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kein realer Einfluß (Ganſluxus physicusz), ſontern nur
dealer Zuſammenhang ſtattfindet; und cs aiſo nur
Schein iſt, daß eine Veränderung in der einen V?onade
durch eine andere bewirkt werde. Val. G. Vernl.
Bilfinger „de harmonia praestabilita ex mente
Leibnitii. Francoſ. et Lips. 1723. und H. W,
S iegwarts „die Leibnitbiſche Lehre von der pr6«itabiz
lirten Harmonie.“ Tübingen 1822.
Harmonie (aus dem Griechiſchen) Zuſammenfü:-
gung, Verbindung, Uebereinſtimmung, daher 811 der
Muſik der Zuſammenklang mehrer nacy Regeln verbun?
dener Töne und überhaupt jeder muſikaliſche Wohlktang,
und in der Malerei die Uebereinitimmung, in Figtrzren
wie Farben, aller Theile eines Gemäldes. Zn mora-
fiſcher Beziehung heißt Harmonie die Uebereinjttn:
munz der Geſinnungen, ſowohl im Gemüthe eines ei:
zelnen Menſchen, worauf ſich der Friede ſeiner Seele ats
Bedingung eines dauernden Glückes gründet, als auc?
fn einem geſeliigen Vereine mebrer hierzu gleichgeſinnter
Perſonen, daher auch geſchloſene Geſeilſc Art Harmonieen von ihren Mitgliedern genannt wet:
den. In pädagogiſcher Hinſicht heißt die Harmo-
nie der Bildung odex eine harmoniſc bie gleichmäßige des Geities, Herzens und Korpers,
alſo des ganzen Menſchen in Beiretf aller ſeiner Anla-
gen und Kraf:e, und -bildet daßer einen Hauptgezen-
ſtand aller Erziehungskunft, dahin zu wirken, daß jede
ginzelne Anlage und Kraft eines Kindes, ſeines Leibes
und ſeiner Seele, ſeiner Sinne, Einbildungskraft und
Vernunft, wie ſeines Willens - und Begehrungsverm-
gens, Verſiandes und Gedächtniſſes, nach ihrem na-
türlichen Verhältniſſe, mit, neben, nach und zu einan-
der entwickelt, geübt und ausgebildet werde, daß keine
dieſer Kräfte cin die andern in ihrer Wirkſamkeit be:
ſchränkendes oder unterdrucfendes Uedbergewicht erlange.
Soll alſo die Bildung eine harmoniſche ſein, ſo darf
Leine der einzelnen Körper- und Seelenfrafte zum Na3-
theil der übrigen gevildet ſein, indem ſie in dieſem Fake
nur eine mehr oder minder einſeitige wird. S. Erz
ziehung.
Harms (Klaus), geb. zu Dittmarſen im Her»
zezthum Schle8wig 1778, wo er auch ſeine Schuldilz
dung erhiclt, worauf er in Kiel Theologie ſtudirte.
Nachdem er zuerſt in Lunden Diacoaus gewerden war,
wurde er 1816 als Archidiaconus nach Kiel berufen,
wo er ſich ſeitdem durch ſeine mündlichen und ſchrifz-
lichen Lepren als einen beſonders eifrigen Werfechter
des alten Lutberthums gegen die modernen Anſichten
neuerer Theologen bekannc gemacht hat. A!s ſolcver
machte er vorzüglich ein allgemeines Aufſehen dadurch,
daß er am Z300jährigen Reformationsjubiläumsfeſte
1317 am 39. Octover, wie Luihex einſt an der Kirt;e
zu Wittenberg 95 Theſcs an die Univerſitätskirche, zur
Bekampfung der Raxonalitien, gleichſam als ein zwei-
ter Luther auſchlug, wodurch er zahlreiche Gegenſchrifz
ken derſelben veranlaßte, doch hat er als Kanzelredner
fortwährend den Beifall des ſeinen beſchränkten Ideen
anhängenden Theiles des Kieler Publicums behauptet,
und erſt vor Kurzem wurde ſein 25jähriges Inbilaum
als Archidiaconus von zahlreichen ſeiner Verehrer fe,lich
gefeiert, wobei er auc) vom Konig von Dänemark den
Titel eines Oberconſiſtorialraths erhielt, und ſich dage:
gen durch die Stiftung eines Stipendium Harmsianum
verdient machte. Seine Hauptſchriften ſind: Winter-
Haraonie, == Harttiſch.
pollille, Kicl 1808. 4. Aufl. 182f. Sommerpos»
ſtrie. Cbenda“, 1815. 2 Bände. 3. Aufl. 1821.
Neue Winterpoſtille. Altona 41826. Seine pädas
gogiſchen Anſichten aber ſind vornehmlich aus dent
dritten Theile ſeiner „„Paſtoraltheclogie“ zu erſchen.
Harniſch (Wilhelm), einer der verdienſtvolls
ſten Pädagogen unſerer Zeit. Geb. den 28. Aug. 1787
zu Wilsnac> im preuß. Regierungsbezirk Potsdam,
der einzige Sohn eines wohlhabenden Schneidermeis-
ſter8, der ihn zum Studium der Theologie beſtimmte,
und deshalb im J. 1800 auf das Gymnaſium in Saly
wedel brachte, und von 1806 --1808 in Halle und
örankfurt a. d. O. ſtudiren ließ]. Schon hier widmete
er ſich vorzüglich) dem Stadium, der Pädagogik, in dex
er ſich auch practiſch zu üben begann, indem er eins
Hauslehrerſtelie in Mecklenburg bei einer ſehr angeſes
benen Familie annahm, wo ihm eine ausgcwählte
Bibliothek zu Gebote ſtand und die gebildets Frau
des Hauſes beſonders das Studium von „„Rouſſeau's
Emil“ empfabl. Im Jabre 1810 hatte er das.
Glü&F, nach Berlin berufen zu werden, um auf
Koſten des Staats in der Plamann?ſchen Erzies
hungsanſtalt ſich mit der Peſtalozziſchen Lebrmos
ti ode vertraut zu machen. Hier erwarb er ſich im
Umgange mit Fichte, Schleiermacher, Köpke,
Zeune, Jahn, Kloden u. a. ausgezeichneten Ge«
kcbrten, Staats- und Schulmännern, ſeine böhere wiſe
Fenſchafiliche Ausoildung und nahm auch thätigen Ans
rbeil an der damaligen neuen Einrichtung des Fechtbos
dens, und der Turn: und Shwimm-Anialt. Im
ZI. 1812 promovirte er daſelvjt als Doctor der Philo»
tophie, verheirathete ſich mit der Tochter eines ruſſiſche
litthauenſchen Gutsbeſigers und machte ſich durc ſeine
eriie Shrift: „„die deutſchen Volksſchulen“' rühmlichſt
befannt, worauf er als Lehrer an dem neuen, nach
Peſtalozzi'ſchen Erziehungsgrundſatven errichteten
Scullehrerſeminar in Breslau angeſtellt wurde, und
vier mit dem beſten Erfolg ſeine treffliche von ihm
peu erfundene Methode des Leſe- und Schreibuntere
richts, die er dann auch durch mehre Schriften bekannt
machte, einführte, Auch hörte er hier und hielt ſelbſt
mehre academiſche Vorträge, ſtiftete einen Schuilehrere
verein, übernahm einen Theil des Unterrichts der Prins
zeſſin Charlotte, jezigen Kaiſerin von Rußland und
lebte mit den Profeſſoren Schneider, Wahler, Stefe
fes, Paſſow, Kaysler 1. A. in freundſchafilichem
Borhältniß. Im JI. 1822 wurde er zum Director des
Scmuilehrerſeminars in Weißenfels ernannt, als
welcher er nod) je8st, indem er den 1830 erhaltenen
Ruf als Director des daſelbſt neuerrichteten Seminars
für Stadtſchtllehrer ausſchlug, thätigſt wirkſam iſtz
weshalb er auch 1834 den kön. Preuß. rothen Adler»
orden 4ter Klaſſe, ſowie Chrengeſchenke von dem Kaiſer
und der Kaiſerin von Rußland und andern fürſtlichen
Perſonen, auch mehrmalige Gelduntertükung zu pädago»
giſ:pen Reiſen erhielt, und 1837 mit einer feſtlichen
Feicr ſcines 25jahrigen Lchrerjubiläums von ſeinen -
Collegen und Schülern beehrt wurde. Um Tie Ver-
voiifommnung des Volksſchulweſens hat er ſich durc)
ſeine vielfach practiſche wie ſchriftſtelleriſche Wirkſam:
keit entſchiedene Verdienſte erworben. Seine Hinnei-
gung zum Pietigmus aber hat ihm wohl die königliche
Huld, doch von Helldenkenden vielfachen Tadel zugezo-
gen. Die vörnehmſten ſeiner vielfachen zahlreichen.
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