Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 38.1925 (38)

Nr. 44 
38. Jahrgang 
Paderborn, 21. Nov. 1925 
Inhalt: Keßler, kldventslichter §. 47Z. Psalm 14 S. 474. poß. Ein 
führung in den neuen Katechismus S. 473. Hilden, Vas Mutterherz 5. 476. 
vchomas, ver sechste Kongreß der internationalen Union katholischer Frauen 
verbände S. 477. Leyerle, ctn meine badischen Vereinsschwestern 8. 479. 
Aus der Zeit: P.-A.-V. und Abfindungssumme. Lehrerinnenseminar 
Laarburg. Aus unserem verein: Vereinskalender 1926. Christkind 
kommt. Vorschläge für die lvinterarbeit in Studienzirkeln. Aus der arbeit 
des Ausschusses kürvolksschulangelegenheiten. Mittelschulausschuß. Sonntags 
tagung Elberfeld. Tagung der technischen Lehrerinnen Osnabrücks. Einkehr 
sonntag des vochumer vez.-v. Bezirks- und Zweigvereine. Merk 
tafel. Bücherbesprechungen. Stellenvermittlung. 
advenlrlichter. 
von K. Keßler, arnsberg. 
„Advent". Der Name hat einen so lieben, trauten Klang. Ob's 
kommt, weil unser herz schon hinhorcht nach den seligen Klängen 
der Weihnacht, weil schon ein Schimmer der weihnachtslichter hinein 
strahlt in diese Tage heiligen Erwartens? wie könnte man diese 
Zeit stiller Sehnsucht und frohen wegbereitens unbeachtet in der Schule 
vorübergehen lassen! Die Adventszeit bietet ja so viel Anregung für 
ein empfängliches Kinderherz, während man die Kleinen anleitet, ein 
herzenskrippelein zu bauen, habe ich im vorigen Jahre versucht, in 
einer Mädchenoberklasse jede erste Neligionsstunde der vier Advents 
wochen zu einer Adventsfeier zu gestalten. Die Erinnerung an diese 
Stunden frohen Glückes und heiligen wollens drängt mich, davon 
zu erzählen. 
Freudig wurde der Gedanke ausgenommen, einen Adventskranz 
für unser Schulzimmer zu winden. Tannengrün, bunte Bänder und 
vier Kerzen wurden mitgebracht und dann ging's an ein fröhliches 
Arbeiten, während ich etwas über den tiefen Sinn der schönen Volks 
sitte des Adventskranzes in die Unterhaltung einfließen ließ, wie 
wir Woche für Woche ein Lichtlein mehr anzünden, bis uns die 
Lichterfülle des Christbaums entgegenstrahlt, so wurde die Kenntnis 
vom Erlöser allmählich lichter und Heller, bis Christus, das Licht 
der Welt, leuchtete in die Finsternis. Der Lichtgedanke erfährt auch 
in der Advents- und Weihnachtsliturgie der Kirche eine Steigerung. 
Da lesen wir am ersten Adventssonntag: „Die Nacht ist vorgerückt, 
und der Tag hat sich genaht", am zweiten Sonntag: „von Sion 
geht aus der Glanz seiner Herrlichkeit: Gott kommt sichtbar", und 
am weihnachtsfeste: „heute stieg ein großes Licht zur Erde nieder." 
Unsere erste Adventsstunde. Die Fenstervorhänge sind geschlossen, 
und nun flammt in der herrschenden Dämmerung ein Lichtlein an 
unserem Adventskranz auf. Da schauen wir hinein in die Jahr 
tausende vor Christus mit ihrer immer mehr wachsenden Sehnsucht 
nach dem Erlöser. Ich lasse den großen Seher Isaias sprechen. Er 
geißelt unbarmherzig die Sünden seines Volkes (Is. 1—5) und es 
klingt uns, als seien seine Worte an uns gerichtet, und dann hören 
wir (Is. 60) die herrlichen Worte: „Auf, werde Licht, Jerusalem, 
denn es kommt dein Licht." Ein Lichtlein wollen wir anzünden in 
unseren herzen: das Licht der Liebe. Schaut, wie Meister Zchiestl das 
Thristkindlein durch den dunklen Winterwald wandern läßt. Es 
trägt ein großes Licht in die kalte, liebeleere Welt. Seine Füßlein 
sinken tief ein im Schnee. O helft ihm tragen! Nur ein Wort 
oder ein Werk der Liebe! helft dem Christkindlein die Kerze tragen 
zu den Heidenländern. Dort ertönt noch heute dar schmerzliche Isaias- 
flehen nach einem Netter, helft, daß es dort licht werde, durch ein 
Missionsalmosen, durch ein Gebet. Dann singen wir eins der innigen 
Adventslieder und unser Lichtlein wird ausgelöscht. 
Zweite Woche. „Brennt das erste Adventslichtlein noch in euren 
Herzen? Mit dem zweiten Licht auf unserem Kranz wollen wir auch 
ein zweites Seelenlichtlein anzünden, vorleuchten soll uns der heilige 
Johannes, dem der Heiland im Evangelium des zweiten Advents 
sonntags das herrliche Lob der Charakterstärke und Selbstverleugnung 
spendet." Die Kinder erarbeiten nun ein Bild von Johannes, dem 
Opfersrohen, der sich wie eine Altarkerze vor dem Herrn verzehrt. 
Dann kurze Besinnung — ein Adventsopfer wird im stillen dem 
Christkind versprochen: Gehorsam im Elternhaus, treues Stillschweigerr 
in der Schule, pflichttreues Arbeiten in der kommenden Woche. 
Leuchtende Kinderaugen bestätigen das frohe wollen. 
In der dritten Woche steht Johannes vor uns als der demütige 
Wegbereiter des Herrn. Stolz hat Luzifer, den Lichtträger, in Nacht 
und Dunkel gestürzt, Stolz hat das erste Menschenpaar in Sünde 
und Not getrieben, Demut und Armut des Gottessohnes haben die 
Finsternis zum Licht gemacht, wenn wir dem Christkind goldene 
Straßen bauen in unser herz hinein, dann müssen wir demütig werden. 
Vorsatz: Eine Kränkung geduldig hinnehmen, eine schmutzige Arbeit 
ohne Murren verrichten usw. 
In der vierten Woche erstrahlt unser Kranz im Glanz der vier 
Lichter, und wir reden von Maria, der Morgenröte des heiles, 
wir erfreuen uns an den Darstellungen frommer Meister über die 
Botschaft des Engels an Maria, und mit Andacht lauschen alle dem 
Gedicht: „Mariä Verkündigung" von unserer sauerländischen Dichterin 
M. Kahle, wir flehen mit: 
„O könnte unsrer Liebe Macht 
Hochauf zum Himmel schlagen 
Und in des Jammertales Nacht 
Den Heiland niedertragen." 
Zur Ehre Mariens lassen wir unser viertes Adventslichtlein brennen. 
So waren diese vier Neligionsstunden dazu angetan, die Kinder 
zum inneren Erleben einer der schönsten Zeiten des Kirchenjahres 
zu bringen und ihre Herzenstüren weit zu öffnen für das Glück der 
Weihnacht. Besonders erfreut war ich. als ich hörte, daß einige 
Kinder auch zu Hause Adventskränze angefertigt hatten und dort 
zur Abendstunde die lieben Adventslieder sangen. So leuchteten 
unsere Adventslichter hinein in die Familien, hinein in den Advent 
des Lebens und erhellten den weg zur ewigen Weihnacht. 
Einführung in den neuen Katechismus. 
von F. Poß. Konrektorin. 
Dar Kind kann auf verschiedene weise dem Lernstoff gegenüber 
stehen: Es kann ihn bloß erfahren, d. h. der Lernstoff steht außer 
ihm. Man hält es an, sich eine Erfahrung, ein wiffen daraus zu
	        

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