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Grgm, örs vereias kacheHsche- SruHHrr Lchrerinnea
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Mit monatlicher öeilage „Die ^unge Lehrerin".
57. Jahrgang
Paderborn, J8. Oktober \ ( )2^
3siijsllt: vor dem Winter 5. 361. Unsere Romfahrt 5. 361. 5perl>
bäum, Von der Selbsteinstimmung S. 363. pädagogische Rundschau:
Das Schulprogramm des Deutschen Lehrervereins 5. 365. Meinungs
austausch: Stellungnahme zum Mädchenturnen. Rus der Zeit: Lehrer
bildung. Rus Bapern. Rmtliches: Ruhende Stellen. Personalabbau-
verordnung. Prüfungsgebühren. Doppelten Haushalt. Vermittlungsstelle
für Rbgebauie. Schulgärten. Grthopäd. Turnen. Rus unserem Verein:
Karitaskasse. Arbeitspläne. Rursus Breslau. Bezirks- und Zweig
vereine. Merktafel. Bücherbesprechungen.
vor dem Vinter.
Die großen Ferien sind vorüber. Eine bunte Karte, ein welker
Strauß erinnern vielleicht noch an köstliche Stunden im einsamen
Hochgebirge, im rauschenden Wald, am sonnigen Strand. Der neue
Hut, der warme Mantel sind schon erstanden; die Beschaffung von
Kohlen und Kartoffeln ist ein erheblich leichter zu lösendes Rechen
exempel als im Vorjahre. Du hast dir's heute nach getaner Rrbeit
daheim so recht bequem gemacht; da setze ich mich aus ein Weilchen
zu dir und möchte dir etwas aus meinen letzten Wochen erzählen.
Es ist noch keinen Monat her, da führte mich der weg rhein-
abwärts. Marksburg, Rllerheiligenberg, Stolzenfels, Lahneck grüßten
doppelt freundlich von ihrer höh' in der eigenartigen Schönheit
eines sonnigen Septembermorgens. Rber all die Schönheit mußte
ich lautlos genießen; denn außer mir war nur noch eine Seele im
Rbteil und die sah von all der leuchtenden herbstpracht nichts. Ein
unglücklich geschleudertes Spielzeug traf vor mehr als zwanzig
Jahren ihre Rügen so heftig, daß keine ärztliche Kunst das Rügen-
licht erhalten konnte, wenn dir das geschähe! Denk dir die
äußere und innere Katastrophe, die so ein Unglücksfall nach sich
zieht, einmal aus bis ins einzelne! wenn du schaffensfroh und
kräftig so plötzlich mit elf Dienstjahren aus dem geliebten Beruf,
der sicheren Stellung scheiden müßtest und zudem Gebrechen, Ein
schränkung und Entbehrung von allen Seiten drückten. . . .
Dann kam ich in die Gegend, „wo der Märker Eisen reckt",
wieder ging ich den Sonnenstrahlen nach. Diesmal hafteten sie
auf einem noch jungen Menschenkind, das tm Sorgenstuhl am offenen
Fenster lag, des Gebrauches seiner Glieder beraubt. Große blaue
Rügen wandten sich mir lebhaft entgegen, aber sie sahen nichts,
und das war gut; denn die Erschütterung über den Fortschritt der
Krankheit — „nur Nerven!" — ließ sich so leichter verbergen.
Kannst du dir denken, was dazu gehört, nach neun Jahren solcher
Heimsuchung mit ungebrochenem Mut und heiterer Stirn es täglich
wieder auf sich zu nehmen, blind zu sein und dabei Hilfslos wie
e:n kleines Kind? Kannst du dir auch denken, wie weh es da
tut, wenn die Blindenkasse einen Bestand von 12 Mark hat. . . .
Du meinst, ob die Karitaskasse überhaupt noch „etwas auf sich
hätte"? Rls Rntwort will ich d'r nur erzählen, was die Post
heute brachte:
„öch bin während der ganzen oeti meiner Erzieherinnenjahre immer
sehr sparsam gewesen und halte so viel, daß ich dem Rlter ruhig entgegen
sehen konnte. Ich gebe so viel Stunden, als mir eben möglich ist, um den
sllernotigsten Lebensbedarf für mich und meine geisteskranke Schwester
^umzubringen, die als einziges Einkommen die Rlcinrentnerunterstützung,
14 Jl monatlich, bezieht. Ich muß ganz für ihre Kleidung sorgen und
oazu noH den Jammer dieses'Leiden ansehen, wovon soll ich Rahlen.
. _ , ansehen.
^cht, Kartoffeln für den Winter bestreiten?
„Run habe ich 14 Tage zu Bett gelegen; meine Rervenkraft war voll
ständig dahin, unsäglich habe ich am Kopf gelitten. Darf ich fragen, ob
vielleicht in der Karitaskasse noch ein Scherflein für mich ist? Es soll zu
meiner Kräftigung dienen. Large habe ich gezögert, diese Rnfrage zu
stellen, es ist fo peinlich und so schwer fürs herz. . .
„Eine unserer jüngeren Kolleginnen trug man heute ohnmächtig aus
der Kirche, vorgestern war sie bei mir und bat mich, ihr einige Franken
abzukaufen. Sie brauche das Geld, um ein Brot zu kaufen, und wolle
keine Schulden machen. Sie ist die älteste von sieben Geschwistern; der
Vater, kleiner Beamter, abgebaut. Könnte die Karitaskasse hier nicht
einmal eingreifen?"
Rch ja, wie gerne, aber woher das Geld nehmen, wenn die
Spenden so spärlich eintreffen. Bitte, zähle einmal zusammen, was
im letzten Monat eingegangen ist. (Rus unserem Verein, Karitas
kasse.) Genügte das wohl, auch nur den drei vorstehenden Bitten
einigermaßen zu entsprechen? Und der Bedürftigen sind so viele.
KT. R.
Unsere Romfahrt.
Der v. k. d. L. will dem Wunsche vieler Mitglieder entsprechen
und im heiligen Jahre eine Pilgerfahrt nach Rom unternehmen.
Es besteht in würzburg eine zentrale, offizielle Geschäftsstelle
für Rompilgerfahrten. Diese Geschäftsstelle hat die technische Durch
führung der Fahrten dem mitteleuropäischen Reisebüro übertragen,
das als halbamtliche Stelle dafür am besten geeignet ist. Der v. k. d. L.
hat sich nun mit dieser Geschäftsstelle in Verbindung gesetzt. Im
folgenden werden die Ergebnisse dargelegt und die Mitglieder um
Entscheidung gebeten.
Es fahren I. Pilgerzüge und 2. Gemeinschaftsfahrten.
Die Pilgerzüge fahren stets so, daß an jedem Mittwoch einer in
Rom ankommt. Er Kann nur zustande kommen, wenn sich 450
Teilnehmer zusammenfinden. Die Fahrtkosten sind verhältnismäßig
gering.
Die Pilger werten unterwegs auch verpflegt. Beim Mittagessen
sind zwei Stunden Rusenthalt vorgesehen. Rußer dem Mittagessen wird
noch zweimal am Tag Essen gereicht. Die Verpflegung ist natürlich
einfach, aber völlig ausreichend. Im übrigen steht es jedem frei,
sich auf den Bahnhöfen nebenbei etwas zu kaufen, aber nötig wird
es nicht fein.
Die Fahrt dauert von Süddeutschland nach Rom etwa 2% Tage.
Einmal wird sie unterbrochen, um zu übernachten, und zwar in
Innsbruck, bzw. in Lugano, sonst würde sie zu anstrengend werden.
Hin- und Rückfahrt werden auf verschiedenen wegen unternommen,
einmal geht es über den Brenner, das anderemal über den St. Gotthard.
Die Pilgerzüge können aber nicht beliebige Rbftecher machen,
weil die Unterbringung von 4 — 500 Personen in verschiedenen Orten
zu große Schwierigkeiten bietet. Es kann aber ein etwa bstündiger
Rufenthalt in Rfsifi und in Padua gemacht werden, wir nehmen
an, daß unsere Mitglieder diese Rbftecher auf jeden Fall machen
wollen. In Rsslsi wird die Kirche S. Maria degli Rngeli mit Por
tiunkulakapelle und der Kirche St. Francesko (Ober- und Unter
kirche), in Padua der Dom und die Kirche St. Rntonio mit der
Eapella del Santo besucht.