Mauline, =- Pedanterie. oder Pedantiemus..
den-Wärterinnen., die unter-den erwachſenen. Mädchen
der Erwerbſchule. ausgewählt werden, gereinigt und
umgekteidet. Gegen Abend zieht man den Kindern
wieder die Kleidungsjtüfe an, in denen ſie gebracht
wurden. Die der Anſtalt gehörigen Hemden und
Jäckchen bleiben zurük, wenn die Kinder abgeholt wer:
den. Doch pflegt man dieſelben jährlich den Kindern
zu ſchenken, wenn im Spätherbſte die Anſtalt geſchloſ:
ſen wird. Bei gutem Wetter ſpielen die Kinder in
einem Garten, bei ſchlechtem in einem Saale. Man
gibt ihnen des Morgens Weißbrot und Milc< zum
FrühſtüuX, Mittags eine Bouillon mit Graupen, Kar
toffcln u. dergl., Nachmittags ein Vesperbrot und
Abends Milyſuppe mit Weißbrot. Zwölf Frauen
höheren Standes beſuchen täglich abwechſelnd die An-
ſtalt und ſchreiben ihre Bemerkungen in ein bereit lie-
gendes Buch, Jede kommt aller vierzehn Tage in be:
ſtimmter Folge an die Reihe. Durch dieſe lobenswer-
the Theilnahme der Damen wird Alles in guter Ord-
nung erhalten, der Geſundheitszuſtand der Kleinen wohl
beachtet nnd eine genaue Berechnung der Ausgabe für
tie Speiſung möglich gemacht, indem immer die Zahl
der gegenwärtigen Kinder aufgeſchrieben und deren
Wohlſein oder Uebelbefinden bemerkt wird. Die gus-
ten Wirkungen dieſer wohleingerichteten Kinderanſtalt
auf die Geſundheit des heranwachſenden Geſchlechts
durc geſunde Speiſe, durch Hilfe größerer Reinlich:
teit und genauerer Aufſicht ſind in Lippe- Detmold,
wie auch an andern Orten , augenſcheinlich.
Auch werden darin, wie jest in Augsburg u. ſ. w.
unter Wirth, gute Kindermadchen gebildet und die
Eltern der Kinder gewinnen zu den vornehmen Per-
fonen, die ihnen ſo wohlthuend entgegen kommen,
Zutrauen und Liebe, und fühlen ſich erwekt, um ſelbſt
beſſer für ihre Kleinen zu ſorgen. Dieſe aber, obgleich
bier nicht eigentlich unterrichtet, werden doch geiſtig
angeregt durc< das beſtändige Beiſammenſeinz auch
üben ſie ſich im richtigen Deutſchſprehzen und kommen
nachher beſſer vorbereitet in die eigentliche Schule,
Manches Liedchen iſt ſchon gelernt, das Anſchauungs:
vermögen iſt gereizt, das Sprachvermögen entwickelt,
Nachgiebigkeit und Dienſtfertigkeit iſt eingeübt und
mance kleine mechaniſche Fertigkeit ſchon begriffen.
Do das iſt eben der Segen oder der wohlchätige,
Menſchenveredelnde Gewinn, den cine zweEmäßig einge-
richtete Kleinkinder - Bewahranſtalt bringt. Lange
ſchon haben dergleichen Anſtalten weit- und breithin
Frucht getragen, und den Keim zu ſolcher Frucht legte
die ruhmwürdige Pauline von Lippe-Decmold.
Der ſel. Niemeyer beſah einſt auf ſeinen Reiſen
v. ſ. w. jene Anſtalt zu Detmold und ſpricht ſich in
ſeinen „Grundſäßen der Erziehung und des Unter-
richts“ (4 Th. Beil. IV.) alſo darüber aus: „I< er-
innere mich nie ohne Rührung des eignen Anſchauens
dieſes ec macher bezeugt daſſelbe in ſeiner „Kinderwelt“ (4.
Gef. u. 228) im lieblichen Bilde und mit gerechtem
Lobe der Stifterin.
Pedal. So beißt bekanntlich diejenige Clavia:
tur der Orgel, welche mit den Füßen tractirt wird.
aher auch der Name von dem lateiniſchen Worte
ps8, der Fuß. Das Pedal liegt natürlich immer auf
dem Boden und zwar 's, daß es mit den Füßen be»
Wenz nach alien Michtungen bin erreicht werden kann.
Cs enthält, weil blos die Grundſtimmen darauf ge--
ſpielt werden, nur die große und kleine Octave, und-
hat ſein eigenes Pfeifenwerk, alſo auch ſeine eigenen Res
giſterzüge. Man nimmt gewöhnlich nur tiefe, große
und durchgreifende Stimmen für das Pedal. Eine
darunter muß wenigſtens no ſtehen als die größte Stimme im Hauptmanuale, ſonſt
würde alle Wirkung beim Gebrauche des Pedals vers
fehlt. Im Uebrigen wird das Pedal mit den Manua-
len ganz gleich behandelt, nur daß man ſeinem Wels
lenwerfke noch mehr Feſtigkeit und Größe zumuthen
kann, da der Spieler in den Füßen natürlich mehr
Kraft als in den Fingern hat. Aus eben dem Grunde
dürfen auch die Ventilöffnungen der Pedalpfeifen grö:
ßer ſein als die der Manualpfeifen. In ganz großen
Orgeln trifft man auch wohl eigene Bälge für das Pe-
dal - Pfeifenwerk, da dieſes ſeiner Größe wegen einen
beſonders ſtarken Windzufluß verlangt, der auch nur
durch beſonders große Balge wieder erreicht werden
kann, wie ſie für die Manualſtimmen dann zu groß
und ihr Wind zu ſtark ſein würde. Der Erfinder des
Pedals war ein Deutſcher, Namens Bernhard.
Man hat auch an Clavierinſtrumenten ſolche orgel»
artige Pedale , die einen beſondern Theil deſſelben bil:
den, und in einem eigenen Geſtelle unter dem Inſtru»
menten: Corpus angebracht ſind. Degaleichen nennt
man au< die Veränderungen an Pianoforte*s, wenn
deren MechanisSmus durch Fußtritte regiert wird, Pez
dal, und ganz insbeſondere den ſogenannten Fortzug,
durc) welchen die Dämpfung von den Saiten gehoben
wird. =- Bei der Harfe verſteht man unter Pedal die
Fußtritte unten am Käſten derſelben, wodurch eine
Maſchinerie in Bewegung geſest wird, welche die mit
dem Fußtritt in Verbindung ſtehende Saite um einen
halben Ton erhöht, indem ſich ein kleiner Stift gegen
die Saite andrüt und dadurch dieſe mehr anſpannt.
Siehe mehr über dieſen Gegenſtand in Dr. Schilling's
„Encyklopädie der geſammten muſikaliſchen Wiſſen»
ſchaften oder Univerſal - Lexikon der Tonkunſt (Stutt«
gart, bei Fr. H. Kohler 4837.) unter dem Artikel:
Pedal. 10.
Pedanterie oder Pedantismus. Dieſer-
Ausdru>k kommt vom franzöſiſchen Worte pedant, ein
Schulfuchs, her. Fragt man nach dem Grunde, war»
um man jenes franzöſiſche Wort im Deutſchen durch.
„Schulfuchs“ überſeßt haben mag, ſo dürfce wohl dies
ſer darin zu finden ſein, daß vorzüglich unter Shuls
männern und Sprachforſchern (Philologen), deren.
Wirkungskreis die meiſte Mikrologie zuläßt, die Pes
danterie oder der Pedantismus einheimiſd) iſt. Beis
des iſt ein geſelliger Fehler, deſſen Grund eine gewiſſe
Cinſeitigkeit und Beſchränktheit der Bildung iſt, wes«
halb man im Verkehr mit Andern auf kleinliche und
außerweſentlicze Dinge einen weit höhern Werth legt,
als ihnen zukommt. Pedant wird überhaupt der ges
nannt, welcher ſteif an einer gewiſſen beſchränkten Form,
Regel oder Anſicht hängt, und mithin der Freiheit des
Geiſtes im Beurtheilen und Handeln keinen Einfluß.
geſtatten will. Pedanterie oder Pedantigsmus
iſt daher das ängſtliche Hangen au gegebenen Formen
oder Anſichten. „„Dex, ſagt Kant, deſſen Verfahren
mit dem , was er gelernt hat, den Zwang der Schule
(alfo. Mangel an Freiheit im Selbſidenken) verräth, if
der Pedant, er mag, übrigens Gelchrter vder-Soldat
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