Full text: Haas - Ulrich Zwingli (2)

- AInſtanz. =- Jünſtitut. 
die Schule angeben kann. In einem fünften Fache 
mögen die Schulverſäumniſſe von einem abgelaufenen 
Semeſter oder Schuljahre verzeichnet ſiehen. Andere 
Fächer mögen ſich über die Kenntniſſe und Fort- 
ſchritte des Schülers, ſteinen Fleiß, ſein ſittliches 
Betragen, die Geſchichte ſeines Schullebens 
ausſprechen ; und endlich kann noch ein Fach zu beſon- 
dern Bemerkungen gemacht werdeu, wozu der eine oder 
andere von den Schülern durch “ſeine Judividualitat 
Veranlaſſung gibt. Sollen ſolche Verzeichniſſe genau 
fein, wodurch fie einzig Werth erlangen können, ſo 
ſeen ſie genaue Monatszeugniſſe oder Monatscenſuren 
voraus; worin die Fortſchritte und der Fleiß des Schü- 
ſers in jedem Fach, ſein Cifer im Schulbeſuch , ſein 
Betragen fortwährend gewiſſenhaft bemerkt, überwacht 
und ſeinen Angehörigen mitgetheilt werden müſſen. 
Auf den Grund ſolher Zeugniſſe werden dann nach 
Abläuf einer Schulperiode die Inſcriptionsbücher aus- 
gearbeitet, Sie find ein nothwendiges Hilfsmittel 
einer geſchiten Schulverwaltung und tüchtigen Schul- 
disciplin, und dürfen als ſolches keineswegs vernach- 
käſſigt werden. Auch dem Schüler: dienen ſie zur Auf- 
munterung, wenn er ſieht, daß ſie mit Genauigkeit 
und gerechtem Sinne geführt werden. . 
Infſtartz. Eine vereinſelte Erfahrung, welche 
niht aus andern ſich erklären läßt, daher einer aus 
mehren andern Erfahrungen abgeleiteten Wahrheit wi- 
derſprechen kannz in lehterem Falle iſt eine Inſtanz 
eine Art .von Objektion oder Einwurf. . 
+“ Fnſtitut (im Franzöſiſchen verlangen die Gram 
matiken, daß inztitution gebraucht wird, jedoch hört 
man öfter institut). Dies Wort wird in doppeltem 
Sinne gebraucht, wenn wir von einem polytechni- 
ſchen Inſtitut, einem kameraliſtiſchen Inſtitut, 
dann wieder von dem Peſtalobi'ſchen Inſtitut, 
einen: Töchterinſtitut u. d. reden. In erſterem 
Sinne iſt es eine höhere Unterrichtsanſtalt, welche die 
Aufgabe hat dem Unterrichte eines einzigen Faches aus- 
ſchließend, umfaſſend und in möglichſter Vollkommen- 
heit ſich zu widmen, z. B. der Forſtwiſſenſchaft, dem 
Bergbau, während eine Univerſität eine allgemeine An- 
ſtalt iſt. Jn lekterem Sinne iſt ein Inſtitut eine An- 
ſtalt, welche für das geiſtige und leibliche Wohl ihrer 
Zöglinge ſorgt, die Vortheile der häuslichen Erziehung 
mit denen des öffentlichen Schulunterrichts zu vereini- 
gen ſucht, und ebendeßhalb auch nur von Privatperſo- 
nen unternommen werden kann. Cs ſind alſo Privat«- 
erziehungsanſtalten, was jedoch nicht ausſchließt, daß 
der Staat durch Unterſtübung daran theilnimmt, enn 
es dem Staatsintereſſe angemeſſen iſt. In dieſer Er- 
klärung liegt auch der Unterſchied der Inſtitute von den 
öffentlichen Unterrichtsanſtalten. Die lebteren ſind 
Staatsanſtalten und ihr Hauptzwek iſt Unterricht. 
Der Grundgedanke liegt allerdings ſchon in den 
Kloſterſchulen und Stiftsſchulen der katholiſchen Kirche, 
allein Unterricht und Erziehung verfolgten darin den 
einſeitigen Zwe&, Geiſtliche zu bilden, und wenn dies 
auch nicht geradezu ausgeſprochen war, wie in.den An- 
ſtalten des Benediktinerordens, ſo lag es do in der 
Mangelhaftigkeit der Bildung der Mönche und Non- 
nen, daß ihre Anſtalten ſich nicht von Einſeitigkeit los- 
machen konnten. Von dieſen Feſſeln wurde die Ju- 
gend dur< die Reformation befreit, welche an die 
Stelle des mönchiſchen Unterri<ts die Humaniora 
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ſebte. Indeſſen war dadurc& unmittelbar doch nur . 
der Unterricht reformirt, was beſonders in den aus den 
Kloſterſchulen entſtandenen Fürſtenſ<hulen in Sachſen 
bemerklich wurde (Pforta, Grimma, Meißen) , worin 
neben beſſerem Unterrichte nicht auch eine beſſere Erziee 
hung, ſondern die alte, vielleicht nur ſchlaffere Kloſter« 
zucht ſichtbar wurde. Als daher die Jeſuiten auftras 
ten, um den Proteſtantiemus durch Moderniſirung des 
Katholicismus zu vernichten, war es ein ſehr erleuch« 
teter Gedanke von ihnen, ein pädagogiſches Syſtem 
aufzuſtellen , nach welchem nicht blos der Unterricht rts 
formirt erſchiene, ſondern die Kloſterzucht in eine wahre 
Erziehung umgewandelt würde. Den Stiftern des Jos 
ſuitiösmus war es jedenfalls Ernſt um eine Verbeſſee 
rung der Jugendbildung, aber der Geiſteszwang der 
katholiſchen Kirche machte ihnen die vollſtändige Erreis« 
<zung ihres Zwe>es unmöglich. Sie nahmen zwar 
der äußeren Form nach das Unterrichtsſyſtem der Rec 
formatoren an, und gründeten ſc<einbar ihren Unter: 
richt auf dit Klaſſicität, im Grunde genommen blieb 
es aber der alte Geiſteszwang der katholiſchen Kirche, 
nur moderniſirk und neu angeſtrichen. Freiere. Hand 
hatten ſie in Bezug auf Erziehung, namentlich körpers 
liche Pflege, Gymmaſtik u. d. und darin haben ſie auch 
etwas Ausgezeichnetes geleiſtet (vgl. Jeſuiten). Dit 
Jeſuiten ſtifteten alſo, was wir Inſtitute nennen, 
nur daß ihre Anſtalten die einſeitige Geiſtesrictung der 
katholiſchen Kirche mit einer eiſernen Conſequenz, aber 
weltlicher Geſchmeidigkeit verfolgen. Wer nicht in 
das Innere der Sache eingeht, wird zwiſchen.den 
Penſionaten oder Erziehungsanſtalten der Jeſuiten zu 
Sryburg in der Schweiz und den übrigen Schweizer» 
Inſtituten äußerlich nicht rur keinen Unterſchied fin» 
den, ſondern ſogar zugeſtehen müſſen, daß nur wenig 
d.7gleichen Anſtalten es mit denen der Jeſuiten in Be» 
zug auf Reichthum der Mittel, elegente, freundliche und 
moderne Ausſtattung, in Bezug auf Ordnung, blühen» 
des Ausſehen und anſtändiges Benehmen der Zöglinge 
aufnehmen können. Wer nun vollends Auswendigler« 
nen von Geboten und Dogmen, Gewöhnung an Hins 
knieen, Beichten und regelmäßiges Meſſegehen für Ros 
kigion hält, und dieſe religiöſe Grundlage in nichtjeſuitie 
ſchen Anſtalten entweder vermißt oder doch wenigſtens 
nicht gehörig berüſichtigt wähnt, der muß natürlich 
den Jeſuitenanſtalten vor allen andern den Vorzug gos 
ben, woraus ſich der Zulauf erklärt, den von jeher dis 
Jeſuiten gehabt haben und noh haben. Die Jeſuiten 
erhielten durch ihre Inſtitute auch offenbar eine Zeitlang 
die Oberhand über die proteſtantiſche Pädagogik. Ste 
machten zu Anfang des 17. Jahrhunderts reißende Forts 
ſchritte. Sie machten , wie heutzutage die Dunkelmän« 
ner und Jeſuiten, den reformirten Sc<hulmännern 
Mangel an Religiou, ja wohl gar Jrreligioſis 
tat zum Vorwurf, was bei dem gemeinen Mann, der 
Religion an Sprüchen und Cerimonien erkennt, nur zu 
leicht Anklang findet. Der Dünkel und die Eitelkeit 
des Wiſſens mochten allerdings auf proteſtantiſcher 
Seite nicht größer ſein, aber offener und ſchärfer hero 
vortreten und die nichtwiſſende Maſſe reizen und vere 
leben, was die ſäclauen Jeſuiten vermieden, und dage» 
gen mit den Waffen des Spottes und Zelotigmus dis 
Blöße der Gegner benußten. Die proteſtantiſchen Lehs 
rer wurden entweder als irreligios verdächtigt, anges 
ſchwärzt, verleunadet, oder als Pedanten - als verknt«
	        

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