486 Ueber die Bedeutung der reflexen und direkten Akte für das religiöse Leben.
Ueber die Bedeutung der reflexen und direkten Akte
für das religiöse Leben.
(Mit besonderer Beziehung zur Frage der liturgischen Kommunionfeier.)
Von Dr. R. Guardini, Mainz.
3 n einem seiner' Aufsätze über „Die Seelsorge nach dem Kriege" 1 bringt
Dr. O. Drinkwelder einige Bemerkungen über die reflexen und direkten
religiösen Akte. Das Problem ist so bedeutsam, daß es eingehender be
handelt zu werden verdient. Es soll hier zuerst für sich selbst, dann in
seiner Beziehung zur Liturgie, und zwar besonders zur liturgischen Kom
munionfeier erörtert werden.
1.
Vor allem müssen die Typen des reflexen und des direkten
religiösen Aktes gegeneinander abgegrenzt werden. Das geschieht
wohl am besten an einem konkreten Fall. Ein re fl ex er Akt des
Glaubens ist in der Formel enthalten, mit der meistens „die Tugend des
Glaubens erweckt" wird. In ihm besinnt sich der Gläubige darauf,
daß er glaubt; er macht sich klar, worauf dieser Glaube begründet ist,
und formuliert die Tatsache der so bewußt gewordenen Ueberzeugung in
einer an Gott gerichteten Beteuerung. Dieser ganze Akt ist „reflex", das
heißt er stellt in seinem Kern eine Selbstbesinnung und eine Formulierung
ihres Ergebnisses dar. Anders ist das psychologische Verhalten, wenn der
Gläubige etwa Christi Erlöserliebe erwägt und in ein Lied oder Gebet
des Dankes ausbricht. Auch darin ist Glaube, nnd zwar kann er nach
Sicherheit der Zustimmung wie nach Reichtum des Inhalts vollkommen
sein. In seiner Struktur ist dieser Glaubensakt aber von dem oben be
schriebenen verschieden. Das religiöse Subjekt reflektiert nicht auf sich
und die Tatsache seiner Gläubigkeit; es schaut vielmehr unmittelbar aus
Gott, und spricht den Inhalt seines Glaubens in der Form des Dankes
und der Anbetung aus. Das ist ein „direkter" Glaubensakt. Das
Subjekt ist sich nicht — oder nicht notwendig — der Tatsache bewußt,
daß es glaubt, gerade weil es ganz im Glauben lebt, weil seine Auf
merksamkeit ganz vom Gegenstand des Glaubens absorbiert ist. Und es
weiß um so weniger von ihr, je ungeteilter und tiefer es in seinen Gegen
stand eingegangen ist.
2
Aus dieser Kennzeichnung ergibt sich von selbst, was beide Verhaltungs
weisen im Gesamtkomplex des religiösen Lebens bedeuten.
Das normale religiöse Leben vollzieht sich offenbar in direkten
Akten. Nach dem psychologischen Grundgesetz des Bewußtseins kann ein
Salzburger Kirchenzeitung.