Pakriotigzmus. = Paulini
tinzelne Provinz oder den einzelnen Kreis oder Be-
zirk, dem ſein Wohnplatz angehört und nun erſt erwei-
tern wir ſeine Anſicht und zugleich ſeine Heimath, in-
dem wir ihn in das Vaterland hineinſchauen laſſen,
bis wir ihn als deutſchen Zögling ganz Deutſchland
als das große Vaterland erbliken laſſen, dem er durch
Sprache, Sitten und Character verwandt und an deſ-
ſen Angelegenheiten er Theil zu nehmen verpflichtet iſt,
Die padagogiſche Literatur hat eine Menge von
S hHriften geliefert, die ſich auf die Heimath des
Zöglings, auf die Provinz, zu der ſeine Heimath ge-
hört, auf das eigentliche Vaterland und zulebt auf
Deutſchland beziehen, damit er von dieſen Pläßen und
Ländern allen Kenntniß erhalte und mit ihren Angele-
genheiten bekannt, auch kräftig angeregt werde, An-
theil, warmen Antheil, wirkſamen Antheil an dieſen zu
nehmen. Wir erinnern unter andern an Harniſch's
„Weltkunde.“ (Breslau, 1818), an Lange's (W.)
„preuß. Jugend- und Volksfreund“ u. ſ. w. (Wieſike,
1842) , an Knie's „Beſchreibung von preuß. Schleſien,
der Grafſchaft Glaß und der preuß. Markgrafſchaft
Oberlauſiß“ u. ſ. w. (Breslau, bei Graß, Barth und
Comp., 1831), an Leo's (G. CE.) „Beſchreibung des
Königreichs Sachſen. Ein Leſebuch.“ (Dresden, Nau»
mann, 1843), an K. Kirſ<'s „das Haus Wettin“
uU. ſw. Cine Tabelle. (Dresden, Pietſch u. Comp.,
1843), an Wörle's „Geſchichte und Geographie des
Königreichs Württemberg für Volksſchulen.““ (Blau-
beuern bei Mangold, 1840), an C. Th. Schat, ,,das
Greßherzogthum Baden, geogr., hiſtor. und ſtatiſtiſch
geſchildert. Cin Hand- und Leſebuch für die reifere
Jugend“ u. ſf. w. (Karlsruhe, bei Bielefeld, 1843),
an Guts8muths und Jacobi's, Hoffmann's,
Volter's „Deutſchland.“ Die vollſtändigere Angabe
dieſer und anderer hierher gehörigen Schriften iſt zu
finden in Hergang's bekanntem „Handbuche der päda:
gogiſchen Literatur.“ (1841).
Zulekt können wir nicht umhin, unſre Leſer hinzu-
weiſen auf die treffliche, ſinnige Abhandlung des wa>kern
Dieſterweg im „Wegweiſer“ u. ſf. w. (2. Bd. Neue
Aufl. 1838) S. 396 unter dem Titel: „Ueber Va-
terlandsliebe, Patriotigsmus und was damit
zuſammenhängt“. -- Siehe auc) Niemeyer's
„Grundſäke der Erziehung“ u. f. w. 4. Thl. S. 327 ff.
„Bolksſinn. Vaterlandsliebe.“ 10.
Paul (Jean), wie er ſich ſelbſt ſtet8 nennt, oder
Friedr, Richter, wurdezu Wunſiedel, einem roman-
tiſch gelegenen Städtchen am Fichtelgebirge 1763 gebo-
ren. Der Vater, Rector der dortigen Schule, wandte
Alles an die Entwikelung der Geiſtesgaben, die er an
ſeinem Sohne bemerkte, und dieſer lohnte die Mühe
ſo ſehr, daß er bereits im 146. Jahre zur Univerſität
reif war. Der junge Richter bezog ſie aber erſt 4781
Und ſtudirte anfänglich Theologie. Bald aber entſagte
er dieſen Studien und widmete ſich nun der Poeſie und
den ſchönen Wiſſenſchaften.
Einen Theil ſeiner Jünglingszeit brachte R. zu
dieſem Zwe>e in Schwarzenbach zu, wo ſein Vater
Paſtor geworden war, ſodann lebte er in Hof, Leipzig,
Weimar, Berlin, Meiningen, Coburg und endlich in
Baireuth (wo auch ein Denkmal geſtellt iſt) unter dem
Titel eines Legationsrathes, den ihm der Fürſt von
Hildburghauſen verliehen hatte. Seine erſten ſchrift:
Feeriſchen Leiſtungen wurden wenig veachtetz erſt ſpä«
ter erntete er den verdienten Beifall. =- Er war nach
dem Urtheile einer ihm befreundeten Zeitgenoſſin auch
im Umgange der beſte Menſch, ſanft, voll Geiſt, Wik
und launiger ECinfälle, kurz, das beſte Gemüth. Seine
Schriften haben jedo der Conception und Darſtellung nicht ſelten den- Feller
einer Ueberladung mit, oft geſuchten, Bildern und
einer ſc Seine wichtigſten Werke ſind: Hesperus,--das
Leben des Quintus Firxlein, -- Titan, =-- Fle:
geljahre, =- das Leben Fibels und die Levana,
ein Werk voil Geiſt und Kraft, das kein Lehrer und
Erzieher ungeleſen laſſen ſollte. Er, der ſonſt Schnell-
denkende und Schnellſchreibende, hat, ſeinem eigenen
Geſtändniſſe nach, 10,000 Tage an dem Werke gear»
beitet. Cs erſchien in 2 Bändchen. 2. Aufl. Tübin-
gen, 1814. (4 Thlr.). Man hat aus dem Schaz der
Levana einigen Diamanten oder Kraft-Gedanken ausges
zogen in folgenden Schriften: 14) Perle aus Jean
Paul's Levana. Für Eltern u. Erzieher. 1823. (15 Nar.)
2) Auswahl der vorzüglichſten Stellen und Aufſäße
aus J. P.?s Levana. 2. Aufl. Leipzig, 1824. (15 Nar.)
3) Jean Paul's Levana oder Erziehlehre. Eine Zu-
ſammenſtellung der ſchönſten und wichtigſten Stellen.
Schaffhauſen, Brodtmann, 1843. 31 S. gr.8. (5 Ngr.)
S. auch pädagog. Real-Encycl. S. 635.
I. P. ſtarb am 14. November des Jahres 1825,
Abends 8 Uhr, nachdem ihn vorher ſchon das Unglü>
getroffen hatte, zu erblinden.
Seine ſämmtlichen Werke ſind in neuer Ausgabe
zu Berlin bei Reimer erſchienen. Aus dieſem Werke
iſt zuſammengeſtellt
I. P. Fr. Richter's Leben u. Charackeriſtik. Nach
ſeinen Briefen und andern Mittheilungen, dargeſtellt v.
Heinr. Döring. 2 Bd Leipzig, bei Kiein, 1831-32. (1 Thir. 15 Nar.).
Jean Paul hat vier Denkmale erhalten. Das
erſte ſtellte ihm ſeine Gattin Über ſein Grab in Bai»
reuth, das zweite ward ihm in ſeiner Geburtsſtadt
Wunſiedel errichtet, das dritte ſeßte ihm König Lud-
wig von Baiern in der Halle des bairiſchen Ruhmes
in München, das vierte Derſelbe in Baireuth unweit
des Hauſes, in dem J. P. gewohnt, auf offenem freien
Plaßze neben der Poſt --- eine coloſſaie, in Erz gegoſ-
ſene Statue des genialen Mannes. -- Auch eine Jean-
Paul's-Stiftung ward an dem Tage gegründet, an
welchem zu Baireuth die Statue des Verewigten auf»
geſtellt wurde (am 14. Nov. 18410). Dieſe Stif:
tung hat die Rettung und Erziehung armer, verwahr»
loſeter Kinder zum Gegenſtande. =- Ein in München
geprägter Geſchichtsthaler mit Jean Paul's Standbilde
und dem Bruſtbilde des Königs gibt in einfacher Um-
ſchrift die Bedeutung des Ereigniſſes an.
Pauline (Chriſtine Wilhelmine), Fürſtin zur
Lippe, Tochter des Fürſten Friedr. Albert von Anhalt«
Bernburg, und ſeiner Gemahlin Luiſe, geb. Herzogin
von Holſtein-Plon. Wohl dürfte es einzelnen Leſern
der pädagogiſchen Real:Encycl. befremdlich erſcheinen,
wie dieſe Fürſtin unter die Reihen der Männer aufge.
nommen werden kann, welche den Tempel der Padas»
gogik zieren; indeß wenn wir im Allgemeinen verſichern
können, daß die edle Pauline niht nur für wiſſen:
ſchaftliche Bildung begeiſtert war, ſondern auch eine
warme Sorge für Volksbildung und Volksveredelung
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