Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 36.1923 (36)

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und fehlerhaft lasen, dann muhten sie sich öle entrüstete Kritik der 
Enttäuschten gefallen lassen. - 
Jetzt lesen wir seit einigen Wochen Joh. §pyri5 „fjelM . Ich 
weiß, daß es keine literarische Großtat ist. Über der Wunsch dazu 
wuchs aus den Kindern heraus. Ls ist eine Erholung; denn nun 
verstehen wir alles und leben mit herzlicher Anteilnahme die Ge 
schicke der kleinen Alpenkinder mit und „sind so gespannt, wie es 
weitergeht". Man drängt danach, eine Aufgabe zum vorlesen zu 
bekommen, gibt sich große Mühe. um wieder „daranzukommen", 
patzt auf. wer bei der Lektüre gefehlt hat und erzählt, was wir 
voriges Mal gelesen haben. In allen Beispielen zur Sprachlehre 
spielen das heidi und seine zwei- und vierbeinigen Spielgefährten 
eine vorherrschende Rolle. - Ls sind uns auch schon allerlei Be 
denken gekommen: warum es so langweilig wird an manchen Stellen, 
daß die Leute so merkwürdig sprechen, daß mancher erzählt wird, 
was wir doch eigentlich schon gehört haben; und so kommen wir 
zur Buchkritik, ohne datz wir es wissen, lehnen Längen. Komposilions- 
fehler, Unwahrschein! chkeiten ab. werden auch, so hoffe ich wenig 
stens, die Klippe glücklich umschiffen, daß gerade der Kandidat und 
die Erzieherin übertrieben, unwahrscheinlich und dadurch lebens- 
unwahr dargestellt sind. — 
Bei der Behandlung von Gedichten habe ich das Lesebuch auch 
nicht vermißt; es im Gegenteil besonders bei der Einstimmung lyrischer 
Stücke es als eine Wohltat empfunden, datz nicht ein paar Über 
eifrige, „die schon alles w-sien", die Stimmung zerrissen, wir sam 
melten die Gedichts in einem heft; kleinere Stücke wurden diktiert 
und gleichzeitig als Rechtschreibeübung verwertet, aber erst dann, 
wenn ihr Gehalt, soweit das überhaupt für diese Altersstufe möglich 
ist. ausgeschöpft war. Größere Stücke wurden in kleinen häuslichen 
Arbeitsgemeinschaften aufgeschrieben. 
Ich lasse eine Auswahl von geeigneter Klasienlektüre für die 
einzelnen Stufen folgen. Absicht!ich ist eine Scheidung in Knaben 
«nd Mädchenlektüre vermieden; denn was wirklich literarisch wertvoll 
ist und von einem rechten Erzieher an die Jugend herangebracht 
wird, wird Knaben und Mädchen etwas zu geben haben. 
Der Erziehung zum Ganzbuche sind natürlich die geschloffenen 
Erzählungen dienlicher. Dagegen geben die Sammlungen Gelegenheit, 
charakteristische Merkmale aufzufinden und so das Wesen einer 
Dichtungsari, des Märchens, der Sage, der Legende, der Ballade 
usw. langsam herauszuarbeiten, oder eine dichterische Ligenart heraus 
zustellen. 
Die im angeschlossenen Verzeichnisse angeführten Sammlungen 
„Deutscher Gut", „Schafsstein" und „OueUen" haben im Frieden 
0,30 Ji und 0,40 Ji gekostet, wer die Lntwertungszisfer kennt, 
kann sich also den jeweiligen preis ausrechnen. 
Der Leseunterricht ohne Lesebuch verlangt vom Unterrichtenden 
eine „Vorbereitung auf lange Sicht", wie sie ja überhaupt dem 
Unterricht nach dem Grundsätze der geistigen Arbeitsschule eigen ist. 
— Bequem ist er nicht; dagegen erziehlich außerordentlich wertvoll, 
weil er praktisch auf den Weg zur Gemeinschaft und damit zur 
Verantwortung führt. 
Susanimenstellnng der Klaffenlefsüre für Volksschulen. 
Zeichenerklärung. 
-» „(Quellen" Verlag Schnell, München. 
„V. <5." ----- „Deutsches Gut" Verlag Fcedebeul & Körnen, Essen. 
„Sch. bl." — „Schaffstein blau" Verlag Schoffstein. 
„Sch. gr." -- „Schaffstein grün" Verlag Sch«-ffstern. 
-f ----- Sammlung. 
O — Ganzbuch. 
Verfasser: 
:m sinken in: 
Grimm: 
111. Schuhahr. 
" Märchen zum Lachen. 
Tu. 1. 
„ 
-- Märchen zum Staunen. 
„ 2. 
„ 
Märchen 1. Auswahl. 
D. G. 1. 
* 
-- Märchen 2. Auswahl. 
„ 24. 
„ 
- von Daumesdick und anderen selt- 
samen Leuten. 
Sch. bl. 123. 
Bechstein: 
-f Der goldene Rebbock. 
.. . 118. 
„ 
f Schwan, kleb an. 
, 119. 
volbehr: 
O König Bob, Der Elefant. 
ii ii 22. 
Grimm: 1 
IV. Schuljahr. 
-h Deutsche Sagen. 
Tu. 3. 
Hebel: 
1° Drollige Geschichten. 
« 5. 
Andersen: ] 
f Märchen von Kindern und Dingen. 
- 11. 
Verfasser: 
zu finden im 
Simrock: 
4 Till Culenspiegel. 
Tu. 13. 
„ 
-f Deutsche Sagen. 
D. G. 10. 
„ 
-j- Schwänke. 
„ 18. 
„ 
4 Don Hühnchen und Hähnchen. 
Sch. bt 2. 
„ 
t von Blumen und Bäumen. 
f von holden und Unholden. 
; ü 13. 
-f Deutsche Sagen zur Geschichte der 
Mi'telolters. 
, , 117. 
-f wadin und die wunderlamv«. 
„ „ 107. 
Scharrelmann: 
1° pussi Mau. 
.. a 12. 
,, 
O Siegfried, der Nibelungenheld. 
* , 28. 
Hauff: 
Sanvalr: 
Dejoe: 
Aurdacher: 
ha''ff: 
Volksbücher: 
Mufäus: 
Bürger: 
Sonst: 
Simrock: 
Weber: 
Chr. v. Schmid: 
Storm: 
Lichendorff: 
Kopijch: 
Volkmann. Leander: 
Lagerlöf: 
Grimmelshausen: 
Frau Aja: 
Goethe: 
Sch ller: 
Goethe: 
Simrock: 
Uhtand: 
Wolgast: 
Kügelgen: 
heboel: 
Schiller: 
Storm: 
Förster: 
V. Sckuljahr. 
f Zaubermarchen. 
O Schildbürger. 
O Robinien Crusoe. 
O Die Rbe' teuer der sieben Schwaben, 
f Alts Legenden, 
f Märchen. 
O Genoveva, Hirlanda. 
O Di« schöne Magelone. 
O Forrunatur. 
O ha-monskinder. 
O Rübezahl. 
O Münchhausen. 
O Gullivers Reise zu den Zwergen. 
O Gullivers Reise zu den Riesen. 
VI. Schuljahr. 
Gudrun. 
t Ras der Welt der Arbeit. 
O tebenrerinnerungen. 
f Tiererzählungen. 
O Pole Poppenspäler. 
•• Gedichte und Märchen. 
^ Gedichte. 
t handwerkbat einen goldenenBoden. 
Kleine He den. 
f Träumereien an franz. Kaminen 
" Vas Kindlein von Bethlehem. 
O Der abenteuerliche Simplizissimur. 
O Karl der Große. 
O Förster Flecks Erlebnisse in Rußland, 
-f Schlachtendüder 1870/71. 
VII. Sckuljahr. 
f Briefe von Goethes Mutter. 
O Aus Goethes Knadenzeit. 
-f Gedichte von Schiller. 
1° Gedichte von Goethe. 
6 Nibelungenlied. 
O (ErnSt, Herzog v. Schwaben. 
1° Balladen (Sammt). 
O Jugenderinnsrungen. 
| Deutschs Erhebung vor 100 Jahren, 
-j- Rur seinen Schriften. 
O Wilhelm Tell. 
O Jungfrau von Orleans. 
O Böttcher Basch. 
-s- Geschichten aus der Tonne. 
-b Aus germanischer Urzeit. 
-s Zeit der Völkerwanderung. 
-j- Aus dem Siebenjährigen Krieg. 
O Preußens Erhebung u. Befreiungs 
kampf. 
Tu. 6. 
„ 8. 
„ 41. 
» 45. 
v. G. 2. 
12. 
„ 19. 
» 20. 
„ 21. 
„ 22. 
Sch. bl. 17. 
„ - 27. 
- . 81. 
.. * 89. 
Tu. 31. 
.. 42. 
v. G. 13. 
„ 23. 
„ 26. 
.. 9. 
„ 11. 
Sch. bl. 9. 
„ * 14. 
» w 140. 
u n 55« 
n »5. 
Sch. gr. 22. 
t» i» 16. 
n »2. 
Tu. 14. 
„ 25. 
u 30. 
. 24. 
* 4. 
35. 
.. 36. 
v. G. 5. 
- 15. 
« 17. 
« 14. 
... 23. 
„ 25. 
Sch bt 102. 
Sch. gr. 1. 
ft 9 27. 
, . 1? 
r» u 26. 
Goethe: 
Kleist: 
Reuter: 
Storm: 
Raabe: 
Goethe: 
Simrock: 
Sven hedin: 
Saure: 
volbehr: 
Vlll. Schuljahr. 
O Hermann und Dorothea. 
O Prinz Ferdinand von Homburg, 
f Beten von DU und Dat 
f Deutsche Briefe, 
o In St. Jürgen, 
o Schimmelreiler. 
o Rjrdfeegeschichien. 
f Balladen und Lieder zur deutschen 
Geschichte l. u. II. - 
t Geschichten aus der Franzofenzeit. 
Q Aus Goethes Sud'enzeit. 
O Walter und Hildegunde. 
O Dem Untergang nahe! 
O Kohlenbergwerk. 
O 3m Land der deutschen Diamanten. 
Tu. 
D."G. 
15. 
20, 
21. 
6. 
27. 
29. 
Sch. bt 19. 
Sch. bl. 24-25. 
29. 
11 » 30, 
„ „ 18. 
Sch. gr. 30. 
U U 31. 
- , 19. 
pädagogische Rundschau. 
KCaffenleftflre. (vgl. auch den vorstehenden Artikel.) 
Schon lange ist von tüchtigen Fachleuten die Notwendigkeit der Klassen« 
lskiürr anerkannt und ihre Einführung in die Volksschule gefordert worden«
	        

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