Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 36.1923 (36)

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und, wenn in Süddeutfchland eine große Lehrerinnenverfammlung tagte, 
wurden wir vorarlbergerinnen bei der Einladung nie übersehen. So kamen 
wir zusammen in Sigmaringen, so sollen wir uns an Pfingsten auch in 
Stuttgart finden. Über nicht genug, Fräulein Schmitz beehrte uns schon 
zweimal durch ihren lieben Besuch und durch einen glänzenden Vortrag. 
Und der Ostermontag führte uns Vorarlberger Lehrerinnen in einer glanz, 
vollen Tagung in Bregenz zusammen. „Lehrgang in der weiblichen Jugend 
pflege" ist dar Programm überschrieben, und wir finden darauf Referentinnen, 
deren Name und Tüchtigkeit, bewunderungswürdige Schaffenskraft und 
Schaffensfreude uns teils von Sigmaringen her, teils aus der Wochenschrift 
bekannt sind, was Wunder, wenn sich ihrer Führung der Großteil unserer 
Vorarlberger Lehrerinnen unterstellte, wenn die Herren Schulinspektoren, 
ja sogar der hochwürdigste Bischof und der Landeshauptmann durch ihre 
Vertreter mit wärmstem Interesse dem Lehrgänge folgten! Die Namen 
Stoffels, heinen und wiederholt haben seither bei uns einen noch besseren 
Klang. Die Notwendigkeit einer systematischen Jugendpflege fühlen auch, 
wir in Vorarlberg, wenn schon das Industrieleben bei uns in keinem 
Verhältnis steht zu dem Norddeutschlands, so müssen wir bei unserer weib 
lichen Jugend doch von Jahr zu Jahr mehr das versinken in krassen Ma- 
terialismus, in Genußsucht, das Schwinden der Ideale und des Geschmackes 
an Häuslichkeit feststellen. Ja, man mächte meinen, der Begriff von echter, 
schöner Weiblichkeit sei für eine Großzahl von Jugendlichen überhaupt ver 
loren gegangen. Ls ist ja auch hier schon manches zur Rettung dieser 
entschwundenen Güter geschehen durch Kongregationen und Arbeiterinnen- 
vereine, aber es wurde nicht so großzügig gearbeitet, wie es durch die 
Jugendpflegebewegung in Deutschland geschieht. Der Lehrgang in Bregenz 
hat uns nun klaren Einblick gewährt in das, was uns auf dem Gebiete 
der Jugendpflege eint, und was uns trennt. 
Im ersten vortrage zeigte Fräulein Rektorin Stoffels aus Berlin die 
Ziel« und Wege der weiblichen Jugendpflege. Fräulein wiederholt aus 
Hannover zeichnet« mit bewunderungswürdiger Sicherheit, die nur lang 
jähriger, reicher Erfahrung entspringen kann, die Psyche des Mädchens in 
den sogenannten Rätseljahren und die damit bedingte Fübrung. über die 
Frage, wie in unserer glaubensarmen Zeit das religiös-sittliche Leben der 
weiblichen Jugend gepflegt werden soll, sprach h. h. volksbildungsreferent 
Dr. Metzler. Fräulein heinen aus Barmen führte in ihrem vortrage aus, 
daß Lebenskunde der Kern der weiblichen Jugendpflege fein müsse. 
Einen würdigen Abschluß des ersten Tages bildete ein Famtlienabend 
mit reichem Programm, welchen der katholische Frauenbund „Guta" zu 
Ehren der Lehrerinnentagung veranstaltete und den Herr Landeshauptmann 
Dr. Ender durch seinen Besuch auszeichnete. Fräulein Rektorin Stoffels 
sprach bei dieser Gelegenheit über die Gesinnungsgemeinschaft der Vorarl 
berger und reichsdeutfchen Lehrerinnen, über die Volksgemeinschaft der 
deutschen Volksstämme in schwerer Zeit und über die Gemeinschaft, welche 
die katholischen Frauen aller deutschen Gaue unter dem Banner des Frauen 
ideals der Gottesmutter verbindet. Ls darf wohl als schlagender Beweis 
für den glänzenden Verlauf des ersten Kurstages angesehen werden, daß 
am Dienstag die Reihen der Zuhörerschaft selbst durch Richtlehrerinnen 
aus allen Teilen des Landes erweitert wurden, Herr Jefuitenpater peitz 
aus Feldkirch sprach in fesselnder weise über „Die soziale Stellung und 
über die soziale Aufgabe der katholischen Lehrerin vom Standpunkte christ 
licher Weltanschauung". 
Endlich kamen noch Arten und Lehrpläne der Mädchenfortbildungs. 
schulen Deutschlands zur Sprache (Frl. wiederholt). An diesen Vortrag 
knüpfte sich eine rege Wechselrede, welche die Verhältnisse und Erfahrungen 
in Vorarlberg beleuchtete. Per bestehen zwar an manchen Orten Mädchen 
fortbildungsschulen. Sie stecken aber noch in den Kinderschuhen, und es 
treten ihnen vielfach Schwierigkeiten entgegen. Als solche betrachten die 
Lehrerinnen hauptsächlich den Umstand, daß sie nicht obligat sind und ihnen 
ein systematischer Lehrplan abgeht. Einzelne Lehrerinnen haben es auch 
hier schon durch zähe Ausdauer, allen Hindernissen zum Trotz, zu einer 
Schulküche gebracht. Line von ihnen bewirkte die Umwandlung eines 
Schulkellers in eine Schulküche. Eine andere wußte sich den Unterhalt der 
Schulküche durch Sammlungen in der Gemeinde zu beschaffen. Am Nach 
mittag zeigte Frl. Anna Gähner, Haushaltungslehrerin im Institut Marien 
berg bei Bregenz, wie sie sich den haushalrungsunterr'ichl an den Mädchen- 
fortbildungrschnlen denkt. Einen passenden Abschluß des Lehrganges bildete 
die Besprechung und Einübung altdeutscher Volks» und Kinderspiele durch 
Frl. seinen. So haben wir denn alle, ausgerüstet mit neuen Anregungen, 
mit neuer Berufs- und Schaffensfreude, unser Arbeitsfeld wieder bezogen 
und wissen nur Worte der Anerkennung und des Dankes fllr die drei 
Damen aus Deutschland, die ihre Ferien opferten, um aus weiter Ferne 
herbeizueilen und uns so schöne und lehrreiche Tage zu bereiten. Mit den 
Gefühlen des Dankes verknüpfen wir das stille hoffen auf baldiges Wieder 
sehen am Bodensee. 
Im Namen der Lehrerinnensektion des katholischen Lehrervereins in 
Vorarlberg die Schriftführerinnen: Mechtild Köhler und Erika Frcitz. 
Bezirks- und Zweigvereine. 
Coölenz. Ls hat sich eine „Dpfergemeinschaft der Lehrer und Lehre 
rinnen des Kreises Loblenz Stadt und Land" gebildet, die den Zweck hat, 
für die Mitglieder im Todesfälle einen Beitrag zu den Begräbniskosten zu 
leisten. Das Eintrittsgeld ist gestaffelt nach dem Lebensalter und beträgt 
1500 Ji aufwärts bis 5000 Ji. Der Beitrag wird von der Gesamtoerwallung 
festgesetzt und wird sich in der höhe von 1000-1500.4 nach dem jetzigen 
Valutastand bewegen. Da er unmöglich war, eine allgemeine Mitglieder 
versammlung zur endgültigen Festsetzung der Statuten einzuberufen, wurden 
*ie Statuten schriftlich weitergegeben. Der Termin zur Anmeldung endigt 
am 1. Juni. Nach diesem Termin ist der Eintritt erschwett. wer noch nicht 
beigetteten ist, möge unverzüglich seinen Beitritt schriftlich erklären bei den 
Vorsitzenden der einzelnen Vereine. Cs wird dringend gebeten, die ver. 
einigung nicht nur vom Standpunkte des eigenen Nutzens, sondern in erster 
Linie als freudige Bereitschaft zur Mithilfe Kollegen und Kolleginnen geaexv 
über aufzufassen. - Der Beitrag für das zweite Vierteljahr beträgt ei^ 
schließlich des Beitrags für Beziks- und Karttaskasse 2800 j(. wir bitter, 
ihn unverzüglich an unsere Sammlerin Frl. Zimmermann, Toblem. Babeuf 
zollernstroße 52, einzureichen. 1 
6ffen. Be=Bei. wer keine Satzungen erhallen hat, die gleichzeitig 
als Aufnahmeschein und Mitgliedsausweis gelten, möge sie bei Frl. Austen 
Steelerstr. 7, abholen. Zusendung durch Post kann nicht erfolgen. (Porto.) 
Bei Nichtausfertigung wende man sich an Frl. Breuer, Savignnstr. 74. An 
die drei Umlagen für April, je 500 .4 (Hilfe 300000 Jt), wird nochmals 
erinnert. Mai. erster Sterbefall, 500 M, bis 12. Juni zu erledigen, dann 
Einziehung durch die Post. 
Gffenburg. wegen Besetzung Beitrag für das 2. Ouartal - 3000.4 - 
nicht mehr an Frl. Tonoli in Gffenburg, sondern au Frl. Hedwig Jäger in 
Gegenbach einsenden. Anmeldungen zur neuen Krankenkasse find an Frl. 
M. Borho, Gffenburg, Friedrichstraße, zu richten. 
Nhesnpsalz. Die Wochenschrift kostet für die Pfälzer Beziehe, 
rinnen für das erste Vierteljahr 410 M, für das zweite viertel, 
jähr 1350.4, als portoentfchädigung erbitte ich 5 Jt, die Kaffe 
wird fönst zu sehr belastet. Bitte den Betrag sofort an mich zu 
senden und mir eine nochmalige Anforderung, die zu Lasten der 
Säumigen geht, zu ersparen. 
h. Feilerroll, Frankenthal, Rheinstr. 38. 
vereinrkalender. 
Frankfurt a. ttl. Samstag, 9. 6. 5J4 Uhr: Englische Fräuleinfchule, 
Eingang Eiserne Hand, a) Velegiertenbrricht. b) Schwebende Taarsfragen: 
Rückständige vereinsbeiträge, 2. Ouartal Gr. A 3200, B 1600,' G 10 Jt. 
Beiträge für die Diasporahilfe. von jeder Schule wenigstens 1 Dame ent 
senden. — Dienstag, 5. 6. 5Z4Uhr: Engl. Fräuleinfchule: Junglehrerinnen. 
Versammlung. Dringliche Tagesfragen: Bericht über die Junglehrerinnen. 
Versammlung in Stuttgart, Frl. Beck. Mitgliedsbeitr. f. d. 2. Ouartal 500 Jt. 
Hagen-Schrvelm. Mittwoch, 6. 6., nachm. 4 Uhr: Andacht mit Vortrag 
des hochw. Herrn Pater Ubald, Kapelle des Marienhospitals, Hagen. Danach 
Versammlung im kath. Vereinshause: Bericht über die Hauptversammlung 
in Stuttgart. Besprechung wegen eines Sommerausfluger. - Andere ver. 
einsangelegenheiten. 
yrilrberg. Sonnabend, 9. 6. Ausflug nach Kloster Springborn. Ab 
fahrt heilsberg 2.45 Uhr. 
Reiffe. Sonnabend, 16. 6. 3 y 2 Uhr im Bürgerheim: Aussprache mit 
Frl. Kunze, Berlin, über Jugendpflege. 
Neustadt. Sonntag, 10 6. 7 Uhr: Generalkommunion im Annastift. 
— Sonnabend, 16. 6. 3 Uhr Gesellenhaus: Gemeinschaftliche Versammlung 
des Lehrer, und Lehrerinnenvereins; Vortrag des Viözesan-Karitasdirektors 
Schuster, Breslau: „Karitas und Erziehung". 
Reiseaurtausch. 
19. Gesuch: 2 Junglehrerinnen aus Beuthen G/S wünschen von Mitte 
Juli bis 1. August Ferienaufenthalt in einem Dörfchen der 
Alpen oder des Fränkischen Jura, mit Gelegenheit zum Mit 
tagessen, Kauf von Milch, Butter und Eiern. 
20. Gesuch: 2 Kolleginnen aus Unna (Wests) suchen für August Wohnung 
im Tyüringerwalde (Friedrichsroda oder Umgegend) oder 
Adresse von privaten Pensionen. 
Lehrgang zur Kurbildung von technischen Leitern von LichtbNdver- 
anftaltungen in Schulen nnd in der Jugendpflege, veranstaltet vom 3en. 
iralinstitut für Erziehung und Unterricht und vom Deutschen Bildspielbund 
vom Montag, den 23. Juli bis Samstag, den 11. August (Friedrich wer- 
dersches Gymnasium, Berlin NW 21, Bochumerstc. 8). 
Um Bewerbern für die Zulassung zur Prüfung von technischen Leitern 
von Lrchtbildveranstaltungen in Schulen und in der Jugendpflege bei ihrer 
Vorbereitung nach Möglichkeit zu fördern, aber auch um anderen Inte- 
ressenten an Schulveranstaltungen mit stehenden und laufenden Lichtbildern 
Anregungen zu bieten, namentlich für die technische Ausgestaltung der Bild 
vorführungen, werden das Zsnlralinstitut und der Deutsche Bildspielbund 
einen dreiwöchigen Lehrgang wahrend der großen Ferien in Berlin ab 
halten. Den breitesten Raum sollen praktische Übungen an den Bildwerfern 
einnehmen. Die Teilnehmer werden ferner Lehrstunden mit Film und Bild 
abhalten lernen und sich in dar wichtigste Schrifttum über Methodik, Or 
ganisation und Technik des Bildwesens einarbeiten. Vorträge von Fach 
leuten werden in die Grundlagen für die Aufgaben einführen, die ein 
technischer Leiter von Lichtbildveranstaltungen für die Jugend zu bewälttgen 
hat. vorgesehen sind Besichttgungen von Vorführungsräumen in Theatern 
und Schulen, von Aufnahmeateliers, von Feueralarmen und Feuerproben. 
Als vortragende, als Letter der Übungen und als vorführende haben 
bereits über 30 Herren und Damen ihre Mitwirkung zugesagt. — Sur 
Deckung der namhaften Sachunkosten wird eine Teilnehmergebühr von
	        

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