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die wahre Bildung des Herzens fich lediglich auf dieſe
Tugenden als den einzig ſichern und feſten Grund ba-
ſire. Nur wenn der Glaube, die Hoffnung , die
Liebe im Menſchen lebendig ſind , da wird er geſtaltet
nach dem Herzen Gottes." Iſt die Quelle rein, ſo iſt
es auch das Waſſer , das aus Lerſelben fließt. So
wird auch jede Aeußerung das Bild des veredelten
Herzens als ein unterſcheidendes Kennzeichen darſtel:
len , und ſich als Gott und Menſchen gefällig bekune
den. Doch mehr hierüber im Art. Religion und
religiöſe Bildung.
Herz das kindliche). Nicht ſelten geſchieht
es , daß die guten Regungen des Herzens gleichgiltig
überſehen , oder wohl gar getadelt werden, wenn ſie
- etwa mit einem zeitlichen Nachtheil verbunden waren,
- oder wenigſtens feinen Gewinn brachten. Bei Kin-
dern hat das Herz meiſtens eine bedeutende Stimme,
und läuft dem Verſtande größtentheils voran. Allein
in einem ſolchen Falle ſollte ein Kind nie zu hart an-
gelaſſen werden, viel weniger alſo dann, wenn eine
ſol&e Regnng mit Vernunft und Gewiſſen im Ein-
klanze iſt. Gewöhnlich iſt es aber dann entweder
Leichtſinn , Unbeſonnenheit oder Dummheit, womit
der gute Wille des Kindes bezeichnet und belegt wird.
Und was iſt die Folge hiervon? =-- Dieſe: des Kindes
Geiſt wird herabgeſtimmt und zwar bis zur Gemein-
heit, die nichts für gut erkennt, als was Gewinn
und Vortheil bringt. Was ſich als edel, theilnehmend
an fremder Noth , wohlthätig , freigebig , ſchonend,
nachſichtig und menſchenfreundlich im kindlichen Her--
zen leicht entwikeln würde ; das wird gewaltſam un-
terdrükt , und das Gegentheil davon, =“ ein engher-
ziges , karges , ungefälliges , unfreundliches und theil:
nahmloſes Weſen wird demſelben eingeimpft. =-- Auf
dieſe Weiſe wird das kindliche Herz mit einer eiſigen
Kruſte überzogen, die mit ihm vielleicht, ſo lang es
ſchlägt , zuſammenhängt.
Gerzensgüte ſ. Herz.
Herzhaftigkeit ſ. Muth.
Herzlichkeit [f. Gemüth und Herz.
Herzloſigkeit ſ. Gefühlloſigkeit.
Heſekiel (Friedrich), Generalſuperintendent
und Conſiſtorialrath zu Altenburg , wurde am 27.
October 41794 zu Rehſen im Deſſauiſchen , wo ſein
Vater Prediger war, geboren. Nachdem ſeine Schul-
bildung auf dem Gymnaſium zu Deſſau vollendet war,
ſchloß er ſich 1813 als freiwilliger Jäger den Truvp-
pen ſeines Vaterlandes an, machte mit ihnen die Feld-
züge nach den Niederlanden und nach Frankreich, und
erwarb das deſſauiſche Feldzugskreuz für 1813, 14814
und 1815. Schon war er in der ruhigen Zwiſchen:
- zeit nach Leipzig abgegangen, um dort ſeine theologi-
ſchen Studien zu beginnenz als aber der Krieg wieder
ausbrach , wurde er darin aufs Neue unterbrochen,
indem er ſogleich wieder , je6* als Oberjäger , bei dem
deſſauiſchen Corps eintrat. Erſt von Michaelis 1815
bis dahin 1817 konnte er ſie ruhiger vollenden, zucrſt
wieder in Leipzig , dann zu Halle ,- wo Niemeyer,
Knapp, Wegſcheider und Geſenius ſeine vor-
züglichſten Lehrer wurden. Hier wurde er auch nach
-kurzem Hauslehrerleben 1318 zum Diaconus an der
Morikkirc dieſem Wirkungskreiſe , mit welchem “er verſchiedene
Lehrämter am Pädagogium und an Privatanftalten,
Herz. - = Heſekiel.
ſeit 1823 auch das Amt eines Hospitalpredigers, 1824
das eines Inſpectors der Parochial» und Armzenſchulen
und 1826 das eines Seelſorgers an der Irrenanſtalt,
außerdem ſeit 1827 die Redaction des „Halliſchen
Wochenblattes'“' und zum Theil auch des halliſchen
„Journals für Prediger“, ſowie das Secretatiat der
oſtindiſchen Miſſionsanſtalt zu verbinden wußte, Die
Menge dieſer Aemter ließ ihm wenig Muße, ſich auch als
Schriftſteller im Fache der eigentlichen gelehrten Theo:
logie eine Wirkſamkeit zu eröffnen 3 aber bei einer eigen-
thümlichen Gabe gemüthlicher Darſtellung fand er es
doch möglich, ſich durc gendſchriften nüklich zu machen, (z. B. „Die Nach»
barskinder, Erzählungen,“ Halle 1824. „„Das Chriſt-
kind , eine Geſchichte Kindern erzählt ,“' Halle 1823.
„„Der frommen Kinder erſtes Lehr- u. Leſebuch,'' Halle
1833. „„Erinnerungen an Fr. Ph. Wilmſen,“' Berlin
1833), unter denen die Schrift: „,„Gottlieb Sonntag,
Blatter eines Theologie Studirenden ,“' Halle 1821,
welche in der Weiſe der Straufſchen „„Glo>entöne““
zur würdigen Einleitung der Theologie Studirenden in
ihren Beruf beſtimmt iſt, in ihrer Art ſehr wohl:
thätig gewirkt haben mag. Geſchabt ſind auch die Pro»
ben ſeines poetiſchen Talents („„Gedichte ,/'' Deſſau
1825. ,„Blüthen heiliger Dichtung,“ Halle 1827). Da»
zu kommen nech Gelegenheits: und Denkſchriften, wie:
„Kanſtein's Leben“ (Halle 1827), „„Fran>e's Denk»
mal“ (Halle 14828), „Bli>e auf Halle und ſeine Umge»
bungen“ (Halle 1824) u. ſ. w. Ohne ſeinen Namen,
vielmehr im Namen der Direckoren der Fran>eſchen
Stiftungen , gab er die jährlichen. Berichte der oſtindi-
ſchen Miſſionsanſtalt heraus, und ſchon hier zeigte ſich
in dem Tone ſeiner Betrachtungen , ſo wie in der Art
ſeines Intereſſes für das Miſſions8weſen , ein Unter»
ſchied zwiſchen ſeiner theologiſchen Richkung und der
feiner Lehrer. Noch mehr zeigte ſich dieſes , ſeitdem er
im Jahre 1834 an die Spige der altenburgiſchen Geiſte
lichkeit geſtellt wurde, In ſeinen Predigten , von wel»
(3. B. „„Gedächtnißpred. auf den Kaiſex Franz,“ Altenb.
1836) erſchienen ſind, hat er ſich mit Erfolg der Pre-
digtweiſe Dräſeke's angeſchloſſen 3 dieſes zeigen auch
ſeine unter dem Titel „Timotheus“ herausgegebenen
Reden an Geiſtliche bei ihrer Einweihung und Einfüh»
rung in den Beruf des Pfarrers (Altenburg 1837),
eine Satſfmlung , wie ſein „„Gottlieb Sonntag“, doe
ſonders für jüngere Amtsbrüder , Candidaten und
Theologie Studirende beſtimmt. Auch in ſeinem ein-
flußreichen Amte bemühte er ſich, dem Uebergewichte des
dort ſchr verbreiteten Rationalismus durch Aufmunte«
rung abweichender Richtungen entgegenzuwirken. In
dieſem Sinne iſt ihm auch das viel beſprochene Conſt
ſtorialausſchreiben vom 43. November 1838 zugerec net, welches unter Zugeſtändniſſen in Beziehung auf
die Auswanderer , deren religiöſes Bedürfniß durch
ſtete Predigten über Frömmler und Finſterlinge nicht
habe befriedigt werden können, den Predigern nicht
etwa blos die Lehren von Gott , göttlichen Eigenſchafs
ten und Unſterblichkeit , ſondern auch die von der
Sünde , Verſöhnung , Nechtfertigung , Himmel und
Hölle u. ſ. w. in ihren Predigten abzuhandeln enz
pfiehlt. Wenigſtens hat einer der angeſehenſten alten«
burger Theologen , der 7Zjährige geheime Conſiſto-
rialrath und Döottor der. Theologie .Sc |

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