Schule.
niete Tas Schulweſen einen kräftigern Umſchwung,
und es wurden nicht nur gelehrte Schulen, ſondern
zuc UWeberhaupt wird unvergeßlich bleiben, was Luther
und Melan burg, Troßendorf in Goldberg u. a. m. für das
beſſere Schulweſen gethan haben. S. ihre Biogra-
phicen in der pädag. Real -Encytl. Auch pädagogi-
ſche Schriftſteller, wie der engliſche Canzler Franz
Baco und der Biſchof der mähriſchen Brüder Amos
Comenius ſuchten der Methodik neue Bahnen zu
brechen und dem Schulweſen damit aufzuhelfen. *)
Doch ſtatt auf den bisher gelegten Bahnen einer
beſſern Volksbildung fortzuwandeln, trat vielmehr in
'Folge des dreißigjährigen Krieges und der neuen Rich:
tung, welche die Theologie im Geiſte des Buchſtaben-
weſens genommen hatte, wie für die Theologie, ſo für
die Schule ein neuer Geiſt auf.
Die erſten Grundlagen waren hiet das Waiſfen-
haus und Pädagogium des edlen Herrmann Franke
in Halle, deſſen Stiftung no< heute ſegensreich fort:
wirkt. Da in den Frankeſchen Schulen, welche be-
ſonders die Ausbildung tüchtiger religioſer Schulmän-
ner bezweten, eincs Fenelon und Spener frommer
Sinn vorherrſchend war, ſo wurde Franke?s Erziehungs-
ſyſtem , weil es' eine pietiſtiſche, frommelnde, ja my-
ſtiſche Richtung genommen, zum Unterſchied von den ſpä-
teren philanthropiniſtiſchen, das pietiſtiſche genannt.
(S. pä>ag. Real-Encycl. Artikel: „Erziehungsſyſteme“
S. 632 f. und über A. H. Franke ſ. v. Raumer
G. 2. Bd. S. 134 ff. und pädagog. Real - Encycl.
S. 691 f.)
Zwar auch einſeitig, aber mit bewundernswerther
Conſequenz führte Zinzendorf die Grundgedanken
ſeines Lehrers Franke in den Erziehungsanſtalten der
Brüdergemeinde dur<. S. S< warz Erziehungslehre
l. 2. S. 428 f.
Nachdem eine Zeit lang die fromme Pädagogik
oder die pietiſtiſche Schule ſich behauptet hatte, trat
die Schule der Humaniſten auf, welche nur auf
Ausbildung in den alten Sprachen drang und alles
Andere darüber vergaß. (In Holland --- Hemſter-
huys, Ruhnken und Valkenaer, in Deutſchland
-=- Gesner, Heyne, Erneſti, Shliß u. Wolf.)
Jekt hob zu Anfange des 18. Jahrhunderts der
Philanthropinismus ſein Haupt. Der Schöpfer
dieſer Pädagogik war Jean Jacques Rouſſeau in
Frankreich. (R. geb. 1712. + 1778.) S. pädag.
Real-Encycl. unter dem Namen „Rouſſeau“ und von
Raumer's Geſchichte u. f. w. Bd. L. S. 170 ff.
=- Ihm war John Lo>e in England vorangegangen
(€. geb. 1632. + 1704.) S. pädag. Real-Encycl.
unter dem Art. „Lo>e“ u. S. 633 ff. ; auch v. Rau-
mer Geſchichte u. f. w. S. 112 f. Von Lode und
Rouſſeau angeregt, aber weder ſo beſonnen wie jener,
nech ſo geiſtvoll wie dieſer, dabei unruhig und verän-
derlich, trat in Deutſchland Joh. Bernhard Baſe-
dew. (geb, 1723. + 1790.) auf und machte großes
Aufſehen, beſonders dur; die Stiftung des, Philan-
GEGEND
") S. v. Raumer „Geſchichte der Pädagogik.“ 1. Tb.
S. 329 ff. Franz Baco u. Montaigne u. ebendaſelbſt
Comenius. 2. Th. S. 46, au ter „Gomenius“ ui. S. 632. Dir dreißigjährige Krieg.
2. Th. der „Geſchichte“ u. ſ. w. S. 43 f.
R .
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thropinums in Deſſau (1774). Ihm kam das Be-
dürfniß entgegen und tüchtigere Männer z. B. Campe,
Salzmann, Jſelin, Olivier, Wolke halfen und -
folgten ihm nac<. Hauptſäke der philanthropiniſtiſchen
Schule waren: Die Verſtandescultur iſt die Hauptſache
und die Realien ſind die wichtigſten Unterrichtsgegen-
ſtände. Alles Lernen muß vom Anſchaulichen ausge-
hen und möglichſt leiht gemacht werden. Brauchbar-
keit für das Leben und Bildung für alle Stände der
Menſchengeſellſchaft (daher PhilanthropinisSmus). S.
Dr. Hergang's Handb. der pädag. Liter. S. 17 f. --
von Raumer Geſch. Bd. 2 S. 242 ff. und in der
pädag. Real-Encycl. den Art. : Philanthropie u. [. w.
und den Namen „Baſedow.“ -“ In Bandlins
Schrift : „Peſtalozzi, ſeine Zeit, ſeine SchiFſale und
ſein Wirken“, findet ſich eine intereſſante Gegeneinan-
derhaltung Baſedow's und Peſtalozzi's, ſo wie in
derſelben Schrift (Abth. 6.) die Erziehungsgrundſäbe
des Humanismus und Philanthropiniemus unter ſich
und mit denen Peſtalozzi's verglichen werden. Unter
den Inſtituten, welche nach dem Vorbilde des Philan-
thropinums zu Deſſau entſtanden, zeichnete ſich das von
Salzmann (geb. 1744 + 4811.) in Sc errichtete am Meiſten aus. Daſſelbe hat herrliche
Früchte getragen und trägt ſie noch heute fort unter
der Leitung ſeines würdigen Sohnes. S. die im Jahr
1844 erſchienene Beſchreibung deſſelben. Wenn auc aus den genannten Inſtituten für die niederen Volks-
ſchuten kein beſonderer Gewinn hervorging, ſo erhielten
ſie dom wenigſtens durch wa>re Pädagogen dieſer
Scule beſſere Schulſchriften, Methoden u. dgl. m.,
fo wie auf der andern Seite die gelehrten Schulen
jebt auch die Realien in den Kreis ihrer Lehrobjecte
aufnahmen.
Um die Verbeſſerung des Landſchulweſens erwarb
ſi< der Domherr von Rochow auf Rekane in der
Mark (geb. 1734 + 1805.) das meiſte Verdienſt.
(S. deſſen Biographie in der pädag. Real -Encycl.)
Er entwarf für das Landvolk ein eigenes Schulbuch,
richtete Schulen auf ſeinen Gütern ein, die bald Mu-
ſterſchulen wurden und ein allgemeines Intereſſe für
Verbeſſerung der Volksſchule erregten. Aufmerkſam
dur< ſie gemacht, errichteten die Regierungen für
Volksſchullehrer Bildungsanſtalten, Armen-, Sonntags:
und andere Schulen für die dürftigen und verwahrloſ*-
ten Volksclaſſen.
Doh die bisherigen Syſteme der Pädagogik wur-
den jekt dur den in der Schweiz hervortretenden edlen
Peſtalozzi (geb. 1746 + 1827.) in den Hintergrund
gedrängt, den Jean Paul den ſtärkenden Rouſſeau
des Bolks nannte. Ein Zögling der Natur, entwikelte
er in ſich ſelbſt eine, wie er meinte, bisher ganz ver?
ſäumte Methode des Unterrichts, von deren rechter
Anwendung er für intellectuelle und moraliſche Bil-
dung der künftigen Generation einzig große Wirkungen
erwartete, und deren Hauptidee er durch naturges
mäße Entkwielung der geiſtigen Anlage und
Kraft bezeichnete. Die Reſultate ſeines langen, ſtil-
tien Forſchens legte er in der bekannten Schrift nieder:
„Wie Gertrud ihre: Kinder lehrt“ u. ſ. w.
S. eine detaillirte Angabe ſeiner Schriften in Her-
gang's Hdb. der pädag. Literatur S. 20 ff. ferner
die pädag. Real-Encycl. S. 634 und im Artikel „Pe-
ſtalozzi“ 3; auch v. Raumer Bd. 11. S. 287 ff.
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