Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 36.1923 (36)

(Degen öes Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen 
Nx. \ 
56. Jahrgang 
6. Januar (925 
Inhaltsverzeichnis: Schmitz. Reujahrswunsch S. I. Eggersdorfer, Welt 
anschauung uns Erziehungswissenschaft 5. I. Rlleinekr, Au den Richlinien 
S. 3. päd. Rundschau: Entpolitisierung der Schule. Nus der Seit: 
Unterschriftensammlung z. Kanf. Schule. Besoldung. VezirKslehrerrat Düssel 
dorf. Münster. Kleine Mitteilungen, amtliches (Preußen): Richtlinien 
für Lehrpläne. Kutrückungsslellen. Versetzung von hilssschulleh^ern. 6n- 
rechnung von prioatschuloienst. Schwimmlehrerinnen. Turnlehrerinnen- 
prüfung. (Soch'en) Vergütung für Überstunden. Aus unserm verein: 
Zeitschrift, veitrag. prioatlehrerinnen. 6usscküsse: volksschulanqelegen- 
heiten, Staatsbürgerliche Fortbildung, Jugendpflege, Erziehung nicht nor- 
nraler Kinder, Vereinskalender. Stellenvermittlung. 
Zum neuen Jahr. 
als Ganzes ihn aber kräftigen und feine gesunden Zweige um so 
lebensvoller mit ihm verbinden. 
Per aspera ad astra, durch Bitternis zu den Sternen! Var 
sei der Wunsch, den ich unserem Verein und allen seinen lieben Mit 
gliedern für das düster beginnende Jahr 1923 von Herzen ausspreche. 
Maria Schmitz, 
I. Vorsitzende des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen. 
Weltanschauung und Erziehungswissenschaft. 
Festrede zur Eröffnungsfeier des Instituts für wistensLaftliche Pädagogik 
in Münster t. VO., von Dr. $r. X. Eggerrdorfer, Passau. 
Jahre voll größter Schwierigkeiten für das vereinsleben liegen 
hinter uns. Die Kriegszeit drohte es mit ihrer Arbeitsüberlastung, 
ihrer Verkehrs- und Nahrungsmittelnot vollständig lahmzulegen. 
Dann folgte die Abtretung blühender Bezirks- und Aweigveremr, 
die Besetzung großer Gebietsteile mit den daraus folgenden Er 
schwerungen der Versammlungen, dann die ständige Geldentwertung 
mit ihrem Steigen der Druck- und Verkehrsmittelpreise, der An- 
gestevtengehLlter und Saalmieten. Sie ließ in den letzten Jahren 
die sorgfältigste Beitragsfestsctzung durch die Mitgliederversammlung 
stets hinter der Entwicklung zurückbleiben. Schulden, lästige Nach 
forderungen und Bitten um Notopfer waren die Folge. Und eben 
jetzt hat durch die rasende Preissteigerung der letzten Monate das 
Übel einen Höhepunkt erreicht. Unsere Heime sind wie alle der 
artigen Anstalten in der größten Sorge um ihr Dasein. Und die 
Vereinshauptkaffe, in der im August dieses Jahres der Fehlbetrag 
der früheren ausgeglichen war, steht sich am Ende vor Millionen 
Schulden. Und trotzdem dürfen wir hoffen, daß wir auch die jetzigen 
Schwierigkeiten wie die früheren besiegen werden dank der Treue 
unserer Mitglieder, dank der Einsicht in die Notwendigkeit des Zu 
sammenschluffes zur Verwirklichung unserer Standesforderungen und 
zur Verteidigung der christlichen Erziehungsgedanken. Diese vorbild 
liche Treue, dieser große vereinsintereffe haben auch jetzt wieder 
eine große Zahl von Mitgliedern gezeigt, die den Betrag für die 
Zeitschriftenumlage umgehend einschickten. Ihnen ein herzliches ver- 
gelt's Gott. Alle aber sind gebeten, ihrem verein auch in den gegen 
wärtigen Schwierigkeiten die Treue ungeschmälert zu erhalten, alle 
mögen mitopfern und auch mitdenken. 
Es ist immer etwas Mißliches, den vereinrbeitrag nicht durch 
die Mitgliederversammlung, sondern durch einen von ihr ermächtigten 
Ausschuß festsetzen zu laffcn. An Tadeln seiner Beschlüsse wird es 
sicher nicht fehlen. Die einen werden ihn zu hoch finden, die anderen 
seine Staff'.lung, die vierteljährliche Festsetzung oder viermalige Ein 
ziehung angreifen. Für die Äußerung solcher Gedanken ist die 
vereinslcitung sehr dankbar, namentlich, wenn sie mit bestimmten 
Vorschlägen, wie es anders zu machen wäre, verbunden sind. Am 
besten ist, wenn solche Anregungen gleich im kleineren Kreis erwogen 
werden und sich dann zu einem Antrag an die nächste Mitglieder 
versammlung verdichten. Diese Art der Mitarbeit ist es und recht 
viel Gpferberertschaft, die ich von allen lieben Vercinsschwestern 
erbitte. Dann werden wir auch die gegenwärtigen Vereinsnöte 
überwinden. Die Stürme, die zur Zeit am vereinsbaum rütteln, 
werden vielleicht hier und da ein welkes Blatt von ihm trennen. 
Das Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster ist, wie 
alles organisch Gewordene, fast unbemerkt entstanden. Dir können 
den Zeitpunkt des ersten Keimens nicht angeben. Aber soviel wiffen 
wir, daß aller Leben, das dem jungen Sprößling eigen ist, aus 
einem einheitlichen Ethos kommt, aus der Gestnnungseinheit katho- 
lischer Erziehungsintereffenten in Deutschland. Dem Fortbildungr- 
eifer der katholischen Lehrerschaft Westfalens ist es Krönung und 
Lohn geworden, daß das Saatkorn dieses jungen Wuchses gerade 
in die Münstersche Erde fiel. Aber es ist nun schon eine geraume 
Zeit, daß dar Gedeihen des pädagogischen Institutes hier nicht mehr 
bloß eine westfalische Sorge ist. Aus dem ganzen Vaterland ist dem 
jungen pflänzlein Negen und Sonnenschein zugekommen; denn Regen 
und Sonnenschein sind ihm alle Gpfer, alle Mühen, alle fördernde 
Teilnahme geworden, die für das werden des Instituts aus dem päd 
agogischen Eros katholischer Lrziehungsfreunde entsprangen. Müßte 
so da; junge Institut sein Bestehensrecht neben älteren Einrichtungen 
dieser Art erst durch das Aufzeigen einer Eigenart rechtfertigen, so 
glaube ich durchaus die Meinung seiner Gründer zu treffen, wenn 
ich es vor dieser festlichen Öffentlichkeit sprechen laffe: Ls will ein 
katholisches Institut sein, katholisch nicht im Zinne irgendeiner Lage 
oder Ausschließlichkeit, aber katholisch im Sinne innerer Geschloffen- 
heit, hier in Münster soll eine warte wissenschaftlich-pädagogischen 
Forschens er stehen, eine Arbeitsstätte erziehungrkundlichen Lernens 
und Lehren;, die jede ernsthafte Erscheinung im pädagogischen Leben 
mit der Ehrfurcht der Sachlichkeit aufnimmt, und die ihren eigenen 
Erkenntnisgewinn der gleichen sachlichen Würdigung unterstellt. Aber 
Aufnahme, wie Verarbeitung und Weitergabe werden aus der Grund--' 
läge erfolgen, die wir als Felsgrund erkannt und erlebt haben, auf 
der Grundlage christlich.katholischer Weltanschauung. Alle 
Unsicherheit philosophischer Relativität soll unserer Institutsarbeit 
ferne bleiben. Es soll für sie nur ein Bezugssystem geben: das 
der begründeten und anerkannten katholischen Wahrheit. 
Ich glaube nicht, daß eine derartige Einstellung auf eine Welt 
anschauung als Leziehungspunkt der wiffenschaftlichen Arbeit in einem 
Spezialgebiet noch auf ein Bedenken in den Kreisen der wiffenschaft 
stoßen wird. Daß man etwa in einem solchen Bekenntnis das Ein 
geständnis der Voreingenommenheit, ja sogar der Unwiffenschaftlich- 
keit sehen wollte. Nur unsachliche Leidenschaft konnte je solche vor 
würfe erheben. Die ernste Forschung aber — mag sie zu der oder 
jener Richtung wie nur immer stehen, — sieht er jederzeit als eine 
Förderung ihrer Zwecke an, wenn sich die wiffenschaftlichen Arbeiter 
in Schulbildungen um einen festumschriebenen Elkenntnisbestand
	        

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