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Organ öes Vereis katholischer öeuiMer Lehrerinnen
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Mit monatlicher öeilage „die Zlunge Lehrerin".
Nr. 5\
57. Jahrgang
Paderborn, 23. Angust 1(92^
Inhalt: KatEjolirteritag und Kath. Lehrerschaft S. 273. poß, Zur ver>
tiefung unserer Schulfeiern S. 273. Sander, Aufgaben und Stellung der
Lehrerinnen in der Diaspora 5. 274. Giese, Aus dem Gesetz über die Ver
waltung des kath. Kirchenoermögens 5. 275. Schott, Unser Seeheim in
Konstanz S. 277. pädagogische Uundjchau: von den pfingsttagungen
der Lehrerorganisationen. Aus der Zeit: Zur Neuordnung der Licht
spielzensur. Studium ohne Reifezeugnis. Bezirkslehrerkammer Loblenz.
Amtliches: vorläufige Nusführungsvorschriften zur P.-N.-V. Ruhegehalts
fähige Dienstzeit der Flüchtlingslehrer. Schulverfäumnisse. Nus unserem
Verein: Sammlerinnen. Vereinsbroschen. Ordentliche Lehrerinnen. Jugend
pflege. Kursus Pyrmont. Kursus veuron. Vereinssatzungen. Bezirks
und Zweigvereine. Merktafel. Bücherbesprechungen.
Katholikentag und katholische Lehrerschaft.
Sn den Tagen vom 3l. August bis 2. September findet in Hannover
die 63. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands statt. Gewiß
werden auch die katholischen Lehrer und Lehrerinnen in stattlicher Zahl
gern und freudig dem Rufe nach Hannover Folge leisten, weil ihnen das
Zusammengehörigkeitsbewußtfein mit dem katholischen Deutschland und die
tätige Anteilnahme an den Hoffnungen und Zielen, an den wegen und
Rufgaben des deutschen Katholizismus ernste Herzenssache ist.
Im Rahmen des Katholikentages laden die unterzeichneten Vorstände
alle Amtsschroestern und Amtsbrüder, die nach Hannover kommen, zu einer
Versammlung der katholischen Lehrer und Lehrerinnen
ein, die am Sonntag, den 34. August, nachmittags 2y 2 Uhr
im Künstlerhause (Sophienstraße 2) stattfindet.
Herr Unwersitätsprof. vr. Georg Schreiber, Münster spricht über
„Lehrerpersönlichkeit und Katholizismus."
„höret die Kirche!" Das ist das Leitmotiv des Katholikentages. In
diesem Zeichen und Geiste soll auch unsere Lehrcroersammlung stehen.
Anmeldungen zur Teilnahme am Katholikentag und Anfragen wegen
Unterkunft sind nicht an uns, sondern an das Lokalkomilee des Katho
likentages. Hannover, Clemensstr. 5, zu richten.
Katholische Lehrer und Lehrerinnen, katholische Erzieher und Freunde
der katholischen Schule! Seid herzlich zu dieser Versammlung eingeladen
und willkommen! helfet mit, sie zu einer würdigen, Geist und herz er
hebenden Kundgebung zu gestalten!
hannover-hildesheim, den 10. August 1924.
Kath. Lehrerverein der Diözese Verein kath. deutscher Lehrerinnen.
HildesHeim. Die Landesvertreterin.
Kath. Lehreroerein Hannover. Bezirksverein Hannover-Linden.
Zur Vertiefung unserer Zchulfeiern.
von Amalie poß, Milleischullehrerin, Frankfurt a. m.
Die Schularbeit in ihrem vorwärtsdrängen kennt Rasttage der
Besinnlichkeit. In den meisten Fällen kündet das Ministerium für
Kunst und Volksbildung dieselben mit der kurzen Weisung an:
Anläßlich ... ist im Unterricht hinzuweisen, was sagt uns ka>
tholischen Lehrkräften diese kurze, amtliche Weisung? Daß wir
innehalten sollen im Arbeitstempo, daß eine stunde gekommen sei,
in der die Schule in stiller Rast sich sammele, daß sie innehalte zum
tiefen Atemholen und im Stillstehen die Kräfte des vorwärtsfchreitens
erneuere. In den Blickpunkt der kommenden Schulwochen wird
Fritz Reuter und unser Altmeister Goethe gerückt. Es hat für das
Schulleben keinerlei Bedeutung, wenn in allen Klassen, je nach Auf
nahmefähigkeit der Kinder, in der letzten Schulstunde auf die Größe
dieser Persönlichkeiten hingewiesen wird. Der Zeitstrom rauscht dar
über hinweg und nimmt die Worte, die in keinem Zusammenhang
mit dem Ideengang der Kinder standen, fort in das Meer der ver-
gessenheit. Es war dann eine solche Stunde oft nur eine verlorene
Unterrichtsstunde. An uns katholischen Lehrerinnen ist es, die Schul-
arbeit zu beseelen, die Zusammenhänge zu schaffen, ein organisches
wachsen des Schullebens zu bewirken, indem wir in liebevoller Um-
sorgung die Nebenarbeit als Apostolatsarbeit erfassen, um Brücken
zu bauen zwischen Schulkind und Lehrkörper — Elternhaus und Schule.
An nachfolgenden Beispielen soll gezeigt werden, wie sich das
angestrebte Ziel verwirklichen läßt. Das vergangene Schuljahr
brachte uns die Feier des Dichters hoffmann von Fallersleben. Da
alle Altersstufen schon mit seinen Dichtungen bekannt geworden waren,
so wurde in der ersten Morgenstunde des Gedenktages die Gesamt
schule im Turnsaale zur Feier versammelt. In die Rede flochten
die Schüler und Schülerinnen die Gedichte von hoffmann von Fallers
leben und deren Vertonungen ein. Diese Gestaltung der Feier ließ
eine Mitarbeit der Gesamtschule zu, das Lerngut aller Jahrgänge
wurde lebendig, wuchs ineinander, wurde zur Bildungseinheit. Die
Kinder hatten das Erlebnis, daß das, was in getrennten Klassen
räumen, hinter verschloffenen Türen, erarbeitet worden war, ein
allgemeines Lebensgut der Schule sei. So war ein organisches
Wachstum geschaffen, die Schule fühlte sich als Schule, nicht als ein
aneinandergereihtes Klaffensqstem. Bei der entwurzelten Lebensart
der Großstadtkinder war auch ein Stück Heimatboden erobert worden.
Die Kinder hatten in der Feststunde gefühlt: „wir arbeiten hier
zusammen, und unsere Arbeit gehört uns allen." Und wieviel Gutes
und Edles läßt sich bei einer Dichter-Gedächtnisrede in die Kinder
seele senken! wir katholischen Lehrerinnen müssen bei jeder Ge
legenheit versuchen, das Reich des Schönen hier auf Erden zu fassen,
um es einzubetten in das Reich ewiger Schönheit. Die Schule, der
Lehrkörper mutz fühlen, daß, indem wir das Auge trinken lassen
an der Schönheitsquelle des Diesseits, wir von ewiger Ouelle die
Speisung holen. Das Erfassen der Schönheit der Dichterseele ist
ureigenste katholische Aufgabe? denn jeder wahre Dichter ist gestreift
von der göttlichen Gnadenhand und läßt in seinen Dichtungen ewige
Weisen erklingen. Das wort bleibt wahr: „Mein Auge hing an
deinem Angesichte, an deines Himmels Harmonie mein Ohr." Ge
stalten wir deshalb unsere Schulfeste durch Mitarbeit in unserem
Geiste, und wir vollbringen in der Berufsarbeit Ewigkeitsarbeit,
wollen wir das Elternhaus in dieser Apostolatsarbeit erfassen, so
werde aus der Morgenfeier eine Abendfeier, wie leicht läßt sich
am 28. August bei der Gedenkfeier zur Wiederkehr von Goethes
176. Geburtstag ein Festabend für die Eltern unter dem Gesichts
punkt: Goethe und fein Elternhaus veranstalten. Die feinen Einzel
heiten aus „Wahrheit und Dichtung" sind recht ^zu angetan, den
Eltern die Erziehungs- und Bildungsmöglichkeiten cm Hause als der
Welt des Kindes zu zeigen. Die Schülerinnen der Oberstufe können
dabei ausgewählte prosastellen, z. B.: „Frau Rat als Märchen
erzählerin" und „die verunglückte Klopstockfeier des jungen Goethe"
vortragen. Der Feier gehe der Vorspruch Lienhards voraus, in dem
der Sinn unserer Feier enthalten ist: