Klenkinderſchulen, == Klughelt
nicht die Stärkung und Abhärtung des Körpers, ſon-
vern fördere ſie, ohne dem Gefühle der Scham, der
öffentlichen Achtung für das Anſtändige, und dem,
was das ſittliche Gefühl verlebt, zu nahe zu treten.
Wir geben in beſonderer Beziehung nun noc< kurz an,
welche Kleider nach dem Gefagten fehlerhaft ſind. Dieſe
ſind folgende: die doppelten OberröFe, die Schnür-
brüſte, die engen Beinkleider, die doppelten Bruſtlaßen,
die Pelzmüben, die Halsbinden, die Knieriemen und
überfiüſſigen Wämſer. Bei den Knaben ſollen wenig-
ſtens, wenn ſie ſich im geſunden Zuſtande befinden,
Kopf, Hals und Bruſt blos ſein. Auch während des
Schlafes ſei die BedeFung nur hinreichend. .
Val. Münch, Gefundheitslehre, 5. Aufl. Augsburg, 1837.
Kleinkinderſchulen und Kleinkinderbe»
wahränſtalten ſ. Bewahranſtalten. -
Kloſter-« und Kathedralſchulen. Im Mit-
kelalter waren die Schulen meiſtens, in den erſten Zei-
fen ſogar ausſchließlic) bei den Kloſtern und Dom-
(Kathedral) Stiftern. Wenige einzelne Beiſpiele ab-
gerechnet, wurde die erſte beſtimmte Einrichtung ſolcher
durc< Karl den Großen geſekßlich angeordnet. Er be-
fahl , daß jedes Klöſter und jeder Geiſtlicher einer Ge-
meine (parochus) den LandPywohnern die Gele-
genheit darbieten ſolle, leſen, ſingen, etwas
ceechnen, auch wohl die Grammatik und ſc ben zu lernenz auch ſollte in den höhern Schulen
wenigſtens die Grammatik, Dialectik und Rhetorik
Qas trivium) gelehrt werden, übrigens ſollte es auch
nicht an ſolchen Anſtalten fehlen, wo die weiteren welt-
lichen Wiſſenſchaften, das Quadrivium und die geiſt:
lichen ſtudirt würden. So entſtanden durch ihn die
Hochſchule in ſeinem Pallaſte, ferner die Schulen. zu
Tours, Lyon, Orleans, Mets, OsnabrüE, Fulda und
Paderborn; nach Karl d. G. entſtanden dann noch
mehrere auch in Deutſchland. Aus der berühmten
Schule zu Fleury erſehen wir folgende Einrichtung des
Unterrichts. Des Morgens ganz frühe lehrte Odo die
Knaben die Grammatik nach Priscianus, mit des Re-
migius Commentar, hierauf trug in der höhern Klaſſe
Terricus die Dialectik vor, nach Ariſtoteles mit Com-
mentar des Porphyrius und Averroes. Dann lehrte
Wilhelm die Rhetorik nach Cicero und Quintilian,
Hierauf erklärte Gislebert den Theologen die heilige
Schrift, und an Sonn- und Feſttagen predigte er
öffentlich in lateiniſcher und in ſeiner gallicaniſchen
Sprache, wobei ex beſonders das Judenthum widerlegte
und auch viele Juden bekehrte. Die Anzahl der Schü-
lex war ſo groß, daß man anfangs die Leute in andere
Häuſer, ſogar in Scheuern aufnehmen mußte. Das
Studium der claſſiſchen Sprachen wurde aber nach und
nach immer nachläſſiger in dieſen Schulen betrieben,
Mit dem Verfall der Klöſter und Stifter ſanken auch
die mit ihnen verbundenen Schulen. Zwar ſuchten dis
deſſeren Abteien immer noch gelehrte Mönche zu gewin-
nen, und durc ſie ihren Schulen Anſehen zu-gebenz
aud) bildeten ſich manche literariſche Verbindungen und
ſole Congregationen unter ihnen, wodurch Büther-
abſchreiben, Studium, Unterricht, Mittheilung unter
einander befördert werden ſollten; allein im Allgemei-
nen trat eine träge Ruhe in der 2. Hälfte des Mittel-
alters einz die meiſten Klöſter. freuten ſich nur ihrer
Reichthümer 3; und da ſie ſich von den Viſitationen der
Biſchöfe frei gemacht hatten, ſo hörte die Verantwort-
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lichkeit der Aebte hinfichtlich der Schulen auf. Die
Erziehung der Jugend wurde mehr und mehr blos we-
gen äußerer Zwecke von ihnen betrieben. Man mußte
nämlich die Knaden zu den gottesdienſtlichen Geſchäf-
ten abrichten; ſo wurde die Zucht immer finſterer, der
Unterricht dagegen immer ſchlechter. Man klagte ſogar
über die natürliche Wildheit der Knaben, welche die
heilige Stille des Kloſters nur ſtörten, und weshalb
man lieber keine mehr aufnahm, und die man hatte, der
ſtrengſten und trübſinnigſten Caſteiung unterwarf. Das
- Mönchthum zerfiel aus feiner Einfachheit in eine Mans
nigfaltigkeit verſchiedener Drden. Die Benedictiner
hatten durch die einſeitige Richtung nah innen das wiſ--
ſenſchaftliche Leben vermindert, die Bettelmönc nichteten es durc<4 ihre einſeitige Richtung nach außen.
Die Benedictiner wurden von den Bettelmönchen riva?
liſirt, wo nicht gar befeindet, die Lekteren ſuchten jenen
die Schulen wo möglich zu entreißen und die Erziehung
allein in ihre Hände zu bekommen. Indeß darf das
Gute nicht ganz verkannt werden, was auch dieſe Orden
wenigſtens im Anfange hatten. Schon das ſpricht
ſehr für ihren Nuten, daß ſie bei dem Zurüſinken
der Benedictiner ſich erhoben, Auch brachten ſie noch
viel Gutes aus der Scule dieſer Väter mit. Sie
brachten wieder Religion unter das Volk, ertheilten
Unterricht; ſie legten in den Klöſtern Lehranſtalten an,
zogen die Kinder vom Lande an ſich. Auf der andern
Seite trennten ſie ſich zu ſehr von der Wiſſenſchaft und
dem Geſchma&e, und das hemmende Princip, zu wels
rade in ihnen ſeine ſtärkſte Wirkſamkeit. Und nun
hatten ſie ſich einmal der höheren und niederen Schu-
len bemächtigt und ihr Einfluß auf dieſelben wurde im-
mer verderblicher und drükender. Eben dadurch wurde
aber auch der Gegenkampf mehr angeregt, und ſie wa-
ren es unmittelbar, welche die Gegenkraft zur Kirchen:
wie zur Schulreformotion aufriefen.
Klugheit (fehlerhafte Begünſtigung derſelben).
Nicht ſelten wird die kindliche Klugheit ſelbſt da be-
günſtigt und gelobt, wo ſie den Forderungen der Re»
ligion und der Sittlichkeit wideritreitet. Allerdings iſt
Klugheit etwas Unentbehrliches in einer Welt, wo faſt
jeder auf ſeinen Vortheil ausgeht, und wo ein Anders-
geſinnter, ſolchen Klugen gegenüber, aud ſeinerſeits
nicht allein ſeinen Vortheil wahrzunehmen, ſondern ſich
auch vor Schaden zu bewahren hat, Wenn man aber
die Klugheit über Alles ſekt und es nicht dem Gutſein
unterordnet, ſo hört alle Sittlichkeit auf und die
Menſchheit, wenn alle ihre Glieder ſo handelten, könnte
nicht beſtehen. Und doch gibt es Eltern, welche, ohne
ſich deſſen recht bewußt zu ſein, es darauf anlegen, ihre
Kinder nur recht klug zu machen, die überall nur der
Klugheit Weihrauch ſtreuen, die Beweiſe von Herzens-
güte zu beachten vergeſſen. Statt aller Gebote der
Klugheit ſoliten die Eltern nur die Ermahnung des
frommen Tobias recht einſchärfen und einleuchtend ma-
Herzen und hüke Dich, daß Du in keine Sünde willigeſt
noc heres, als wenn kluge Einfälle, drollige Wike, feine
liſtige Streiche beifällig belächelt, naſeweiſe Urtheile über
Andere ſtillſchweigend geduldet oder wohl gar gut ges
heißen werden. Der gute Erfolg beſticht die Kinder
und lenkt ſie von dem Guten und Edeln ganz ab, läßt
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