
	        

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