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men der Schweizer bindend, allmählich ſie ſelbſtſtändig
weiter entwikelnd und auf aadere Fächer anwendend:
er wollte die Kraft des Kindes ſtärken, bezwe>te das
Können und nicht das Wiſſen, worauf die meiſten
Schulen hinzielten. Ex hatte die Freude, daß ſich von
allen Seiten her beamtete und unbeamtete junge Män-
ner zu ihm hindrängten. Später gab er das Inſtitut
wieder auf. Den weitern Gang ſeines Lebens überge-
hen wir hier und bemerken nur noch, daß er unter Lei-
den des Korpers und der Seele am 3. Sept. 1834 ſanft
entſchlief, um jenſeits den Lohn eines treuen Arbeiters
zu empfangen.
Pl. war von mittlerer Größe, breitſchultrig, aber
nicht von ſtarkem-Körperbauz eine freie hohe Stirn,
die Haare etwas lang nach hinz'n zugekämmtz die re:
gelmäßigen Geſichtszüge drüFten Offenheit und Klar-
heit, ein freundliches, liebcvolles Weſen aus. Leider!
erfreute er ſich keiner feſten Geſundheit und war ſchon
von Jugend auf manchen gefährlichen Krankheiten un-
terworfen , nur dur eine äußerſt regelmäßige Lebens-
weiſe und durch die ſorgſamſte Pflege ſeiner Frau erhielt
er ſich ſo viel als möglich für ununterbrochene Thäatig-
eit aufrecht.
Nicht allein für die Poeſie, auch für die andern
Künſte beſaß P!. ein ſchr empfängliches, reichbegabtes
Gemüth. Muſik trieb er in ſeiner Jugend faſt leiden-
ſchaftlich. In der Malerei zog ihn beſonders die Dar-
ſtellung ſchöner Landſchaften an; das hinz mit ſeiner
innigen Liete für die Natur zuſammen. An ſeiner
Familie bing er mit der größten Innigkeit. Er beſaß
vicl geſelliges Talent. Wenn auch gewöhnlich ernſt,
konnte er docl) im engern geſeltigen Kreiſe ſtets recht
heiter ſein und die tiefen Falten ſeines reichen Gemüthes
entwieelnd, mußte er jeden durch ſeine Einfachheit,
Innigkcit, Herzlichkeit anſprechen. Dahner hielten ſeine
Freunde an ihm, ſo wie auch ſeine Zöglinge an ihm
hingen. Sein Vaterland war ihm über Alles theuer,
und den innigſten Antheil nahm er an der Befreiung
Deutſhlands vom fremden Joche. Wie er mit Liebe
erfüllt war gegen Familie, Freunde und Vaterland, ſo
war er auch ſiets bereit zu helfen, beizuſtehen, wo wahre
Noth ihm entgegentrat. Stets nur das Rechte im
Augse habend und von inniger Liebe zu ſeinen Mitmen:-
ſchen erfüllt, ſeßte er zu leicht dieſelbe Geſinnung bei
denen, die ihn umgaben, mit denen er zu thun hatte,
voraus 3 daher er, ungeachtet ſeines pſychologiſchen Scharf-
ſinnes, nicht recht ſeine Leute beurtheil:e und ſich manch-
mal bitter in der guten von ihnen gefaßten Meinung
getäuſcht ſah, Das fc mit bei, daß er ſich immer mehr von den Menſchen
zurückzog.
Eine ausführliche Darſtellung Plamanns und
ſeines Wirkens findet ſich in folgender Schrift.
I. E. Plamann, Vorſtehereiner Erziehungs-
anſtalt zu Berlin. Aus ſeinen hinterlaſſenen Pa-
pieren und Briefen dargeſtellt von Dr. Franz Bredow.
Breslau, J. Max und Comp. 1836.
- Dur dieſe Schrift wurde Profeſſor Klöden in
Berlin , ehemaliger Lehrer in Plamann*s Anſtalt, ver-
anlaßt? „Erinnerung an JI. E. Plamann und ſeine
Anſtalt! in dem Schulblatte für die Provinz Branden-
durg mitzutheilen. Jahrg. 1836. S. 294 ff. Aud
wurde dieſelbe der Lebensbeſchreibung, welche ſich über
P!l, in den dei Baſſe in Quedlinburg erſcheinenden
-.

Plamann.
-- Plato.
„„Bildniſſen und Lebensbeſchreibungen der berühmteſten
und verdienſtvollſten PFdagogen und Schulmänner-!
vorfindet. Lieferung V. S. 99 ff. hauptſächlich zu
Grunde gelegt.
Die früheſten Nachrichten über Pl. Leben und Wir-
ken erſchienen bald nah ſeinem Tode von dem Dr. Köpke
in den Berliniſchen Nachr. 1834. Beil. Nr. 223,
woraus die Mittheilungen über Pl. in dem neuen Ne-
krolog der Deutſißen (12. Jahrg. 2. Bd. S. 653.)
entnommen ſind. Sie weichen in mehrern Angaben
von Bredow ab und ſind unzuverläſſig.
Cine kurze Notiz über Plamanns Jnſtitut theilt
auch Dr. Kröger mit im 2. Bande ſeiner Reiſen durch
Deutſchland und die Schweiz. S. 238. Degsgl. Dr.
Hergang im „Liter. Wochenbl. für Kirhe und Schule.“
Jahrg. 1837. Nr. 42. S. auc< Allgem. Sulz.
Jahrg. 1809. Nr. 178. 10.
Plan ſ. Lehrplan.
Plato (Karl Gottlieb), geb. am 6. April 1757
zu Halbau in der Oberlauſit, wo fein Vatcr Paſtor
war, erhielt ſeine wiſſenſchaftliche Ausbildung in Schul:
pforte und auf dem Gymnaſium zu Budiſſin, wo De-
muth, Petri, Faber, Cober und Roſt ſich um den Jüng-
ling verdient machten. Nach vollendeten Gymnaſial:
ſtudien benußte er die Vorträge der ausgezeichnet-
ſten Lehrer in der Philoſophie und Theologie auf der
Univerſität Leipzig und ſammelte ſich durch die eifrige
Lectüre der damals vorhandenen Erziehungsſchriften
pädagogiſche Kenntniſſe. Die Sorge ſär ſeinen Un-
terhalt noöthigte ſchon den angehenden Studirenden,
Privatunterricht zu ertheilen. Am Schluſſe ſeiner aca-
demiſchen Studien kam Plato auf Empfehlung des
Superintendenten Körner als Hauslehrer zu einer zum
Theil auf ihren Gütern in der Nähe von Leipzig woh-
nenden Familie. Da Roſenmüller dur< die Kenntniſſe
einer von Plato unterrichteten Schülerin, welche er vor
ihrer Confirmation prüfte, ſehr befriedigt ward, ſo
wählte er denſelben 1791, als dieſer eben im Begriff
ſtand, eine Hauslehrerſtelle in Kurland anzunehmen,
zum Lehrer ſeiner jüngern Söhne. Im folgenden
Jahre brachte ihn der ehrwürdige Roſenmüller dem geh.
Kriegsrathe Müller zur Organiſation der am 46. April
1792 eröffneten Rathbsfreiſchule in Vorſchlag. Plato
vollzog dadurch ein Werk von eigenthümlichen Schwie-
rigkeiten, da er ſelbſtſtändig durc< Einführung einer
geiſterwe>enden Methode und menſchlichen Disciplin
die Bahn zu einer beſſern Geſtalt des Volksſchulweſens
brechen mußte. Ihm war die Aufgabe geſtellt, nicht
allein eine verwilderte Jugend zu veredeln, ſondern auch
geſchidte Lehrer zu bilden; Lekßteres war um ſo ſchwie-
riger bei der Verachtung, welcher damals die Volks-
ſchullehrer ausgeſest waren, bei großem Mangel an
pecuniären und literäriſchen Hilfsmitteln. Dennoch
wußte Plato für die neu errichtete Anſtalt, welcher bald
die Aufmerkſamkeit und der Beifall edler Zeitgenoſſen
zu Theil ward, dur< Wort und Beiſpiel tüchtige Mit-
arbeiter zu bilden. Auch als Präſes der 4795 geſtif-
teten pädagogiſchen Geſellſchaft wirkte er für dieſen
Zwe. Obgleich) dem Begründer. der Freiſchule ſchon
in den erſten Jahren ihres Beſtehens mehrmals Aus-
ſichten zu glänzenden Wirkungskreiſen außer Leipzig
ſi:h öffneten, ſo zog er es doch vor, der aus Liebe zur
guten Sache begründeten und mit ſeltner Treue gt*
pflegten Anſtalt die ganze Kraft des reifern Manneb*-

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