Full text: Haas - Ulrich Zwingli (2)

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kenntniß -- dieſer treffliche Unterricht in Peſtalozzi's 
und Dinter's Geiſt, kräftigte Geiſt und Gemüth ſo, 
daß die dort gewe>ten Funken vom größten Einfluſſe 
auf mein ganzes ſpäteres Leben waren. Von meinem 
11. Lebensjahre an ertheilte mir der Rittergutsbeſiker 
in Sachsgrün, der Domherr von Brandenſtein -- 
ein Edelmann im ſtrengſten Sinne des Worts ge- 
nommen -- vier Jahre lang täglich) zwei Stunden 
Unterricht im Lateiniſchen z ſpäter kam dazu auch no< 
täglich eine franzöſiſche Stunde. Die Urſache dazu, 
daß mich Herr Domherr von Brandenſtein in dieſen 
zwei Sprachen unterrichtete, war folgende: Herr von 
Brandenſtein lehrte ſeinen zwei älteſten Söhnen das 
Lateiniſche; um nun dieſen die Stunden angenehmer 
zu machen, vorzüglich aber um Wetteifer zu erwe- 
&en, zog der edle Mann mich no zu dieſen Stun- 
den. Da die Unterrichtsſtunden ſehr ſorgfältig gehal 
ten wurden und wir Knaben auch viel als Hausfleiß 
arbeiten mußten, ſo konnte es nicht fehlen, daß wir 
ſchöne Fortſchritte machten. =“ Der edle Domherr 
von Brandenſtein ruht nun ſchon ſeit Jahren in küh- 
ler Gruft, aber die innigſte Dankbarkeit gegen den 
verklärten Geiſt wird nie in meinem Herzen erlöſchen! 
I< weiß und erkenne es, wie viel ich ihm zu danken 
habe 
Fünfzehn Jahre alt, kam iz auf das Gymnaſium 
zu P.auen. Vier Jahre lang war ich in dieſer 
Anſtalt. Rector Dölling und Collaborator M. Fied- 
ler (jebt Archidiaconus) waren hier hauptſächlich die 
Lehrer, deren iM mit Dankbarkeit gedenken muß. 
Oſtern 1831 trat im in das Seminar. Es war 
nämlich nach der damaligen Verfaſſung des Gymna- 
ſiums und Seminars in Plauen nothwendig be- 
dingt, daß Derjenige, der in das Seminar aufge: 
nommen. ſein wollte, erſt einige Jahre das Gymna- 
ſium frequentirt haben und wenigſtens bis Se- 
cunda gekommen ſein mußte. Eine Einrichtung, 
die ich heute noch ſegne, und von der ich wollte --- ich hege 
um meines Standes wiälen faſt keinen innigeren Wunſch 
== daß ſie jezt no< und durch alle Zeiten auf allen 
Seminarien fortdauerte! Die Gründe für dieſen mei- 
nen heißen Wunſch (der nach den jetzigen Ausſichten 
leider! immer nur ein -- Wunſch bleiben wird!) lie- 
gen zu nahe, als daß ich mich verſucht fühlen ſollte, 
ſie hier augeinander zu ſeßen. -- Dem waern Se- 
minarlehrer Wild, jest Seminardirector in Plauen, 
verdanke ich viel, fehr viel; und was mir, ſo wie vie- 
len Hunderten vor und nach mir, der ruhige, gemüths- 
tiefe und väterliche Cantor Fin>e in der Muſik, aber 
auch als väterlicher Berather war, wird ſtets in mei- 
nem Herzen fortleben. 
Am 26. October 1833 beſtand ich mit noch a<t 
Seminariſten aus dem Plauenſchen Seminar nad) 
der damaligen Vorſchrift im Friedrichſtädter Seminar 
zu Dresden die Schulamts-Candidaten-Prüfung vor 
der „Königl. Sächſ. Landesſchullehrer - Seminar - Com- 
miſſion.“ Die Eraminatoren waren der Oberhofpre: 
diger Dr. von Ammon und in der Muſik der Hof: 
organiſt Schneider. Da ſich nah der beſtandenen 
Schulamts-Candidaten-Prüfung nicht ſogleich eine An- 
ſtellung für mich fand, ſo verlebte ih noch ein Jahr 
im Seminar, war aber zugleich auß Hauslehrer 
in dem mir unvergeßlich bleibenden Hauſe des Kauf- 
mann Schreiner in Plauen. Auch verwaltete ich, 
 
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Winter. 
vom Seminarlehrer Wild dazu abgeſandt, im Som- 
mer 1834 die Sculſtelle in Karlsfeld bei Eiben: 
ſto& mehre Wochen lang, und ſo kurz auch dieſe In. 
terimsverwaltung war, ſo mannigfache Crfahrungen 
habe ich doch in dieſen wenigen Wochen in dem "2 
rauh gelegenen Karlsfeld gemacht. 
Midaelis 1834 wurde mir vom Stadtrathe in 
Delsniß durc< den damaligen Superint. Dr. Fied» 
ler in Plauen die interimiſtiſche Verwaltung des Or- ' 
ganiſten» und Mädchenlehrer-Amtes in Oels. 
niß Übertragen. Hier wirkte ich --- bis die ſtreitigen 
Puncte zwiſchen dem Emeritus ebenberegter Stelle 
und dem neuen Deſignaten erledigt waren --- gerade 
bis zum 18. Mai 1835. 
Am 22. Mai deſſelben Jahres ging ih --- der 
ſchriftlihen Einladung des Stadtraths folgend --=- nach 
Kir<berg, um daſelbſt abermals als Vicar eines 
Organiſten und erſten Mädhenlehrers thätig zu ſein. 
Doh gleich nach meinem Antritte als Vicar in Kirh- 
berg ſtellte ich mich mit unter die Anzahl der Bewer- 
ber um die erledigte Organiſten- und erſte Mädchen- 
lehrerſtelle, und am 15. Juni 1835 wurde ich vom 
Stadtrathe = wie es in meiner Deſignation heißt --- 
„„dorzugsweiſe einſtimmig“ als Organiſt und erſter 
Mädchenlehrer in Kirchberg gewählt. Am 15. Septbr. 
1835 beſtand ich vor dem Königl. evangel. Landes: 
Conſiſtorium zu Dresden mein Anſtellungsexramen. 
Im Jahre 1836 wurde, in Folge des neuen 
Schulgeſeßes, das ganze Schulweſen in Kirchberg re- 
organiſirt ; es wurde auch noch eine neue Lehrerſtelle 
gegründet 2c. und ſo auch mir als Lehrer eine anders 
Stellung angewieſen, ſo daß ich jeht in der zweiten 
Mädchen- und dritten Knabenclaſſe Claſſenlehrer bin, 
aber auch wöchentlich noh vier Stunden in der er» 
ſten Mädchenclaſſe Unterricht ertheile. (Die hieſige 
Bürgerſchule zählt gegenwärtig fünf Knaben- und 
fünf Mäd<enclaſſen ; außerdem beſteht aber auch eine 
Sreiſchule hier.) War meine Stellung ſchon vor 
der Reorganiſation des hieſigen Schulweſens eine an» 
genehme zu nennen, ſo iſt ſie es ſeit 1836 in einem 
noch weit höhern Grade. 
Unerwähnt kann ich in meiner Lebensbeſchreibung 
nicht laſſen, daß ih im Sommer 1843 auf einer 
Verienreiſe in Borna einſprach, und dort den als 
Componiſten rühmlichſt bekannten Cantor W. Adolpy 
Müller für einen von mir ſchon längſt gehegten 
Lieblingswunſch gewann, der darin beſtand, das Ge- 
burtshaus Vater Dinter's mit einer Gedenktafel zu 
zieren. Müller willigte mit großem Vergnügen in 
meinen Plan, und ſo erließen wir in Nr. 40 der 
Sächſ. Schulzeitung (Jahrg. 1843) einen Aufruf an 
„alle Verehrer Dinter's", in welhem wir zu 
Beiträgen zu einer gußeiſernen Gedenktafel an Din- 
ters Geburtshaus aufforderten. Unſer Aufruf wurde 
 
ſehr gut aufgenommen. In Summa gingen uns 
107 Thir. zu, ſo daß ſchon am 26. September 1844 
die Gedenktafel, welche gerade über der Hausthür an 
Dinter's Geburtshaus eingemauert iſt, und die ein- 
fache Inſchrift trägt: „Gustay Friedrich DINTER'S 
Goburtztätte“, enthüllte werden konnte.*) Auch Gör- 
*) Vergl. das Schrift<hen: „Das Dintcr - Denkmal in 
Bora, von mehren ſeiner Freunde, Verehrer und Schüler ex- 
richtet den 26. Septbr. 1844.“ Neuſtadt. a. d. Orla. In 
Commiſſion bei Joh, K.. Gottfr. Wagner. 1844. in
	        

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